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Aktuelle Studie

Großunternehmen sorglos gegenüber Hackern und Spionen

Redaktion RiskNET25.07.2012, 08:08

Laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney vernachlässigen deutsche Großunternehmen das Thema Informationssicherheit. Demnach verfolgten die meisten Organisationen keine ganzheitliche Strategie, um ihre Daten und ihr Know-how zu schützen. Stattdessen verließen sich die Verantwortlichen häufig auf technische Einzellösungen, die aber immer nur einen Teil der Gefahr abwehren können. Daneben fehlten in vielen Unternehmen die organisatorischen Voraussetzungen für eine wirksame Informationssicherheit "Das Thema Informationssicherheit hat trotz der Zunahmen an Hacker und Wirtschaftsspionageangriffen noch nicht den Stellwert im Management", sagt Michael Römer, Partner bei A.T. Kearney und Experte für IT-Strategie.

Im Rahmen der Studie wurden die Jahresberichte der 30 DAX-Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: 27 Firmen widmen sich zwar explizit dem Thema Informationssicherheit. Die im Bericht genannten Schutzmaßnahmen deuten aber auf ein veraltetes Sicherheitsverständnis hin. Meist werden allein technische Einzelmaßnahmen dokumentiert – wie etwa der Einsatz von Antiviren-Software oder der Aufbau redundanter Systeme. Ein durchgängiges und ganzheitliches Konzept lasse sich in den meisten Fällen nicht erkennen. "Lediglich jeder zehnte Bericht ist dazu geeignet, wirkliches Vertrauen aufzubauen", sagt Boris Piwinger, Experte für Informationssicherheit bei A.T. Kearney.

Dabei stünden Deutschlands Unternehmen zunehmend im Visier von Wirtschaftsspionen, die es auf Informationen wie Marketingpläne, Kundenlisten oder Entwicklungsdaten abgesehen haben. Vorsichtige Schätzungen gingen laut den Studienautoren davon aus, dass mindestens jedes vierte Unternehmen bereits Opfer eines Computerangriffs wurde. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 95 Prozent aller Unternehmen weltweit gegenwärtig angegriffen werden oder massiv verwundbar sind. Auf 50 Mrd. Euro beziffert das Bundesministerium des Inneren den jährlichen Schaden in Deutschland durch Industriespionage.

Weil sich Unternehmen aber nach wie vor scheuen, Fälle von Wirtschaftsspionage und Hackerangriffen publik zu machen, wirke die Bedrohung kleiner als sie tatsächlich sei. Dadurch fehle vielen Entscheidern insgesamt eine Sensibilität für die Größe des Problems. Zu den betroffenen Unternehmen zähle beispielsweise das Reiseunternehmen Neckermann, wo im Mai 2011 Unbekannte 1,2 Mio. Kundendatensätze erbeuteten. Sportartikelhersteller Adidas musste im Herbst vergangenen Jahres seine Website nach einer Hackerangriff vom Netz nehmen. Bei Nortel Networks hatten Datendiebe unbemerkt zehn Jahre lang uneingeschränkten Zugang.

Das Internet dient laut BKA mittlerweile in einem Viertel aller Fälle den Wirtschaftskriminellen als Tatmittel. Dennoch investieren die Unternehmen kaum in die Abwehr von Cyberangriffen und Wirtschaftsspionen. Die Ausgaben, um IT-Systeme gegen Angriffe von außen abzusichern, summieren sich lediglich auf 2,5 Mrd. Euro in Deutschland – also nicht einmal vier Prozent der Gesamtausgaben für Informationstechnologie. "Heute sind die Angriffe individuell auf das Opfer zugeschnitten und verwenden Methoden, die mit den klassischen Werkzeugen nicht abgewehrt werden können. Diese neue Realität erfordert, verstärkt auf Erkennung und Abwehr laufender Angriffe zu setzen", beschreibt Piwinger die größte Schwachstelle.

Doch nicht nur auf der Technologieebene täten die Unternehmen zu wenig. Auch organisatorisch würden sie nicht die Vorrausetzungen dafür schaffen, um Bedrohungen im Digitalzeitalter wirksam entgegenzutreten. "Die meisten Sicherheitsverantwortlichen sind heute noch Teil der IT-Abteilung und oft auch nur auf der Sachbearbeiter-Ebene angesiedelt", berichtet Michael Römer, Partner bei A.T. Kearney. Die Experten empfehlen, die für die Sicherheit Zuständigen ähnlich wie die Compliance-Verantwortlichen außerhalb der IT-Abteilung anzusiedeln – beispielsweise neben dem Revisionswesen. Derjenige, der sich um die Informationssicherheit kümmere, müsse dem CIO auf Augenhöhe begegnen und kritische Fragen stellen können.

A.T. Kearney rät außerdem dazu, in einem Assessment die wertvollen Daten im Unternehmen zu identifizieren und die Frage, wie sie abgesichert werden können, als strategisch und geschäftskritisch einzustufen. Informationssicherheit sollte als ganzheitliche Funktion betrachtet und über die Abteilungsgrenzen hinweg angegangen werden.

 

[Bildquelle: © pseudopixels - Fotolia.com]



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