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Buchbesprechung

Kompaktwissen Risikomanagement by Drag & Drop

Peter Hager, Frank Romeike25.08.2010, 17:35

Dem Titel folgend besteht der Anspruch der Herausgeber Roland Eller, Markus Heinrich, René Perrot und Markus Reif darin dem geneigten Leser sowohl das Kompaktwissen zum Risikomanagement  zu vermitteln als auch bei dessen erfolgreicher Umsetzung behilflich zu sein. Mehr kann sich ein Praktiker nicht wünschen. Dem Vorwort folgend richtet sich das Werk an mittelständische Kreditinstitute wie beispielsweise Volksbanken, Sparkassen, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Kommunen und deren Eigenbetriebe. Letzteren wird sich jedoch die Frage stellen warum sie sich direkt ab der ersten Seite mit den Mindestanforderungen für das Risikomanagement in Kreditinstituten, dem Kreditwesengesetz (KWG) und Basel II befassen sollten. Egal, so konnten mit Paste & Copy bzw. Drag & Drop aus früheren Veröffentlichungen schon mal die ersten 153 Seiten des Herausgeberwerkes bequem, einfach und schnell gefüllt werden.

Inhaltlich ist die Ausrichtung der Publikation jedoch sehr bankenlastig. Auf den ersten 153 Seiten und damit rund 50 Prozent des Gesamtumfangs werden typische Bankrisiken wie beispielsweise Kreditausfallrisiken, Zins- und Marktpreisrisiken, Liquiditätsrisiken und operationelle Risiken erläutert. Ganze 16 Seiten widmen sich anschließend speziell dem Risikomanagement in Kreditinstituten, weitere 8 Seiten dem Risikomanagement in Unternehmen und nochmals 8 Seiten dem Risikomanagement in Kommunen. So kompakt kann das Wissen über Risikomanagement in speziellen Bereichen vermittelt werden!
Weitere 6 Seiten beglücken noch die Privatanleger und schon sind alle nur denkbaren Zielgruppen abgearbeitet. Immerhin, jeder wurde mal erwähnt!

Danach folgt eine Mischung aus Psychologie (Behavioral Finance), Volkswirtschaft, Technische Analyse und Rechnungslegung. Schon sind knapp 300 Seiten geschrieben. Oder besser gesagt: Zusammenkopiert! Denn die Inhalte des  Werkes sind alles andere als neu. Nur der Titel unterscheidet sich von früheren Veröffentlichungen. Die "neuen" Inhalte für Kommunen und mittelständische Unternehmen sind leider so knapp und oberflächlich, dass sie kaum mehr Informationen bieten als der Werbeprospekt der einschlägig bekannten Wirtschaftsprüfungs- oder Beratungsgesellschaften. Insgesamt lässt sich nicht erkennen worin der Anspruch der Neuerscheinung besteht. Für ein Nachschlagewerk oder Lexikon sind die Inhalte zu unstrukturiert, unvollständig und oberflächlich. Ein Fachbuch kann es erst recht nicht sein, dafür mangelt es an fundierten Informationen und ausführlichen Erläuterungen. Auch die Zielgruppe bleibt ungeklärt. Warum sollte ein mittelständisches Unternehmen oder eine Kommune 34,95 EUR ausgeben um lediglich jeweils 8 Seiten mit zielgruppenorientieren Informationen zum eigenen Risikomanagement zu erhalten?

Leider sind auch die Inhalte unvollständig oder gar falsch. So wird der Value at Risk auf Seite 64 definiert: "Kennzahl in Euro und bezeichnet die geschätzte Barwertänderung, die durch die Veränderung von Marktpreisrisiken hervorgerufen, innerhalb einer festgelegten Haltedauer, mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) nicht überschritten wird." Diese Aussage stellt nur auf die Definition des Value at Risk aus einer einzelnen Bankengruppe ab. Unternehmen und Kommunen kennen keine Barwertänderungen. Und es sei noch mal allen gesagt: Der Value at Risk kann sehr wohl überschritten werden! Auch die im Folgenden getroffene Aussage dass die Historie zu Berechnung des Zinsänderungsrisikos mindestens einen vollständigen Zinszyklus enthalten sollte, betrifft nur den Bankenbereich und dort lediglich die Gruppe der Sparkassen. Hier wurden scheinbar Texte aus der Gesamtbanksteuerung von Sparkassen einfach per Drag & Drop in das Buch übernommen. Ähnlich miserabel ist der Cash Flow at Risk auf Seite 64 ff. recherchiert. Denn dieser bezeichnet weder die "GuV-Wirkung" noch "die Auswirkungen von Marktpreisänderungen ….auf Kosten und Erlöse". Beides wäre namentlich der EBT oder EBIT at Risk und die Einschränkung auf Marktpreisänderungen ist ohnehin nicht zielführend.

Zu guter Letzt: Quellenangaben oder gar ein Literaturverzeichnis enthält das Herausgeberwerk aus gutem Grund nicht, denn die Inhalte sind weitestgehend aus früheren Veröffentlichungen kopiert. "Drag & Drop" war das Zauberwort der Autoren und Herausgeber. Die Platzierung von "Eller/Heinrich/Perrot/Reif: Kompaktwissen Risikomanagement" erfolgt damit klar in der Ecke "Bahnhofsbelletristik". Für weitere Veröffentlichungen des Autorenquartetts Eller/Heinrich/Perrot/Reif sei die Anregung gegeben "Kompaktwissen" durch "Quick & dirty" oder "copy & waste" zu ersetzen!



Eller, Roland/Heinrich, Markus/Perrot, René/Reif, Markus (Hrsg.): Nachschlagen, verstehen und erfolgreich umsetzen, Gabler Verlag, 310 Seiten, Wiesbaden 2010, ISBN: 978-3-8349-2082-9Eller, Roland/Heinrich, Markus/Perrot, René/Reif, Markus (Hrsg.): Kompaktwissen Risikomanagement -
Nachschlagen, verstehen und erfolgreich umsetzen

Gabler Verlag, 310 Seiten, Wiesbaden 2010, ISBN: 978-3-8349-2082-9



[Bildquelle oben: iStockPhoto]












Kommentare zu diesem Beitrag

Swissbanker/25.08.2010 20:47
Danke für die offenen Worte, denn es ist nicht das erste Werke dieser Güte!
sam/25.08.2010 22:21
Vielleicht sollte die RiskNET-Redaktion neben den "Büchern des Monats" auch die "Quick&Dirty"-Rubrik des Monats regelmäßig veröffentlichen ...
Christian/26.08.2010 08:51
Dieser Artiekl deckt sich auch mit meinen Eindrücken aus der Vergangenheit.
Holger/26.08.2010 09:32
Danke für die ehrliche und offene Buchbesprechung der Redaktion. Habe da auch noch ein ähnliches Werk von E&Co in meinem Schrank stehen. Eigentlich erstaunlich, dass der Verlag so etwas produziert ;-(
Gunnar/26.08.2010 13:53
Ich würde mich dem Vorschlag von sam anschließen und die "Quick&Dirty"-Rubrik befürworten.
RiskNET Redaktion/26.08.2010 17:53
Die Idee ist gut. Es wäre aus Sicht der RiskNET-Redaktion alledings wünschenswert, wenn wir mit ausreichend Material für "Quick&Dirty" versorgt würden. Einiges haben wir auf Lager ... aber gerne nehmen wir die Vorschläge der RiskNET-User entgegen. Einfach ein E-Mail an office@risknet.de

Vielen Dank!!

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