News

Aktuelle Studie

Haben deutsche Aufsichtsräte Risiken im Griff?

Redaktion RiskNET23.02.2012, 18:27

Laut einer internationalen Vergleichsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte trauen sich deutsche Aufsichtsräte im internationalen Vergleich besonders gut zu, potenzielle Risiken zu erkennen und zu beurteilen. Überdies sind sie sich ihres Wertbeitrags zur Unternehmensperformance stärker bewusst viele ihrer internationalen Pendants. Sie fühlen sich zudem sehr gut über Marktentwicklung, M&A-Perspektiven und Marktanteile der Unternehmen informiert. Auf der anderen Seite zeigt sich ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz unzufrieden mit dem Auswahlverfahren neuer Aufsichtsratsmitglieder. Gleiches gilt für die Nachfolgeplanung sowie für den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Nicht zuletzt findet ein hoher Prozentsatz, dass die Vorstandsvergütung nicht ausreichend transparent gestaltet ist.

Weltweit übernehmen die Boards bzw. Aufsichtsräte der Studie zufolge eine starke, direkte Aufgabe bei der Strategieplanung: International sehen sich 85 Prozent der befragten Aufsichtsräte in einer entsprechenden Rolle. In Deutschland sind es sogar 94 Prozent – jedoch herrsche hierzulande eine klare Kontrollpflicht, der die Aufsichtsräte auch nachkommen. Bei Informationen zu strategischen Entscheidungsparametern fühlen sich 88 Prozent der befragten deutschen Aufsichtsräte gut informiert – Grund ist wiederum ihre gesetzliche Verpflichtung. International trifft dies nur auf 78 Prozent zu. Bei der Frage, was Aufsichtsräte für das Unternehmen leisten, haben 41 Prozent der Befragten in Deutschland eine sehr klare Vorstellung. Auf internationaler Ebene liegt der Wert dagegen um 13 Prozentpunkte niedriger.

Weltweit geben nur zehn Prozent der befragten Aufsichtsräte an, nicht in die Gestaltung der Risikobereitschaft ihres Unternehmens eingebunden zu sein, 72 Prozent sehen sich aktiv beteiligt. In Deutschland sorgt das dualistische System für eine klare Aufgabenteilung. Dennoch hat etwa ein Viertel hierzu keine klare Haltung, was auf eine entsprechend dominante Position der jeweiligen Vorstände hinweist. Deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegt jedoch das Verständnis deutscher Aufsichtsräte für potenzielle Risiken – 94 Prozent der Befragten traut sich zu, diese zu verstehen und deren Auswirkungen auf das Unternehmen beurteilen zu können.

Ein gegenteiliges Ergebnis zeigt die Frage nach der Transparenz der Auswahlverfahren für neue Aufsichtsratsmitglieder: In Deutschland sind nur 59 Prozent mit den formalen Kriterien zufrieden, international liegt der Wert mit 61 Prozent geringfügig höher. Ähnlich sieht es bei der Nachfolgeplanung aus: 47 Prozent sehen keinen wirksamen Nachfolgeplan für den Aufsichtsrat. Auch bezogen auf den Vorstandsvorsitzenden glauben nur 42 Prozent, dass es eine effektive Regelung für die Nachfolge im Unternehmen gibt. Die Gründe könnten darin liegen, dass Investoren in vielen Fällen ein starkes Mitspracherecht bei Nachfolgefragen beanspruchen.

Die Aufsichtsrats-Vergütung ist in den letzten Jahren weltweit immer mehr in den Fokus gerückt. International halten 65 Prozent die Vergütung der Aufsichtsräte für angemessen. In Deutschland liegt der Anteil mit 76 Prozent deutlich darüber. Allerdings ist auch die Zahl derer, die entschieden gegenteiliger Meinung sind, mit zwölf Prozent signifikant höher als im internationalen Durchschnitt. Bezogen auf die Vorstandsvergütung stimmen insgesamt 88 Prozent der deutschen Aufsichtsräte der Aussage zu, ihr Vergütungssystem schaffe eine optimale Balance zwischen kurzfristiger Leistung und langfristiger Wertschöpfung. Im Hinblick auf die Transparenz dieser Systeme gibt es allerdings einen auffallend hohen Anteil an Skeptikern – immerhin ein Viertel sieht hier noch deutlichen Optimierungsbedarf. Auf der anderen Seite liegt aber auch die Zahl derer, die bei diesem Thema überhaupt keinen solchen Bedarf konstatieren, über dem internationalen Schnitt.

 

[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Garantenpflicht

Haftung eines Risikomanagers

Redaktion RiskNET16.07.2018, 19:30

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom 17.07.2009 (Az 5 StR 394/08) einen Leiter einer Rechtsabteilung und Revision wegen Beihilfe zum Betrug durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von...

Interview

Mundus vult decipi

Was tun mit Fake News?

Redaktion RiskNET06.06.2018, 14:24

Wahrheit oder Lüge? Wer kann das in unseren digitalen Zeiten noch beantworten? Umso wichtiger sind klare Parameter und ein methodisch sauberes Vorgehen, um Fake News zu enttarnen. Dafür plädiert...

Kolumne

Machine Learning-basierte Klassifikation von Marktphasen

Krisen frühzeitig identifizieren

Dimitrios Geromichalos [RiskDataScience]23.05.2018, 12:30

Wie in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden konnte, verhalten sich Märkte oftmals irrational und zeichnen sich – neben dem "Normal-Zustand" – durch Phasen im Krisen- und...

Kolumne

Geopolitik und Ökonomie

Über den Einfluss politischer Krisen

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.16.05.2018, 11:45

Mehr als sonst ist in den Börsenkommentaren in diesem Jahr nicht nur von ökonomischen Faktoren die Rede. Immer mehr Raum wird den politischen Krisenherden in der Welt eingeräumt. Da geht es um Iran...

Kolumne

CFO Survey Frühjahr 2018

Fachkräftemangel und Protektionismus dominieren Risikolandkarte

Redaktion RiskNET11.05.2018, 14:32

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen sowie...