Studie

Deutsche Ökonomen bewerten Trumps Politik negativ

Irrlichtern, widersprüchlich und naiv

Redaktion RiskNET20.11.2017, 11:28

Ein Jahr nach der Wahl Donald Trumps sieht eine überwältigende Mehrheit deutscher Volkswirte einen negativen Einfluss des amerikanischen Präsidenten auf die globale Wirtschaft und auch auf die amerikanische Wirtschaft. 71 Prozent nannten Donald Trumps Einfluss auf die Weltwirtschaft negativ, 64 Prozent waren der Auffassung, das gelte auch für die US-Wirtschaft, wie das Ökonomenpanel ergab, eine regelmäßige Befragung von Wirtschaftswissenschaftlern durch das Münchner ifo Institut in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Trump bleibt ein Phänomen: Er gibt eine äußerst schlechte Figur im Amt ab, aber die Konjunktur in den USA läuft gut. Das könnte daran liegen, dass Trump von seinem Programm bislang noch nicht viel umgesetzt hat", sagte Niklas Potrafke, der das Ökonomenpanel betreut und das ifo-Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie leitet. An der Umfrage nahmen diesmal gut 130 Wirtschaftsprofessoren teil.

Sie bewerteten die Politik Trumps durchweg äußerst kritisch. Schlechte Noten bekam seine Politik für das Gesundheitssystem, beim Umweltschutz sowie bei Frieden und Sicherheit. Auch die Auswirkungen auf die soziale Gerechtigkeit hielten die Volkswirte für negativ. Die meisten Befragten erklärten, sie hätten auch nichts anderes erwartet. Halbwegs neutral sahen sie die Auswirkungen von Trumps Politik auf die Beschäftigung. Etwas besser war die Bewertung seines Einflusses auf das Wirtschaftsklima, wenngleich sie doch leicht negativ war. Trumps Handelspolitik lehnten die deutschen Ökonomen klar ab.

Die Ökonomen erwarteten, dass durch Trumps Politik die unteren und mittleren Einkommensschichten verlieren werden, wogegen die Oberschicht gewinnen werde. Einen positiven Saldo von zustimmenden Antworten erhielt Trump einzig beim Punkt Vermeidung illegaler Einwanderung.

Viele Ökonomen störten sich an Trumps Stil. Dieser sei eine Katastrophe, sagten mehrere Professoren in der Umfrage. Die Maßnahmen der Trump-Regierung seien "irrlichtern, widersprüchlich und naiv", schrieb der Handelsökonom Rolf Langhammer. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hingegen mahnte zu Gelassenheit. Es werde nichts so heiß gegessen, wie es gekocht werde.


[ Bildquelle: © mars58 - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Risiko Nr. 1 für Unternehmen

Das stille Sterben der Marken

Redaktion RiskNET22.02.2018, 12:59

Mit Schrecken liest man heute über das zunehmende "Markensterben" in vielen Branchen. Einst glanzvolle Marken verschwinden in der Bedeutungslosigkeit oder noch schlimmer ganz vom Markt....

News

Im Interview: Thorsten Kodalle

Vom Wargaming und der Resilienz

Redaktion RiskNET12.02.2018, 08:00

Oberstleutnant i. G. Thorsten Kodalle, Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr, stellt die Frage, ob die Welt heute noch kontrollierbar sei? Seiner Meinung nach nein....

News

Im Interview: Herbert Saurugg

Energieversorgung und die Risiken

Redaktion RiskNET10.02.2018, 08:00

Der Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen, Herbert Saurugg, erwartet in den kommenden Jahren einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall. Das Risiko...

Kolumne

Merkwürdige Reaktion der Kapitalmärkte auf Populismus

Risikofaktor Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.07.02.2018, 21:34

Ray Dalio ist einer der reichsten Männer Amerikas. Er hat den Hedgefonds Bridgewater gegründet, der zu den erfolgreichsten der Branche gehört. Er interessiert sich aber nicht nur für Geld. Er ist...

News

Im Interview: Günther Schmid

Von einer Welt in Unordnung

Redaktion RiskNET02.02.2018, 14:33

Für Günther Schmid, vormals Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst und Professor für Internationale Politik und Sicherheit an der Beamtenhochschule, schreite der Zerfall von Strukturen und Ordnung...