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Subprime: Prinzip Hoffnung gewinnt über Risikomanagement

Stefan Hirschmann und Frank Romeike08.11.2007, 20:01

Die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt ist weiterhin eine große Belastung für die US-Finanzbranche. Der Gewinn der weltgrößten Versicherungsgesellschaft, American International Group (AIG), fiel im dritten Quartal um 27 %. Ebenfalls in Folge der Immobilienkrise kündigte die Investmentbank Morgan Stanley jüngst für das vierte Quartal weitere Abschreibungen in Höhe von 2,5 Mrd. US-Dollar an. Der Gewinn von AIG fiel im dritten Quartal auf 3,1 Mrd. USD zurück, verglichen mit 4,2 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Morgan Stanley teilte mit, dass die Bank im schlimmsten Fall bis zu 6 Mrd. US-Dollar in Folge der Hypothekenkrise abschreiben müsste. Dies hänge von der weiteren Marktentwicklung bis zum Jahresende ab. Dagegen sind die deutschen Kreditinstitute vergleichsweise glimpflich davon gekommen, doch an Selbstkritik mangelt es trotzdem nicht.

Deutsche Banken durchaus selbstkritisch

"Welche Fehler haben Banken gemacht?", fragt der Bankenverbandspräsident Klaus-Peter Müller (Foto) und liefert die Antwort gleich mit: "Das reicht von den Kreditvergabestandards hier in den USA bis hin zu internen Risikomanagementstandards, die nicht gegriffen haben. Viele Banken – auch deutsche – sind Risiken eingegangen, die sie nicht beherrscht haben. Einige in unvertretbar hohem Umfang. Die Folgen sind bekannt. Dabei ist gerade das interne Risikomanagement eine ureigene Aufgabe eines jeden Kreditinstitutes", sagt Müller. Aus dem Kreis der Zentralbanken wurde bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass manche Risiken nicht richtig bepreist waren. Die rasche Expansion des Subprime-Marktes und seine Auswüchse waren ein klares Indiz für eine Überhitzung und einen überzogenen „search for yield“. Deshalb sei weiterhin zu fragen, so Müller weiter, welche Schlussfolgerungen die einzelnen Marktteilnehmer daraus gezogen haben. Einige Banken hätten weitergemacht, manch eine Bank habe das Neugeschäft mit diesen Produkten eingestellt. Völlig ausgestiegen sei aber  wohl kaum jemand. "Für alle war wohl überraschend, dass die Probleme von der Liquidität her aufbrachen. Von daher ist dem Liquiditätsmanagement in Zukunft noch größere Bedeutung beizumessen", sagt Müller. Dass am Markt Risiken nun neu bewertet und hoffentlich auch neu kalkuliert würden, sei positiv und im Grundsatz lange überfällig. Welchen Beitrag das hier in den USA von drei großen Banken geplante Master Liquidity Enhencement Conduit leisten könne, bleibe aber abzuwarten. "Genauere Informationen dazu liegen uns derzeit noch nicht vor. Ich warne deshalb vor einer vorschnellen Verurteilung", so Müller. Positiv wäre es, wenn der Super-Fonds durch Bereitstellung von Liquidität und mehr Preistransparenz dazu beiträgt, den Markt wieder in Gang zu setzen.

Die Rolle der Rating-Agenturen

Fragen seien auch an die Rating-Agenturen zu stellen. Denn das Vertrauen in die Qualität ihrer Arbeit habe gelitten. Sind die von den Agenturen verwendeten Methoden noch „state of the art“? Müssen die Ratings zeitnäher überwacht und gegebenenfalls angepasst werden? Verfügen die Agenturen über die hierfür notwendigen Ressourcen? Was ist mit eventuellen Interessenskonflikten gerade im Bereich der strukturierten Produkte? Gibt es eine Qualitätssicherung, checks and balances? Wie immer die Antworten ausfallen werden – eines lässt sich schon heute sagen, so Müller: "Ratings bleiben auch weiterhin unverzichtbar, nicht zuletzt für Verbriefungstransaktionen. Daher ist es positiv, dass die Rating-Agenturen selbst ihre Modelle nunmehr überprüfen und beabsichtigen, Veränderungen vorzunehmen." Gleichzeitig müssten sich alle Marktteilnehmer der Tatsache bewusst sein, dass externe Ratings stets nur ein Hilfsmittel seien. Die letzte Verantwortung liegt immer bei Inves toren und Emittenten. Gegenüber staatlichen Eingriffen sei einer Selbstregulierung der Vorzug zu geben. Der Bankenverband sehe deshalb keinen Anlass, den mit dem IOSCO-Code-of-Conduct beschrittenen Weg zu verlassen. Für genauso wenig zielführend hält der bankenverband die immer wieder aufkommende Diskussion um eine deutsche oder europäische Rating-Agentur.

[Bildquelle: Commerzbank]



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