Rezension

Strategien für den Mittelstand

Praxishandbuch Rating und Finanzierung

Redaktion RiskNET10.09.2014, 18:30

So ziemlich jede unternehmerische Tätigkeit erfordert Investitionen und bindet Kapital, das möglichst günstig beschafft werden muss. Nicht zuletzt die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise hat verdeutlicht, dass eine gesicherte Finanzierung – und damit das Überleben eines Unternehmens – im Wesentlichen durch ein glaubwürdiges Rating definiert wird. Diese Kenntnis und das gezielte Management der zukünftigen Entwicklung des Ratings eines Unternehmens sind unzweifelhaft die zentralen Herausforderungen der Unternehmensfinanzierung und eine wesentliche Komponente der Unternehmensstrategie. Das Rating drückt die Einschätzung eines Unternehmens aus der Perspektive der Gläubiger aus. Es bestimmt letztlich die Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungskonditionen (Kreditzinsen).

Der Schwerpunkt des Buches liegt primär auf den Themen "Wettbewerb auf den Kapitalmärkten" und "Rating", die in einem engen Verhältnis zueinander stehen. Das Buch bietet einen praxisorientierten Leitfaden, damit sich insbesondere mittelständische Unternehmen diesem Wettbewerb um Kapital zukünftig besser stellen können. Gerade bei mittelständischen Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, ist der Wettbewerb um Kapital im Wesentlichen ein Wettbewerb um eine ausreichende Versorgung mit Fremdkapital zu günstigen Konditionen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Unternehmen sich gegenüber den Kreditinstituten in einer Weise präsentieren, die zu einer günstigen Beurteilung ihrer Kreditwürdigkeit beziehungsweise Bonität führt. Letztendlich muss ein Unternehmer seiner Bank zeigen können, dass er für die Bank kein "besonders hohes Ausfallrisiko" darstellt. Die Kreditinstitute bewerten also vor der Zusage eines Kredites und der Ableitung der Kreditkonditionen (Zinsen) im Wesentlichen das von ihnen wahrgenommene Risiko für das eigene Engagement.

Nach einer Einleitung im ersten Kapitel befasst sich das zweite Kapitel "Grundlagen der Finanzierung und des Rating" mit den Fragen, was ein Rating ist und welche Konsequenzen das zweite Baseler Konsultationspapier für Kreditinstitute und damit auch in letzter Konsequenz für mittelständische Unternehmen haben wird. Es wird anschließend der Ablauf eines Rating-Prozesses beschrieben und aufgezeigt, welche Kriterien in der Regel seitens einer Bank grundsätzlich bei der Vergabe eines Ratings herangezogen werden. In diesem Kontext werden auch ausgewählte interne Rating-Verfahren von Banken präsentiert. Das dritte Kapitel des Buches befasst sich mit Instrumenten zur Analyse der eigenen Situation aus der Perspektive des Unternehmens. Zielsetzung ist es, Unternehmern eine Vorstellung darüber zu geben, welches Rating das eigene Unternehmen (wohl) aus Sicht eines Kreditinstituts erhalten würde. Dabei werden die wichtigsten Instrumente der Unternehmensanalyse, der finanzkennzahlenorientierten Jahresabschlussanalyse und der fundierten Analyse von Markt und Umfeld eines Unternehmens vorgestellt. Das vierte Kapitel befasst sich schließlich mit konkreten Ansatzpunkten für die Optimierung des eigenen Ratings. Hierbei präsentierten die Autoren einen auf Checklisten basierenden Praxisleitfaden zur Verbesserung des eigenen Ratings. Insbesondere werden Verfahren zur Reduzierung des Unternehmensrisikos, zur Verbesserung des Verschuldungsgrades und zur Optimierung der Unternehmensfinanzierung gezeigt. Flankierend werden auch Ansatzpunkte zur Verbesserung der Kommunikation mit der Hausbank beschrieben. Grundlage für eine gute und insbesondere glaubwürdige Darstellung der eigenen Lage gegenüber der Hausbank ist eine fundierte, durch fremde Dritte nachzuvollziehende Planung, eine transparente Beschreibung und Quantifizierung der Risiken und der bereits eingetretenen Planabweichungen, die im Detail objektiv zu begründen sind. Das fünfte Kapitel enthält Hintergrundinformationen zu beispielhaft ausgewählten Software-Werkzeugen zum Thema "Rating".

Die Autoren stellen mit dem Buch einen Leitfaden für mittelständische Unternehmen zur Verfügung, um eine eigene Rating-Strategie zu entwickeln und um sich gezielt auf das Rating durch eine Rating-Agentur oder ein Kreditinstitut vorbereiten zu können. Intention unseres Buches ist es aufzuzeigen, wie mit Hilfe einer adäquaten Ratingstrategie die mittel- und langfristige Finanzierung des Unternehmens zu adäquaten Konditionen sichergestellt werden kann.

Gegenüber den Vorauflagen wurde das Thema "Rating" konsequent in den Gesamtkontext der Unternehmensfinanzierung gesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Publikationen rund um das Thema Rating beschreiben die Autoren auch innovative (simulationsbasierte), zukunftsorientierte Ratingprognose-Verfahren, die in der Praxis eine immer größere Bedeutung gewinnen. Ergänzend beschreiben die Autoren auch die Besonderheiten beim Rating bezüglich einzelner Finanzierungskomponenten (Emissionen, wie beispielsweise Unternehmensanleihen) und Projektfinanzierung (Projektratings).

Fazit: Die Autoren liefern mit dem "Praxishandbuch Rating und Finanzierung" ein praxisorientiertes Werkzeug, um die Finanzierung von Unternehmen durch ein gezieltes Management des Ratings zu verbessern.



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...

Interview

IDW PS 981

Licht und Schatten im Risikomanagement

Redaktion RiskNET28.08.2017, 08:19

Die jüngst veröffentlichte "Risikomanagement Benchmarkstudie 2017" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass viele...

Kolumne

Struktur des Unternehmens-Risikomanagements

Synergien im Risikomanagement schaffen

Bruno Brühwiler01.08.2017, 07:30

Wenn mehrere Personen über den Inhalt von Risikomanagement in komplexeren Organisationen diskutieren, entsteht schnell ein Konsens über die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses...

Interview

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Krisen sind das beste "Resilienztraining"

Redaktion RiskNET23.07.2017, 06:30

Ingenieure sprechen von einem resilienten System, wenn bei einem Teilausfall nicht alle technischen Systeme vollständig versagen. Ein Ökosystem gilt dann als resilient, wenn es nach einer Störung zum...