Studie

RiskMap 2017

Risiken sind überall

Redaktion RiskNET13.12.2016, 05:50

Die Trennung zwischen angeblich sicheren heimischen Märkten und schwierigen ausländischen Märkten hat keine Zukunft mehr, da die Risiken auch auf heimischen europäischen Märkten um sich greifen. Bedrohungen durch politische Umschwünge, Cyber-Angriffe und Terrorismus sowie Unsicherheit bezüglich regulatorischer Vorgaben erfordern von Unternehmen eine Überarbeitung ihres Risikomanagements. Dies sind einige der Schlüsselthemen der "RiskMap 2017", einer jährlich veröffentlichten Prognose zu politischen und geschäftlichen Risiken von Control Risks, einem internationalen Dienstleister im Bereich Risikomanagement.

Harald Nikutta, Senior Partner für Zentral- und Osteuropa bei Control Risks, kommentiert die Ergebnisse der aktuellen Risikolandkarte: "Die unerwarteten Ergebnisse der US-Wahlen und des Brexit-Referendums, haben den letzten Anstoß gegeben, um 2017 zu einem der schwierigsten Jahre für strategische Geschäftsentscheidungen seit Ende des Kalten Krieges werden zu lassen. Sollte das Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU auseinanderbrechen, könnte dies nicht nur die regionale politische Instabilität erhöhen, sondern auch den weiteren Anstieg einer rechtsgerichteten populistischen Strömung in Deutschland zur Folge haben. Dies wiederum könnte ein Schlüsselfaktor für eine Veränderung der Machtverhältnisse in der Koalition nach der Bundestagswahl sein."

Hohe Komplexität und Unsicherheit

Das hohe Maß an Komplexität und Unsicherheit, das mit diesen politischen und sicherheitsrelevanten Aspekten in diesem Jahr einhergeht - wie in der RiskMap dargestellt - zwingt Unternehmensleitungen dazu, ihren Ansatz im Risikomanagement einer gründlichen Prüfung und Anpassung zu unterziehen.
Control Risks hat für 2017 die folgenden zentralen Geschäftsrisiken identifiziert:

  • Politischer Populismus nach Beispiel des designierten US-Präsidenten Trump und des Brexit. Die durch die US-Wahlen eingeläutete Ära stärkerer nationaler Kontrolle der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik, die EU-Flüchtlingskrise und der Brexit sorgen für eine gestiegene Unsicherheit in der Gesellschaft sowie in den Unternehmen. Aufgrund der unklaren politischen Haltung der USA und Großbritanniens und den daraus erwachsenden Folgen für den weltweiten Handel und das globale wirtschaftliche wie geopolitische Umfeld ist Vorsicht geboten. Politische Spannungen werden entstehen, sollte die neue US-Regierung den Druck auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China erhöhen, die für die Stabilität der Weltwirtschaft von größter Bedeutung sind. Der Ruf nach weiteren EU-Referenden, der überall in Europa zu vernehmen ist, schürt Nervosität.
  • Ein potenziell harter Schnitt im Regelwerk der USA könnte zu Umwälzungen im globalen regulatorischen Umfeld führen. Die Einhaltung des Pariser Umweltabkommens seitens der USA steht in Frage, und die Bestimmungen des Dodd-Frank Act und des Foreign Corrupt Practices Act könnten wesentlich verändert oder gänzlich aufgehoben werden, was weltweit einen Dominoeffekt auslösen kann.
  • Wachsende Komplexität der Cyber-Sicherheit. 2017 werden die Unterschiede in der Gesetzgebung zum Datenverkehr zunehmen: Die Regulierungen zum Datenschutz in den USA und der EU bleiben widersprüchlich; der digitale Binnenmarkt der EU hat isolationistische Züge, und China und Russland führen neue Gesetze zur Cyber-Sicherheit ein. Dies führt zu Daten-Nationalismus, was Unternehmen dazu zwingt, gegen Mehrkosten ihre Daten im jeweiligen Land zu hosten, da sie die regulatorischen Vorgaben im internationalen Datenverkehr nicht erfüllen können.
  • Anhaltende Bedrohung durch Terrorismus. Die Terrorgefahr wird auch 2017 hoch sein, wenn auch stärker fragmentiert. Der Verlust der Kontrolle über Gebiete in Syrien und im Irak durch den sogenannten Islamischen Staat wird zu einem Exodus erfahrener Kämpfer auch nach Europa führen. Deutschland wird darauf mit der Erhöhung staatlicher Ressourcen für den Kampf gegen diese Gefahr antworten. Der Umgang mit der Terrorgefahr wird für Unternehmen immer schwieriger werden; eine Umstellung auf die neuen Risiken ist unerlässlich, beispielsweise durch umfassende Datenlösungen und die Überprüfung einer potenziellen Radikalisierung von Insidern, physischer Sicherheitsmaßnahmen und Planungsszenarien.

Die Experten von Control Risks weiter: "Durch die Digitalisierung und das Internet der Dinge sind Risiken überall anzutreffen – auch an vermeintlich sicheren Orten. Die Trennung zwischen sicheren heimischen Märkten und gefährlichen im Ausland wird dadurch nachhaltig aufgelöst. Die weltweiten Terroranschläge von 2016, die durch das Internet gefördert und in einigen Fällen sogar erst ermöglicht wurden, haben gezeigt, dass islamistisch geprägte Gewalt überall auf der Welt geplant und ausgeführt werden kann."

Festungen, Hai und Tanker

Unternehmen werden 2017 unterschiedliche Strategien verfolgen, um auf der einen Seite ihre Risiken professionell zu managen und auf der anderen Seite Chancen zu nutzen:

  • Festungen werden sich defensiv auf ihr Kerngeschäft und die für sie wichtigsten Märkte konzentrieren. Sie werden sich von nicht-rentablen Vermögenswerten trennen, erfolglose Fusionen aufkündigen, Kosten einsparen und Expansionspläne auf Eis legen. Diese Strategie, die aufgrund des Verfalls der Rohstoffpreise in erster Linie von Unternehmen im Bergbau-, Öl- und Gassektor verfolgt werden wird, steht auch für Kürzungen im Einzelhandel und eine Rückkehr in heimische Märkte durch produzierende Unternehmen.
  • Haie sind risikofreudiger und werden Chancen in neuen Tätigkeiten und Standorten suchen. Finanzdienstleister, die sich regulatorischen Unsicherheiten und der steigenden Konkurrenz in den Wachstumsmärkten gegenüber sehen, werden voraussichtlich Risiken eingehen, um sich 'First-Mover'-Vorteile in Frontier Markets oder disruptiven Sektoren wie FinTech oder InsurTechs zu sichern.
  • Tanker werden ihre umfangreichen Finanzressourcen und die günstige Finanzierung nutzen, um Mega-Fusionen zu arrangieren und Märkte so zu monopolisieren. Ihre Hauptfeinde sind dabei Wirtschaftsnationalisten und Wettbewerbshüter. Der Technologiesektor, die Pharmabranche und der Agrarsektor werden stark durch Konsolidierungen geprägt sein, die häufig regulatorische Unterschiede in den jeweiligen Märkten nutzen, um eine dominante Marktposition zu etablieren.

[ Bildquelle: © trendobjects - Fotolia.com ]


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