News

RiskNET Studie

Risikomanagement: Bürokratie-Tiger oder Baustein zum Unternehmenserfolg

Stefan Koppold22.04.2013, 23:05

In einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT) und der P3 Ingenieurgesellschaft mbH aus dem vergangenen Jahr attestieren zwei Drittel der Teilnehmer der Umsetzung eines Risikomanagements einen großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Auf der anderen Seite allerdings sind rund 40 Prozent davon überzeugt, dass mit einem Risikomanagement ein zu geringer Nutzen verbunden ist. Und deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) haben einen zu hohen Aufwand zur Risikokontrolle festgestellt. So liegt der Schluss nahe, dass die Potenziale des präventiven Risikomanagements noch nicht effektiv in der Praxis genutzt werden.

Möglicherweise verharren viele Unternehmen noch in einer "rückspiegelorientierten" Risikobuchhaltung und nutzen daher die Potenziale eines "frühwarnorientieren" und präventiven Risikomanagements noch nicht.
Die Studie zeigt weiter, dass beispielsweise bei Industrieunternehmen am häufigsten die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) zur Identifikation und Analyse von Risiken zur Anwendung kommt. Kreativitätsmethoden zur Identifikation bisher unbekannter Risiken sowie eine systematische und vor allem quantitative Bewertung von Risiken existieren zudem kaum.

Ein Blick in den Werkzeugkasten des Risikomanagers

Dies verwundert, ist doch die FMEA nur eine von zahlreichen analytischen Methoden zur Risikoidentifikation, Risikobewertung  und Risikosteuerung. Ferner liegen die Stärken der FMEA eindeutig im Bereich der Produktion sowie bei Projektrisiken. Strategische Risiken, Personal-, IT-, supply chain- oder gar Compliance-, Marketing- oder Finanzrisiken sind eindeutig durch andere Methoden leichter und schneller zu identifizieren, exakter und vor allem nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ zu bewerten und gleichzeitig effektiver zu steuern. Hierfür stehen einerseits alternative analytische Methoden wie beispielsweise die SWOT-Analyse oder Checklisten, aber auch stochastische Methoden, die Spieltheorie und insbesondere Kreativitätsmethoden wie Brainstorming, die Delphi-Methode oder auch die Szenario-Analyse zur Verfügung.

Insbesondere die Szenario-Analyse wird hierbei jedoch fälschlicherweise oft auf die omnipräsenten Stress-Tests reduziert und Ihre Bandbreite von Risiken und Chancen daher nur unzureichend wahrgenommen.

Neuartige, jedoch oft noch relativ unbekannte Methoden, wie beispielsweise simulationsbasierte Szenarioanalysen, bieten Unternehmen ein wertvolles Werkzeug zur Analyse ihrer Risiken. Derartige Werkzeuge sind mit einem vertretbaren Aufwand in den Geschäftsalltag integrierbar und erhöhen gleichzeitig die Durchschlagkraft und den Nutzen des Risikomanagements erheblich. So ist beispielsweise im Rahmen einer Bandbreitenplanung eine Verknüpfung zwischen Planungsprozess und Risikomanagement recht einfach möglich.

 

Welche Methoden und Werkzeuge sind aktuell in der Praxis bekannt? Wie und in welchem Umfeld werden diese eingesetzt? Eine kurze Online-Umfrage auf dem Kompetenz-Portal RiskNET soll hier Transparenz schaffen.

Investieren Sie 10 Minuten Zeit und beteiligen Sie sich an der RiskNET-Umfrage: studie.risknet.de/index.php/363875/lang-de

Die Ergebnisse der Umfrage schicken wir Ihnen nach Auswertung selbstverständlich zu.

 


[Bildquelle: © Nomad_Soul - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Vom weißen Elefanten in digitalen Zeiten

Oh Wunder: Datenlecks und Intransparenz

Frank Romeike | Andreas Eicher [RiskNET]29.03.2018, 17:37

Der "elephant in the room." Diese Metapher aus dem angelsächsischen Sprachraum umschreibt ein Problem, um das (so gut wie) jeder weiß,  aber es wird von keinem angesprochen. Mit einem...

Interview

Spieltheoretische Ansätze in der Praxis

Mit Wargaming Risiken minimieren

Redaktion RiskNET15.03.2018, 08:00

Unsere Welt ist im Umbruch – sei es durch Kriege und Terror, die steigende Zahl an Umweltkatastrophen oder aufgrund von Cybergefahren und wirtschaftlichen Verwerfungen. Damit wird die Risikolandkarte...

Interview

Risiko Nr. 1 für Unternehmen

Das stille Sterben der Marken

Redaktion RiskNET22.02.2018, 12:59

Mit Schrecken liest man heute über das zunehmende "Markensterben" in vielen Branchen. Einst glanzvolle Marken verschwinden in der Bedeutungslosigkeit oder noch schlimmer ganz vom Markt....

News

Im Interview: Thorsten Kodalle

Vom Wargaming und der Resilienz

Redaktion RiskNET12.02.2018, 08:00

Oberstleutnant i. G. Thorsten Kodalle, Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr, stellt die Frage, ob die Welt heute noch kontrollierbar sei? Seiner Meinung nach nein....

News

Im Interview: Herbert Saurugg

Energieversorgung und die Risiken

Redaktion RiskNET10.02.2018, 08:00

Der Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen, Herbert Saurugg, erwartet in den kommenden Jahren einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall. Das Risiko...