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S&P warnt vor nachlassender Integration Europas

Risiko Desintegration

Redaktion RiskNET15.12.2015, 23:01

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat vor einer schleichenden Desintegration der EU gewarnt. In ihrem Ausblick für 2016 weist sie darauf hin, dass eine Umkehr des Trends hin zu einer weiteren wirtschaftlichen Integration Europas Nachteile für die Kreditqualität einzelner europäischer Staaten mit sich bringen könnte.

Weniger Sorge als vorübergehende Grenzkontrollen bereitet S&P die Tatsache, dass der Austritt einzelner Länder aus EU oder Eurozone als denkbar erscheint. "Die Mitgliedschaft im Euro oder auch in der EU gilt nicht mehr als irreversibel", sagte der bei S&P für Länderratings zuständige Moritz Kraemer in Frankfurt.

Laut S&P hängt die Bewältigung künftiger Krisen auch davon ab, wie einheitlich die Reaktion der Staatengemeinschaft ausfällt. Zumindest bei einem aktuellen Thema, der Bewältigung des starken Flüchtingszustroms, würde S&P den Europäern wohl keine gute Note geben. "Wir sehen mit einer gewissen Sorge, dass die notwendigen Entscheidungen hier weder schnell noch im Konsens getroffen werden", sagte Kraemer. Derzeit finde eine spürbare finanzielle Umverteilung zwischen EU-Ländern statt, die populistische Parteien stärker machen könnte.

Kraemer sieht das Risiko, dass Länder wie Polen, deren Staatshaushalt zu drei Prozent aus EU-Überweisungen besteht, die aber andererseits keine Flüchtlinge aufnehmen, künftig weniger Geld aus Brüssel erhalten. Das wäre schlecht für die Investitionen.

Eine "semipermanente Wiedereinführung von Grenzkontrollen" in der EU fände Kraemer sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch mit Blick auf die Stimmung in der Bevölkerung bedenklich. "Dann wäre eine der Errungenschaften der EU, die den Wählern besonders am Herzen liegt, gefährdet", sagte er. Eine Verfestigung dieses Zustands würde sich laut Kraemer allerdings noch nicht auf die Kreditqualität der Staaten auswirken.

Größeren Schaden befürchtet Kraemer allerdings für den Fall des Austritts einzelner Länder, und zwar vor allem für diese Länder selbst. "Aller Wahrscheinlichkeit nach würden durch solche drastischen Schritte die wirtschaftliche Stabilität und die Wachstumsaussichten auf Jahre eingeschränkt", sagte er. Kraemer wies auf das bevorstehende EU-Referendum in Großbritannien und den gerade noch abgewendeten Euro-Austritt Griechenlands hin. "Das war näher dran, als mancher glaubt."

Unter den großen EU-Ländern hat derzeit lediglich Frankreich einen negativen Ausblick auf seinem S&P-Kreditrating (AA). Allerdings sieht Kraemer auch die relativ schwache Kreditwürdigkeit Italiens (BBB-) mit einigen Bauchschmerzen. "Italien ist immerhin der größte Schuldner des Euroraums und der drittgrößte der Welt", sagte er.

Allerdings ist der Ausblick des italienischen Ratings stabil. "Wir sehen für 2016 keine größeren Ratingänderungen", sagte Kraemer.

[ Bildquelle: © robsonphoto - Fotolia.com ]


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