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Digitale Welt

Industrie 4.0: Tiefschlaf statt Revolution?

Redaktion RiskNET19.01.2016, 15:27

In unseren Tagen scheint nichts mehr sicher vor der Welt im Modus 4.0 – von der Automobil- und Energiebranche über die Medizin bis zur Industrie. Wen wundert es beispielsweise, dass Industrie 4.0 zu einem Modebegriff avanciert, der kaum die notwendige Trennschärfe beinhaltet. "Industrie 4.0" wird in der angelsächsischen Welt als "second machine age" oder "third industrial revolution" bezeichnet. Und Spiegel Online stellt bereits in einem Beitrag aus dem Jahr 2014 fest ("Wettlauf der Systeme"): Jeder kennt zwar "Industrie 4.0", das Schlagwort, das eine vierte industrielle Revolution prophezeit (…) Doch die meisten sind einigermaßen ratlos, wenn sie gefragt werden, wohin der Wandel führt und was sie zu tun haben.

Allgemein steht der Begriff Industrie 4.0 für die vierte industrielle Revolution, das heißt eine neue Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Die Idee und Theorie dahinter: Basis ist die Verfügbarkeit aller relevanten Informationen in Echtzeit durch die Vernetzung aller an der Wertschöpfung beteiligten Instanzen. Durch die Verbindung von Menschen, Objekten und Systemen entstehen dynamische, echtzeitoptimierte und selbst organisierende, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke, die sich nach unterschiedlichen Kriterien optimieren lassen.

Vom Fordern, Fördern und den Risiken

Land auf, Land ab schreien Experten, solche die es werden wollen und Trittbrettfahrer nach Industrie 4.0 und den vermeintlichen Vorzügen. Selbst von offiziellen staatlichen Stellen wird Industrie 4.0 gefordert und gefördert, wie 3SAT feststellt. Einer der Knackpunkte: Kaum einer weiß was sich dahinter verbirgt. Schlimmer noch, es werden Begriffe vermischt. Und doch wissen alle was es vermeintlich braucht – eben Industrie 4.0. Fakt ist, dass sich durch die Digitalisierung die Berufswelt fundamental verändert. Daran führt kein Weg vorbei. Doch in welche Richtung geht das Ganze?

Experten sprechen einerseits von einem Riesenpotenzial durch Industrie 4.0 und werfen beispielsweise die Zahl von 78 Milliarden Euro durch Produktivitätssteigerungen für die deutsche Wirtschaft bis ins Jahr 2025 ins Rennen (Quelle: Fraunhofer IAO). Oder die von 30 Milliarden Euro, die deutsche Unternehmen an zusätzlichem Umsatz pro Jahr durch Industrie 4.0 erwarten, wie PwC in einer Studie herausfand. Die Kehrseite der Chancensicht sehen andere Experten mit Risiken behaftet. Beispielsweise stünden laut ING-Diba 18 Millionen Arbeitsplätze durch den zunehmenden Roboter- und Softwareeinsatz in Deutschland auf der Kippe. Festzuhalten bleibt: In die eine wie in die andere Richtung ist vieles Spekulation, Halbwissen und nicht mehr als ein Blick in die Glaskugel. Im Klartext: Nichts Genaues weiß man nicht.

Mehr Wissen für alle

Die vielzitierte Revolution der industriellen Produktion kommt in den meisten Fällen eher als Evolution daher. Anders sieht es bei der Rolle der Mitarbeiter aus: Vor dem Hintergrund der erforderlichen Umorientierung bei den Qualifikationen der Mitarbeiter aller Hierarchiestufen muss wohl tatsächlich von einer Revolution gesprochen werden.

Die Qualifikation der Mitarbeiter wird bei Industrie 4.0 zum entscheidenden Nadelöhr. Denn die zunehmende Komplexität der industriellen Produktion erfordert von ihnen einen umfassenden Einblick in die betrieblichen und überbetrieblichen Strukturen. Durch die Vernetzung von Herstellern, Integratoren, Zulieferern, Betreibern und Kunden entsteht ein neuer, prozess- und unternehmensübergreifender Know-how-Bedarf sowohl in Planung, Produktion und Einkauf als auch in Security und weiteren Themenbereichen.

Roland Tichy, der frühere Chefredakteur der Wirtschaftswoche, äußert die Sorge, dass insbesondere deutsche Großunternehmen durch ihren Hang zum Bürokratismus, zur Trägheit und zur Skepsis gegenüber Innovationen den digitalen Wandel nicht überstehen könnten, wie zuvor schon Quelle, Karstadt oder Siemens Mobile. Zudem attestiert er einen durch die 68er-Generation geprägten Kulturpessimismus bzw. eine "Fortschrittsangst", die noch nicht vollständig überwunden sei. Dieser Wandel könne auch nicht durch "Paragrafen herbei-politisiert" beziehungsweise verordnet werden, sondern müsse von den Unternehmen und der Gesellschaft selbst ausgehen.

Gunter Dueck ist ein deutscher Mathematiker und Autor weltanschaulich-philosophischer Sachbücher.Im Dialog mit Prof. Dr. Gunter Dueck: Digitalisierung und Industrie 4.0 – Bereit für große Veränderungen?

Digitalisierung, Industrie 4.0 und disruptive Innovationen haben das Potenzial, Gewohntes auf den Kopf zu stellen oder gar obsolet werden zu lassen. Innovative Technologien und moderne Arbeitsprozesse ermöglichen es aber auch, vollkommen neue Geschäftsmodelle zu eröffnen. Es gilt: Nichts ist beständiger als der Wandel.

Erleben Sie einen Tag mit Prof. Dr. Gunter Dueck, einem der bekanntesten und innovativsten Vor- und Querdenker der Digitalisierung.

Lassen Sie sich von den Szenarien, Visionen, Ein- und Ausblicken inspirieren, treten Sie ein in den persönlichen Dialog. Gewinnen Sie neue Erkenntnisse und Anregungen für Ihre praktische Arbeit.

Schwerpunkte:

  • Sind unsere Geschäftsmodelle am Ende?
  • Wie bereiten Sie sich auf den Wandel vor?
  • Wie verändern sich Arbeit und Qualifikation?
  • Was sollten Mitarbeiter künftig können?
  • Wie machen wir die Digitale Welt sicher?
  • Wie sieht Unternehmensführung in Industrie 4.0 aus?
  • Wie sehen künftige Unternehmensstrategien aus?
  • Was sollten Manager künftig anders machen?
  • Was bedeutet das für das Changemanagement?
  • Digitalisierung & Industrie 4.0: Sackgasse oder Chance?

Datum: Freitag, 29. Januar 2016

Ort: qSkills, Süd-West-Park 65, 90449 Nürnberg

Dauer: 10:00 Uhr bis ca. 16:45 Uhr

Infos und Anmeldung: www.qSkills.de

[ Bildquelle: © adrian_ilie825 - Fotolia.com / Bild Dueck: Michael Herdlein ]


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