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Kritik an neuen Haftungsregeln für Anleihegläubiger

Risiko Coco-Anleihen

Redaktion RiskNET14.03.2016, 13:33

Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, John Cryan und Jürgen Fitschen, haben die neuen Haftungsregeln für Anleihegläubiger kritisiert. Sie sehen in deren Umsetzung einen Grund für das Misstrauen der Märkte gegenüber Deutschlands größtem Geldhaus, wie sie in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagten.

Weil klassische Anleihen deutscher Banken künftig bei einer finanziellen Schieflage der Institute zur Abdeckung von Verlusten herangezogen werden können, stufen Ratingagenturen diese Titel als riskanter ein. Cryan kritisierte die Regierung vor diesem Hintergrund für das Gesetz: "Sie hat zwar damit das Problem des Haftungskapitals gelöst, aber andere Probleme geschaffen." Das sei bislang nur in Deutschland so, "was uns international zu einem Sonderfall" mache, so Cryan. Fitschen ergänzte: "Nationale Alleingänge bringen nichts."

Zu Kursverwerfungen der Deutschen-Bank-Aktie war es Anfang Februar gekommen, als der Vorstand versichern musste, die Zinsen für besonders riskante Nachranganleihen, sogenannte Coco-Anleihen, bezahlen zu können.

Die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit hält Cryan für absurd, weil die Bank von den Aufsehern dazu angehalten werde, sehr hohe Barmittel zu halten. Die Verunsicherung an den Märkten führte er auf die gesetzliche Vorgabe zurück, dass die Ausschüttung für die Coco-Anleihen aus den Rücklagen der HGB-Bilanz erfolgt. Die deutsche Rechnungslegung sei aber ausländischen Investoren nicht geläufig. Er räumte ein, dass es der Bank nicht gelungen sei, "die sehr technischen Aspekte klar und deutlich zu kommunizieren".

Ein weiterer Grund für das Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber der Deutschen Bank seien die Rechtsstreitigkeiten, räumten die Deutsche-Bank-Chefs ein. Die größten Risiken aus Rechtsstreitigkeiten verortet Cryan in den USA. Die ebenfalls ins Gerede gekommenen Geschäfte mit russischen Aktien werfen seiner Ansicht nach "Fragen danach auf, wie wirksam unsere Systeme und Kontrollen sind". Die Aufstellung der Bank in Russland werde genau überprüft.

Cryan und Fitschen sehen allerdings keine Notwendigkeit, das Geschäftsmodell der Deutschen Bank grundlegend in Frage zu stellen. "Die Deutsche Bank muss zu allererst in Deutschland verankert sein", sagte Cryan. Die Bank habe allerdings bei jüngeren Kunden an Relevanz verloren und wolle zu einem Technologieführer werden.

Internationale Kapitalmarktgeschäfte blieben eine Säule der Bank. "Das Investmentbanking samt Handel ist für uns unverzichtbar", sagte Cryan, der eine Kapitalerhöhung auf absehbare Zeit grundsätzlich nicht ausschließen will, aus heutiger Perspektive aber nicht für notwendig hält. In den Vereinigten Staaten seit die Bank im Öl- und Gasgeschäft nicht stark engagiert. Deshalb seien die Risiken dort gering. Auch gehe die Bank kaum mehr Risiken bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen ein.

[ Bildquelle: © lassedesignen - Fotolia.com ]


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