Rezension

Geschäftsmodelle im Banking – Analyse und Entwicklung

Christoph Tigges [Redaktion RiskNET]16.10.2017, 08:38

Der technologische Wandel und die Digitalisierung der Geschäftswelt stellt die Banken vor enormen Herausforderungen. Zudem nimmt die Komplexität der Geschäftsprozesse auf Grund umfangreicher Gesetzes- und Finanzvorschriften zu. Neue Wettbewerber, wie FinTech-Unternehmen oder IT-Start-ups bieten neue Finanzdienstleistungen zu günstigeren Konditionen an und verschärfen so den Wettbewerb innerhalb des Finanzsektors. Bestehende Marktposition der Banken geraten ins Wanken. Die Konsequenz daraus ist, dass Banken ihre Geschäftsmodelle und Strukturen überdenken müssen, um auch künftig im Wettbewerb bestehen zu können.  

Mit dem vorliegenden Band stellt der Autor ein Konzept vor, wie und mit welcher Methodik ein neues Geschäftsmodell fortentwickelt werden kann. Der erste Teil des Buches erörtert die methodischen und konzeptionellen Grundlagen. Das "Business Model Canvas" stellt den konzeptionellen Rahmen dar. Es ist die Einfachheit und Verständlichkeit des Modells, die aus Sicht des Autors für dieses Konzept spricht. Die Analyse und Entwicklung eines Geschäftsmodells wird anhand von sechs Phasen schrittweise vorgestellt, um daraus verschiedene Szenarien zu entwickeln.

Von den Megatrends zu den relevanten Branchentrends. Im zweiten Teil des Buches wird die Idee des Konzepts vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen diskutiert und bewertet. Aus den fünf Megatrends: Individualisierung, Globalisierung, Demografie, Technischer Fortschritt und Nachhaltigkeit leitet Andrae drei relevante Branchentrends – Zinsumfeld, Regulierung und Digitalisierung – ab. Darauf aufbauend werden vier verschiedene Geschäftsmodellalternativen (Kunden-Banking, Produkt-Banking, Infrastruktur-Banking, Versorger-Banking) analysiert und gegenübergestellt.

Mit einer Zusammenfassung endet das Buch.

Schmale Bücher haben den Vorteil, dass der Autor schnell zu den wesentlichen Themen vordringt. Ist aber die in diesem Buch erörterte Vorgehensweise auch für global operierende Banken mit all ihrer Komplexität anwendbar? Oder doch nur für Institute geeignet, die eher lokal agieren? Leider fehlt eine kritische Auseinandersetzung. Es wäre von Interesse zu erfahren, welche Institute die hier beschriebene Vorgehensweise adaptieren. Wer Denkanstöße und Ideen erfahren möchte, wie ein Geschäftsmodell im Banking praktisch entwickelt werden kann, erhält mit diesem Buch wertvolle Anregungen.



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