Rezension

Kompakte Einführung in ein komplexes Thema

Statistik für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler

Redaktion RiskNET10.11.2015, 11:00

Empirische Informationen und damit statistisches Wissen sind im Grunde genommen für alle Lebensbereiche essenziell, schreibt der Autor in seiner Einleitung. Ohne Daten ist keine Überprüfung bestehender Theorien, sozusagen kein "Lackmustest" an der Realität möglich. Dies gilt selbstverständlich auch für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Gerade hier erscheint das frühere Vorgehen "Theory without measurement" völlig fehl am Platz. Wenn man etwa beurteilen möchte, ob sich die Konsumgewohnheiten beziehungsweise Lebensstile der unteren Einkommensschichten substanziell von denjenigen der oberen Einkommensschichten unterscheiden, kann man sich nicht – wie in der "reinen" Mathematik – auf definitorische Zusammenhänge verlassen, sondern es bedarf der empirischen Überprüfung von Hypothesen, so der Autor weiter.

Historisch betrachtet, ist die Statistik schon in der Antike vor allem durch Volkszählungen in Erscheinung getreten. Im 18./19. Jahrhundert wurde Statistik als Staatswissenschaft verstanden, die überwiegend als beschreibende Statistik im Sinne der Erörterung von für den Staatshaushalt wichtigen Tatbeständen (wie Steuerbemessungsgrundlagen) betrieben wurde. Elemente der Wahrscheinlichkeitsrechnung kamen zudem im Spätmittelalter beziehungsweise in der frühen Neuzeit auf, und zwar im Zusammenhang mit der Analyse von Glücksspielen. Es wurden etwa für das Roulettespiel Gewinnwahrscheinlichkeiten berechnet. Dies diente dem Ziel, möglichst optimale Erfolgsstrategien für möglichst große individuelle Gewinne zu finden.

In einführenden ersten Teil werden die statistischen Grundlagen – sozusagen als "Warm up" – auf einer eher allgemeinen Ebene dargeboten. So erfährt der Leser die Unterschiede zwischen deskriptiver und induktiver Statistik sowie Ökonometrie. Außerdem werden einige statistische Einheiten vorgestellt.

Das zweite Kapitel dreht sich um die Erhebung statistischer Daten. Die Daten können entweder als Vollerhebung beziehungsweise als Teilerhebung (Stichprobe) oder in Bezug auf einen bestimmten Zeitpunkt (Querschnitt) beziehungsweise einen bestimmten Zeitraum (Längsschnitt) erfolgen. Außerdem kann es sich um qualitative oder quantitative Daten handeln. Das anschließende dritte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit der Datenauswertung.

Die Kapitel 4 bis 11 konzentrieren sich auf die deskriptive Statistik. Ausgehend von ein- und beziehungsweise mehrdimensionalen Häufigkeitsverteilungen (mit entsprechenden statistischen Kennziffern), wird das Themenfeld der Verhältnis- und Indexzahlen (unter anderem in Form von Preis- und Mengenindizes) besprochen. Betrachtungen zur Zeitreihenanalyse runden die Themeninhalte zur deskriptiven Statistik ab.

Die anschließenden Kapitel 12 bis 17 setzen sich mit der induktiven Statistik auseinander. Hierfür werden zunächst die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung dargestellt. Hierauf aufbauend und nach Klärung des zentralen Begriffs der Zufallsvariablen, wird auf ausgewählte statistische Verteilungen (beispielsweise auf die Binomial-, die hypergeometrische und die Normalverteilung) eingegangen. Der letzte Abschnitt endet mit Ausführungen zur Schätz- und Testtheorie, die für etwaige eigenständige empirische Arbeiten besonders wichtig sind.

Besonders praktisch sind die Übungsaufgaben am Ende eines jeden Kapitels sowie die kompakten Infoboxen "Auf einen Blick". Im Anhang sind neben den Lösungsskizzen die wesentlichen Begriffe in Form eines Glossars sowie eine Formelsammlung zu finden. In den "Achtung-Boxen" wird der Leser auf potenzielle Fallen und Fallstricke hingewiesen.

Statistik ist ein komplexes Thema, aber es muss nicht unbedingt kompliziert erklärt werden. Dies beweist Jürgen Faik mit seinem Lehrbuch. Als mathematisches Vorwissen genügen die "Basics", die jeder Schüler in der Schule gelernt hat. Das kompakte Buch kann als gut verständliche und solide Einführung in die spannende Welt der deskriptiven und induktiven Statistik uneingeschränkt empfohlen werden. Hierbei ist besonders hervorzugehen, dass zwei Wissenschaftsbereiche – nämlich die Wirtschafts- und die Sozialwissenschaften – in einem Statistik-Lehrbuch dargestellt werden.



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