News

Manipulationsrisiken im Fokus

Stärkere Regulierung von Rohstoffderivaten gefordert

Redaktion RiskNET05.03.2012, 22:54

Hochrangige Vertreter von CDU und CSU haben eine höhere Transparenz an den Rohstoffmärkten und die Prüfung einer stärkeren Regulierung von Rohstoffderivaten gefordert, um negative Auswirkungen von Spekulation einzudämmen. "Das Wichtigste ist, dass wir zunächst einmal mehr Information und mehr Transparenz herstellen", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einem Kongress der Unionsfraktion im Bundestag.

Die Rohstoffpreise seien aufgrund fundamentaler Faktoren gestiegen, so wegen eines steigenden Rohstoffbedarfs in Schwellenländern. "Diese Entwicklung wird weiter gehen", sagte Schäuble voraus. Gleichzeitig müsse man aber auch Manipulationsrisiken verringern. "Wir müssen uns sehr stark bemühen, die richtige Balance zwischen Regulierung und Überregulierung zu finden", konstatierte der Finanzminister.

In einem Entschließungsantrag, der am Donnerstag vom Bundestag beschlossen werden soll, fordert die Union unter anderem eine höhere Transparenz im Rohstoffderivatehandel, die Einführung angemessener Eingriffsinstrumente wie zum Beispiel der Möglichkeit zur Verhängung von Positionslimits und eine Regulierung des Hochfrequenzhandels.

Insbesondere sollen künftig alle Hochfrequenzhändler unter die Finanzmarktaufsicht gestellt werden. Hierfür solle sich die Bundesregierung im Rahmen der von der Europäischen Kommission eingeleiteten Überarbeitung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID Review) einsetzen, fordern die Abgeordneten. Für Agrarderivate sollten "zusätzliche und strengere Regulierungsmaßnahmen" geprüft werden.

Unionsfraktionschef Volker Kauder betonte bei dem Kongress, die Politik müsse sich intensiv mit der Frage auseinandersetzen, ob Grundnahrungsmittel tatsächlich zum Gegenstand von Spekulation gemacht werden dürften. "Da müssen Antworten gefunden werden." Es gelte, bald zu klären, was reguliert werden müsse und wo dem freien Markt sein Lauf gelassen werde.

Der finanzpolitische Sprecher der Union, Klaus-Peter Flosbach, forderte ein Melderegister für Derivate und auch für Transaktionen mit physischen Rohstoffen. Nötig seien länderübergreifende, zeitnahe Informationen über die Lagerbestände. "Mit den gestiegen Aktivitäten der Finanzanleger haben auch die Schwankungen bei der Preisentwicklung zugenommen", beklagte Flosbach. Durch Herdenverhalten werde diese Tendenz verstärkt.

Die Parlamentarier verlangen in dem Entschließungsantrag deshalb, für Agrarderivate zusätzliche und strengere Regulierungsmaßnahmen zu prüfen, eine effektive Aufsicht sicherzustellen und durch einheitliche Regelungen gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa zu gewährleisten. Zwischen den Finanzmarktbehörden und den europäischen Stellen zur Überwachung primärer Rohstoffmärkte für Strom-, Gas- und Agrarwirtschaft soll ein effektiver Informationsaustausch sichergestellt werden.

 

[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

jo/07.03.2012 07:37
Ist die Politik auch schon aufgewacht?? So ein Thema muss global geregelt werden.

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...

Interview

IDW PS 981

Licht und Schatten im Risikomanagement

Redaktion RiskNET28.08.2017, 08:19

Die jüngst veröffentlichte "Risikomanagement Benchmarkstudie 2017" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass viele...

Kolumne

Struktur des Unternehmens-Risikomanagements

Synergien im Risikomanagement schaffen

Bruno Brühwiler01.08.2017, 07:30

Wenn mehrere Personen über den Inhalt von Risikomanagement in komplexeren Organisationen diskutieren, entsteht schnell ein Konsens über die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses...

Interview

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Krisen sind das beste "Resilienztraining"

Redaktion RiskNET23.07.2017, 06:30

Ingenieure sprechen von einem resilienten System, wenn bei einem Teilausfall nicht alle technischen Systeme vollständig versagen. Ein Ökosystem gilt dann als resilient, wenn es nach einer Störung zum...