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Aktuelle Studie Immobilieninvestments

Risikobegriff unterschiedlich definiert

Redaktion RiskNET11.01.2011, 13:44

Institutionelle Investoren nutzen bei ihren Anlageentscheidungen in Immobilien keinen einheitlichen Risikobegriff, sondern definieren diesen zum Teil sehr unterschiedlich. Das ergab eine Befragung, die im Auftrag von AXA Investment Managers durchgeführt wurde. Knapp ein Viertel der institutionellen Anleger, die bei der Umfrage eine Risikodefinition abgaben, nennen den Verlust von Vermögenswerten oder den Ausfall von Zahlungsströmen als zentrales Element ihres Risikoverständnisses. Weitere 18 Prozent der Befragten sehen die Abweichung von Ziel- beziehungsweise Erwartungswerten als Risiko an. In der offenen Befragung gaben zudem etwa 16 Prozent der Investoren an, dass sie Risiken vor allem als Chance begreifen. "Diese große Breite unterschiedlicher Risikoauffassungen überrascht schon ein wenig. Angesichts der ausgiebigen Diskussion über Risiken im Zuge der jüngsten Finanzmarktkrise haben wir erwartet, dass es hier ein einheitlicheres Verständnis gibt. Aber obwohl das Risikomanagement zunehmend durch die Wissenschaft als auch durch regulatorische Rahmenbedingungen geprägt wird, zeigt die Praxis hier klar ein anderes Bild", sagt Frank Richter, Head of Institutional Business Germany & Austria bei AXA Investment Mangers. Sieben Investoren räumten sogar ein, dass es überhaupt kein einheitliches Risikoverständnis bei ihren Anlageentscheidungen gibt.

Indirekte Immobilieninvestments werden von der Mehrheit der Befragten als risikoreicher eingeschätzt als direkte Anlagen in Immobilien. So bezeichneten 47 Prozent das Risiko von direkten Immobilieninvestments als gering oder sogar sehr gering. Diese Einschätzung trafen allerdings nur 23 Prozent für indirekte Immobilienanlagen. Vor allem Kreditinstitute und Unternehmen schätzen indirekte Immobilieninvestments als riskanter ein. Immerhin ein knappes Drittel der befragten Banken kennzeichnet das Risiko dieser Anlageformen als hoch. Bei den Unternehmen schätzen 26 Prozent indirekte Immobilieninvestments als risikoreich oder sehr risikoreich ein. Bis auf eine Ausnahme waren sich die einzelnen Anlegergruppen in dieser Beurteilung weitgehend einig. Lediglich Pensionskassen halten direkte Immobilieninvestments für risikovoller als indirekte. Die stärkste Tendenz zu Gunsten der direkten Investments äußerten Unternehmen.

Marktpreisrisiko ist größter Unsicherheitsfaktor

"Auch dieses Ergebnis hat uns deutlich überrascht", so Richter. "Die Risikobeurteilungen zu Ungunsten der indirekten Immobilieninvestments sind unserer Meinung nach durch die Einstellung der Anteilscheinrücknahme, Anteilsabwertungen und Fondsschließungen bei einigen Gesellschaften in Deutschland geprägt." Allein das habe wohl dazu geführt, dass institutionelle Investoren bei den indirekten Immobilienanlagen größere Unwägbarkeiten sehen. Auch der politische Diskussionsprozess über eine neue Regulierung der offenen Immobilienfonds, der zunächst von viel Unsicherheit bestimmt war, habe sicherlich zu der Einschätzung beigetragen. "Wir gehen davon aus, dass sich das Ergebnis wieder zu Gunsten von indirekten Immobilienanlagen verschieben wird, wenn der politische Entscheidungsprozess abgeschlossen ist und Investoren wieder mehr Planungssicherheit haben."

Gefragt nach den größten Risiken bei Immobilienanlagen gaben 62 Prozent der befragten institutionellen Investoren das Marktpreisrisiko als größten Unsicherheitsfaktor an. Insbesondere Versicherungen (72 Prozent) verwiesen auf dieses Risiko. Das Objektrisiko, das bei direkten Immobilieninvestments vom Anleger selbst beherrscht werden muss, nannten hingegen nur 48 Prozent als größtes Risiko. Beim Risikomanagement eines Immobilienfondsmanagers erwarten institutionelle Anleger vor allem Offenheit und Transparenz. 21 Prozent stellten diese Forderung auf. Dabei solle die Transparenz bis auf Ebene des einzelnen Objektes vorhanden sein. An zweiter Stelle folgt das frühzeitige Erkennen und Managen von Risiken (14 Prozent). Die Immobilienfondsmanager sollen beim Auftreten unerwarteter Ereignisse zeitnah handeln und über ein funktionierendes Frühwarnsystem verfügen. Elf Prozent setzen außerdem ein systematisches Monitoring der Immobilienmärkte voraus.

Aus der Risikoeinschätzung von direkten und indirekten Immobilieninvestments sowie deren Risikobeurteilung im Vergleich zu anderen Asset-Klassen ermittelten die Marktforscher im Auftrag von AXA Investment Managers einen Immobilien-Risiko-Index. Auf einer Skala von null (geringes Risiko) bis 100 (hohes Risiko) betrug er im vierten Quartal des vergangenen Jahres 38. Dieser Index soll künftig regelmäßig erhoben werden.


