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Offshore Code of Practice

Leitlinie zum Risikomanagement von Offshore Windparks

Redaktion RiskNET20.02.2014, 13:45

Anfang 2014 sind in Deutschland Windkraftanlagen mit einer Leistung von etwa 915 Megawatt im Meer installiert. Bis zum Jahr 2030 sollen Offshore-Windparks mit einer Leistung von insgesamt rund 20.000 bis 25.000 Megawatt in Nord- und Ostsee errichtet werden. Diese sollen dann rund 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Um die Risikobeurteilung im Zusammenhang mit der Errichtung von Offshore Windparks zu unterstützen haben europäische Erst- und Rückversicherer im Rahmen des European Wind Turbine Committee (EWTC) eine Leitlinie für eine ganzheitliche Risikoanalyse veröffentlicht. Mit der Leitlinie soll vor allem die Risikotransparenz gefördert, das Schadenpotential reduziert und die Versicherbarkeit von Offshore Windparks und damit verbundenen Risiken langfristig gewährleistet werden.

Das European Wind Turbine Committee (EWTC), dessen Mitglieder sich aus europäischen Erst- und Rückversicherern zusammensetzt, hatte bereits im Jahre 2010 die Initiative "Offshore Code of Practice" gegründet. Im Frühjahr/Sommer 2014 wird der nach der Initiative benannte Offshore Code of Practice (OCoP) erstmalig über den GDV herausgegeben. In regelmäßigen Abständen sowie bei wesentlichen Änderungen der Technologie und Risikomanagementprozessen soll eine Überarbeitung und somit eine Aktualisierung des OCoP stattfinden.

Anlass für den OCoP ist, dass

  • es sich bei Offshore-Windparkprojekten um umfassende und komplexe Vorhaben handelt,
  • es zum jetzigen Zeitpunkt nur begrenzt Erfahrungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in spezifischen Gebieten wie beispielsweise in größeren Wassertiefen der Nordsee gibt,
  • es sich um eine junge Branche mit starken Wachstumszielen handelt.


Somit birgt der Errichtungsprozess von Offshore-Windparks eine Vielzahl unterschiedlichster Risiken, welche über ein proaktives Risikomanagementsystem beherrscht werden sollten. Durch eine frühzeitige Erkennung von Risiken oder Frühwarnindiaktoren lassen sich diese Risiken vermindern oder vermeiden.

Das Ziel der Initiative ist die Erstellung einer Leitlinie für das Risikomanagement innerhalb des Errichtungsprozesses von Offshore-Windparkprojekten. Diese Leitlinie soll auf die Relevanz eines ganzheitlichen und präventiven Risikomanagements hinweisen sowie die am Errichtungsprozess beteiligten Akteure zur Einführung von Risikomanagementprozessen motivieren und auf signifikante Risiken aufmerksam machen.

Risikotransparenz schaffen

Mithilfe des "Offshore Code of Practice" sollen Risiken und bewährte Methoden des Errichtungsprozesses von Offshore-Windparks für alle beteiligten Akteure dargestellt werden. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten zur Auslegung der Offshore-Windparks ist es jedoch nicht sinnvoll und möglich, allgemein gültige Empfehlungen auszusprechen. Die im Zuge des OCoP genannten Risiken und Schutzmaßnahmen sollen als Beispiele eine Orientierungshilfe für die Praxis bieten. Daher erhebt der OCoP erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Eine wesentliche Grundlage des OCoP ist die in den drei Arbeitsgruppen durchgeführte Risikoanalyse, bei der Risiken und relevante Schutzmaßnahmen für alle maßgebenden Arbeitsschritte identifiziert und eingeschätzt wurden. Auf Basis der Erfahrungen der beteiligten Fachexperten wurde das Wissen in den Risikoverzeichnissen dokumentiert.


Abbildung: Prognose für den Ausbau der Windenergienutzung auf See. Verhalten optimistischer Ausbau (Deutsche WindGuard)
Abbildung: Prognose für den Ausbau der Windenergienutzung auf See. Verhalten optimistischer Ausbau (Deutsche WindGuard)


[Bildquelle: © chungking - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

Gerd/20.02.2014 19:06
Die Definition von Risiko in den "Internationalen Leitlinie zum Risikomanagement von Offshore Windparks Offshore Code of Practice (OCoP)" ist leider nicht korrekt - und zu eng.

"Risiko: Ein Risiko ist die Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefahr, die einen Schaden verursacht, sowie Schadenausmaß. Allgemein bedeutet Risiko:
Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit x Schadenausmaß"

Der folgende Text setzt sich mit dem Thema auseinander: Gleißner, Werner/Romeike, Frank: Die größte anzunehmende Dummheit im Risikomanagement - Berechnung der Summe von Schadenserwartungswerten als Maß für den Gesamtrisikoumfang, in: Risk, Compliance & Audit (RC&A), 01/2011, S. 21-26.

Warum wird in dem Leitfaden nicht sauber zwischen Ursache - Risiko - Wirkung (cause - risk - effect) unterschieden. Stattdessen arbeitet man mit dem Begriff der Gefahr - der im Corporate Risk Management eher ungewöhnlich ist.

Übrigens findet man den Entwurf hier: http://www.vds-industrial.de/fileadmin/compliance/3549/VdS_3549_2014-01-29_OCoP_Konsultationsentwurf.pdf
Svenja/20.02.2014 20:33
Wieder einmal werden die wesentlichen Risiken nicht berücksichtigt: die STRATEGISCHEN und POLITISCHEN Risiken. Das sind die dominanten Risiken bei Offshore-Windparks.
Blubb/21.02.2014 08:41
Leider zieht der Konsultationsebtwurf anscheinlich nur auf Risiken während der Offshore-Arbeiten ab. Das aber im Projekt-Management und damit im Risikomanagement die Entscheidungen in der Initilisierung, der Definition und vor allem in der Planung eines Projektes das Vorhaben maßgeblich beeinflussen, wird außer acht gelassen. Bei Offshore-Windanlagen werden z.B. massive Lasten transportiert und installiert. Der Prozess hierfür wird betrachtet, doch das evtl. das Design dieser Komponente fehlerbehaftet sein könnte, bleibt außen vor. Mit einem Risikomangement hat es jedenfalls nichts zu tuen, wenn man sich nur eine kleine Phase eines Projektes genauer ansieht...
Judith/24.02.2014 15:48
@Blubb: Kann dem nur zustimmen ... inhaltlich nicht der große Wurf und zudem nur ein kleiner Teilausschnitt ;-(

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