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Subprime: Die Krise geht weiter

Stefan Hirschmann10.12.2007, 20:28

Die anhaltende Kreditkrise in den USA hat deutlich gravierendere Folgen für die Schweizer Großbank UBS als bislang angenommen und wird diese im vierten Quartal und möglicherweise auch im Gesamtjahr ins Minus drücken.  Wie die UBS AG mitteilte, schreibt sie wegen der Neubewertung von Subprime-Hypotheken nochmals 10 Mrd. USD ab. Zur Stärkung ihrer Bilanz will die Großbank nun in mehreren Schritten das BIZ-Kernkapital (Tier 1) um rund 19,4 Mrd. CHF erhöhen. Dazu werden zwischen 220 Mio. und 370 Mio. neue Aktien ausgegeben, wie UBS-Sprecher Serge Steiner sagte. Zusammen mit einem nicht genannten Investor aus dem Nahen Osten kauft der Stadtstaat Singapur dabei für insgesamt 13 Mrd. CHF eine mit 9 % verzinste Zwangswandelanleihe. Die Laufzeit der Papiere beträgt UBS-Angaben zufolge zwei Jahre. Die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung Mitte Februar vorausgesetzt, soll der Erlös dieser Emission dem Kernkapital der Bank zugerechnet werden. Der Investmentfonds The Government of Singapore Investment Corporation Pte Ltd (GIC), der die Währungsreserven von Singapur verwaltet, kommt mit der Transaktion auf eine Beteiligung von rund 9 % an UBS und betrachtet diese als "langfristiges Investment", wie der stellvertretende GIC-Verwaltungsratschef Tony Tan sagte. Zur weiteren Stärkung der Kapitalbasis verkauft die UBS 36,4 Mio. eigene Aktien, die eigentlich für die Vernichtung vorgesehen waren. Diese Papiere würden gestaffelt platziert, kündigte die Großbank an.

Spekulationen um eine Management-Neubesetzung

Der Wiederverkauf erhöht die BIZ-Kernkapitalquote um rund 2 Mrd. CHF. Unter Berücksichtigung des erwarteten Verlusts im vierten Quartal erwartet der Vorstand die BIZ-Kernkapitalquote über 12 %, nach 10,6 % am 30. September 2007. Anstelle der Bardividende für 2007 will der UBS-Vorstand zudem die Zahlung einer Aktiendividende vorschlagen. Dazu sollen Bonusaktien ausgegeben werden. Das Tier-1-Kapital verbessert sich dadurch um 4,4 Mrd. CHF. Davon stellen rund 3,3 Mrd. CHF eine Rückbuchung der aufgelaufenen Dividende für die ersten neun Monate dieses Jahres dar. Der Restbetrag bestehe aus Dividendenbeträgen, die nun nicht mehr zurückgestellt werden. UBS hält die nun geplanten Kapitalmaßnahmen selbst bei einer weiteren Verschlechterung der Kapitalmärkte für ausreichend. "Noch schlimmere Auswirkungen sind für mich nur sehr schwer vorstellbar", sagte Verwaltungsratsvorsitzender Marcel Ospel. Ospel beugte zugleich möglichen Spekulationen um eine Neubesetzung seiner Position vor. Sein Rücktritt sei im Verwaltungsrat niemals diskutiert worden, sagte der Manager. Vielmehr wolle er zur Lösung der aktuellen Probleme beitragen. CEO Marcel Rohner begründete den radikalen Schritt mit den sich verschlechternden Bedingungen am US-Hypothekenmarkt: "Wir haben deshalb unsere Verlustannahmen einem Niveau angepasst, das der angespannten Situation am Markt für hypothekarisch gesicherte Wertpapiere entspricht." Mit der Abschreibung sind die Positionen in so genannten CDO Warehouses gänzlich abgebaut, und Super Seniors stünden mit rund 13 Mrd. USD in den Büchern. Mortgage backed Securities machten 16 Mrd. USD aus. Bevor er das Investmentbanking in neue Hände gebe, werde es eine Umorientierung in dem Geschäftsbereich geben, kündigte Rohner zudem an. Auf Interimsbasis hatte der CEO bislang auch die Leitung des Bereichs Investmentbanking inne. Um das Risiko zukünftig kleiner zu halten, solle weniger Kapital investiert werden. Zudem sollen die Investmentbanker zukünftig höhere Zinsen zahlen, nachdem sie sich bislang zu Zinsen unter dem Markt refinanzieren konnten.