[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Leo/11.01.2011 14:08
Da ist die der englische Begriff "risk" etwas klarer. Dort spricht man von downside risk (=Gefahr) und upside risk (=Chance). In der deutschen Sprache denken wir als paranoide Gefahrenvermeider (Null-Risiko-Gesellschaft) nur an die negativen Effekte ;-(
Frank/11.01.2011 18:10
Spass an einigen weiteren Definitionsversuchen?

> Risiken sind die aus der Unvorhersehbarkeit der Zukunft resultierenden, durch "zufällige" Störungen verursachten Möglichkeiten, von geplanten Zielwerten abzuweichen. Risiken können daher auch als "Streuung" um einen Erwartungs- oder Zielwert betrachtet werden. Risiken sind immer nur in direktem Zusammenhang mit der Planung eines Unternehmens zu interpretieren. Mögliche Abweichungen von den geplanten Zielen stellen Risiken dar - und zwar sowohl negative ("Gefahren) wie auch positive Abweichungen ("Chancen").
https://www.risknet.de/wissen/glossary/?type=0&uid=156

> Risiko ist ein von dem französischen Filmregisseur Albert Lamorisse erfundenes Brettspiel und gilt als ein Klassiker unter den Strategiespielen.
de.wikipedia.org/wiki/Risiko_(Spiel)

> Risiko ist der Name verschiedener Quizshows, die im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlt wurden.
de.wikipedia.org/wiki/Risiko_(Show)

> die eingeschätze Wahrscheinlichkeit von Gefahr; Name eines bekannten strategischen Brettspiels
de.wiktionary.org/wiki/Risiko

> Exponierung in Bezug auf unsichere Veränderungen, wird häufig mit der negativen Konnotation nachteiliger Veränderung benutzt.
www.forexyard.com/de/Glossar

> Grösse und Wahrscheinlichkeit eines möglichen Schadens: R = pxg(A) x A; Häufigkeit p multipliziert mit dem gewichteten Schadenausmass g(A) x A. Das Schadenausmass wird in monetären Einheiten ausgedrückt. ...
www.riskplan.admin.ch/glossar.php

> Ein Risiko ist ein potenzielles, zukünftiges Problem, dessen Eintritt wichtige Projektziele oder die Projektergebnisse gefährden kann.
www.management-knowhow.de/index.php

> Möglichkeit, dass eine Aktivität einen körperlichen oder materiellen Verlust oder Schaden (z. B. Unfall, Terminverzug, Kostenüberschreitung, verärgerte Kunden) zur Folge hat. Ein Risiko ist ein potentielles Problem, dh ein Problem, das noch nicht eingetreten ist.
www.siegfried-seibert.de/Wissensspeicher/PMGlossar

> Der Begriff Risiko meint die Möglichkeit des Eintritts eines Schadens. Ob man von Risiko oder Chance spricht, hängt nicht von der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses, sondern von der persönlichen Einschätzung ab, wie man die Folgen des Ereignisses bewertet, ob eher negativ (Risiko ...
www.fz-juelich.de/mut/vdi/vdi__bericht/glossar.html

> Verbindung / Kombination der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Schadens und des zugehörigen Schadensausmaßes.
www.iso-14971.de/risikomanagementprozess-definitionen.htm

> n.: 'Wagnis, Haftung (bei Geschäftsabschluß)', Rissigo [verbr.]. 's isch halt e R. drin [LA-Gommh]. Iwwernemmscht du 's R. (für den Warentransport)? [KL-Reichb]. Ich nemm's uf mei n R. [BZ-Dernb]. Südhess. IV 1425; Rhein. VII 458.
germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/pfwb/wbgui

> Einer Gefährdung unterliegen, wie Schwankungen von Devisenwechselkursen.
de.saxobank.com/de/schulungen_und_seminare/pages/finanzglossar.aspx

> Die Möglichkeit, dass negative Faktoren die künftige wirtschaftliche Lage des Unternehmens beeinflussen. Darüber hinaus versteht man in der Versicherungswirtschaft unter Risiko die Möglichkeit, dass ein Schaden eintritt, weil sich eine versicherte Gefahr verwirklicht. ...
gb2006.uniqagroup.com/ereport.asp

> Als Risiko bezeichnet man die Unsicherheit oder auch die Gefahr für Anleger, Verluste bei ihren Transaktionen mit Wertpapieren zu erleiden. Wenn der Begriff Risiko im Zusammenhang mit Investmentfonds gebraucht wird, sind meist die vergangenen und zu erwartenden Kursschwankungen gemeint. ...
www.wbr-konzepte.de/woerterbuch.html

> Die Wahrscheinlichkeitsquote, die nach Aussetzung bestimmten ungünstigen Faktoren die Möglichkeit der Entstehung einer bestimmten Geschwulstkrankheit. Es existieren einige Risikentypen.
www.genscan.com/de/worterbuch-der-begriffe

> Im täglichen Sprachgebrauch ist damit meistens die Gefahr von Kursverlusten bei einer Anlage gemeint. In der Finanzsprache bezeichnet der Begriff das Ausmass der jährlichen Kursschwankungen. ...
www.migrosbank.ch/de/Firmen/Vorsorgen/Glossar.htm
Markus/11.01.2011 20:55
Mein Favorit die die Goldman-Definition von Risiko:

Risko ist: Wenn der Kunde mehr verdienen kann als man selbst !!!

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