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Eigenkapitalausstattung

Leverage Ratio bei 3,8 Prozent

Redaktion RiskNET12.09.2017, 13:23

Die deutschen Großbanken haben ihre Eigenkapitalausstattung im vergangenen Jahr weiter verbessert. Nach Mitteilung der Deutschen Bundesbank hielten die sieben größten Institute, die der sogenannten Gruppe 1 angehören, Ende 2016 für 3,8 Prozent ihrer Aktiva Eigenkapital vor. Ende Juni 2016 waren es 3,6 Prozent gewesen. Bei den 30 kleineren Instituten der Gruppe 2 blieb die sogenannte Leverage Ratio unverändert bei 5,3 Prozent.

Der im Vorstand der Bundesbank für Bankenaufsicht zuständige Andreas Dombret kommentierte dieses Ergebnis so: "Die deutschen Institute weisen ähnlich hohe Kapitalquoten auf wie Institute anderer europäischer Länder, gerade die großen Banken in Deutschland haben aber eine unterdurchschnittliche Leverage Ratio. Hier sollten unsere Banken mittelfristig nachziehen und an einer Verbesserung ihrer Verschuldungsquote arbeiten."

Leverage Ratio bei anderen internationalen Banken 5 bis 6 Prozent

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beziffert die durchschnittliche Leverage Ratio europäischer Gruppe-1-Banken auf rund 5 Prozent, während die entsprechenden Institute im Rest der Welt auf über 6 Prozent kommen.

Die Leverage Ratio gilt im Rahmen der Eigenkapitalrichtlinie Basel 3 derzeit noch als Beobachtungsgröße, die lediglich berichtet werden muss. Ab 2018 ist sie jedoch verbindlich und muss mindestens 3 Prozent betragen. Sie ergänzt dann die in Deutschland gebräuchlicheren risikogewichteten Eigenkapitalquoten.

Bei der CET1-Quote wird das harte Eigenkapital der Bank ins Verhältnis zu den um bestimmte risikomindernde Faktoren bereinigten Aktiva (risikogewichtete Aktiva - RWA) gesetzt. Hier erreichten die Großbanken laut Bundesbank Quoten von 12,7 Prozent und die kleineren Institute 15,7 Prozent. Erreicht werden müssen ab 2019 mindestens 7 Prozent, Großbanken müssen sich zudem auf Aufschläge von bis zu 2,5 Prozentpunkte einstellen.

Verwendung interner Modelle bei RWA-Berechnung weiter umstritten

Allerdings ist die Art und Weise, in der die Banken ihre RWA bestimmen, umstritten. Vor allem die Großbanken, die hierfür interne Modelle verwenden und nicht dem Standardansatz der Behörden folgen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihre Risiken künstlich klein zu rechnen.

So zeigt eine Aufstellung von Standard & Poor's Markets aus dem vergangenen Jahr, dass die Deutsche Bank rund 75 Prozent ihrer Aktiva als risikofrei ausweist. Der Baseler Ausschuss setzt sich im Rahmen der "Vollendung von Basel 3" dafür ein, die Anwendung solcher Modelle generell einzuschränken und den Nutzen, den Banken aus ihnen ziehen können, zu begrenzen. Derzeit wird über diese sogenannten "Output Floors" noch in Basel verhandelt.

Nach Schätzungen der Bundesbank aus dem Frühjahr kommt auf deutsche Institute durch die Vollendung von Basel 3 - von Kritikern auch als Basel 4 bezeichnet - im Durchschnitt ein Anstieg der Eigenkapitalanforderungen von weniger als 5 Prozent zu. Einzelne Institute müssen sich aber auch auf 20 oder mehr Prozent einstellen.

[ Bildquelle: © Sondem - Fotolia.com ]


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