SachsenLB: Bündelung der Risiken in einer "Super-Zweckgesellschaft"?

Auch bei der SachsenLB gehen die Aufräumarbeiten weiter. Die Übernahme der Landesbank durch die LBBW Landesbank Baden-Württemberg könnte sogar noch scheitern. Eine Expertengruppe habe bei der Sachsen LB potenzielle Finanzrisiken im Volumen von 43 Mrd. EUR ausgemacht, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Finanzkreise. Für die Deckung dieser Unwägbarkeiten verlange die LBBW jetzt vom Freistaat Sachsen eine Bürgschaft von über 4 Mrd. EUR. Andernfalls könne der im Sommer vereinbarte Notverkauf der Sachsen LB an die LBBW scheitern. Die Expertengruppe, die seit dem Wochenende im sächsischen Finanzministerium tage, habe das Risikopotenzial unbestätigten Berichten zufolge mit 43 Mrd. EUR ausgemacht. Erwogen werde, die Risiken in einer "Super-Zweckgesellschaft" zu bündeln. Dafür verlange die LBBW die Landesbürgschaft. Die Lage sei offenbar so ernst, dass auch der Präsident der Bankenaufsicht BaFin, Jochen Sanio, zu den Gesprächen hinzugezogen werden solle. Die Sachsen LB hatte über verschiedene Zweckgesellschsaften mit Wertpapieren auf verbriefte Immobilienkredite spekuliert. Durch die US-Immobilienkrise war die Refinanzierung dieser Transaktionen aber immer schwieriger geworden. Bei der Sachsen LB war zunächst keine Stellungnahme zu dem SZ-Bericht zu erhalten. Die LBBW wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Expertengruuppe ist in Dresden zusammengekommen, um über die konkreten Modalitäten beim Verkauf der Sachsen LB an die LBBW zu verhandeln.

Übernahme von Northern Rock erst 2008

Weiter ungewiss ist auch die Zukunft von Northern Rock, die durch die anhaltende Kreditkrise in den USA herbe Verluste einstecken musste. Ein Gebot zur Übernahme des britischen Immobilienfinanzierers Northern Rock plc dürfte nicht mehr im laufenden Jahr erfolgen können. Die drei kreditgebenden Banken Citigroup, Royal Bank of Scotland Group und Deutsche Bank wollten vor Jahresende keine Zusage für einen Kredit geben, berichtet der "Sunday Telegraph" unter Berufung auf hochrangige Bankenkreise. Die Banken warteten zunächst auf eine Beruhigung der Lage an den Interbanken-Märkten. Im Umfeld von Northern Rock bestehe zwar noch Zuversicht, dass eine Transaktion gelingen kann, schreibt die Zeitung weiter. Wenn bis Mitte Januar jedoch keine Übernahme vereinbart worden sei, würden Alternativpläne umgesetzt. Eine Möglichkeit sei dann, die Bank auf 60 % ihrer derzeitigen Größe schrumpfen zu lassen und Teile des Hypothekenkreditportfolios zu verkaufen. Laut Sunday Times hatte die Virgin Group innerhalb von zehn Tagen ein verbindliches Gebot für Northern Rock vorlegen wollen. Durch das Zögern der Banken sei dieser Plan nun gefährdet. Citigroup, Royal Bank of Scotland und Deutsche Bank forderten bessere Sicherheiten für ihren Kredit. Von den drei Banken war ein Kommentar zunächst nicht zu erhalten.

[Bildquelle: Pixelio]



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