Studie

Global Risk Report 2015

Geopolitische und soziale Risiken dominieren

Redaktion RiskNET21.01.2015, 10:55

Ein Blick auf die aktuelle Risikolandkarte des Global Risk Report 2015 verdeutlicht eins: Die Komplexität und Interaktion der globalen Risiken hat in den vergangenen Jahrzehnten rapide zugenommen. Das World Economic Forum (WEF) stuft erstmals seit vielen Jahren geopolitische Konflikte als einen der größten Risikofaktoren ein. Nach Ansicht der 900 Entscheidungsträger des WEF-Netzwerkes stellt das Risiko eines internationalen Konflikts in den nächsten zehn Jahren die größte Bedrohung für die Stabilität unseres Globus dar.

Die zehnte Ausgabe der Studie "Global Risks 2015", in dem Experten die wichtigsten globalen Risiken im Hinblick auf Wahrscheinlichkeit und mögliche Auswirkungen innerhalb der nächsten zehn Jahre bewerten, stuft zwischenstaatliche Konflikte mit regionalen Konsequenzen als globales Risiko Nummer eins hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit und als viertes in Bezug auf seinen Auswirkungsgrad ein. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit rangiert es vor extremen Wetterereignissen (2), Regierungskrisen (3), Staatszerfall oder -krisen (4) und Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung (5).

Bei der Analyse globaler Risiken im Hinblick auf ihre potenzielle Auswirkung stuften die Experten Wasserkrisen als das größte Risiko ein. Neben diesem und zwischenstaatlichen Konflikten dominieren folgende weitere Risiken hinsichtlich ihrer Auswirkung: schnelle und massive Ausbreitung von Infektionskrankheiten (2), Massenvernichtungswaffen (3) und ein Versagen bei der Anpassung an Klimaveränderungen (5).

28 globale Risiken analysiert

Mit den 28 im Jahr 2015 analysierten globalen Risiken, die in fünf Kategorien (Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Soziales und Technologie) gegliedert sind, zeichnet sich 2015 als ein Jahr der geopolitischen Risiken ab, die gleich dreimal unter den fünf wahrscheinlichsten und zweimal unter jenen mit potenziell größter Auswirkung zu finden sind. In den vergangenen fünf Jahren waren diese von der Landkarte der größten globalen Risiken verschwunden. Innerhalb dieser Kategorie, treten drei Risiken in diesem Jahr besonders hervor, die seit 2014 an Wahrscheinlichkeit und potenzieller Auswirkung zugenommen haben. Diese sind zwischenstaatlicher Konflikt mit regionalen Konsequenzen, Massenvernichtungswaffen, und terroristische Anschläge.

Die Risikolandschaft 2015 zeigt auch, dass weiterhin dringender Lösungsbedarf für soziale Probleme besteht, da Wirtschafts-, Umwelt- und geopolitischen Risiken den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Zerreißprobe stellen. Soziale Risiken belegen in der Tat die zwei Spitzenränge der Risiken mit potenziell stärkster Auswirkung.

Ebenso bemerkenswert ist die Präsenz von mehr umweltbezogenen als wirtschaftlichen Risiken auf den Spitzenrängen. Zwar räumen Experten wirtschaftlichen Risiken wie etwa Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung oder Staatshaushaltskrisen eine nahezu gleiche Dringlichkeit wie in 2014 ein, beurteilen jedoch die mit extremen Wetterereignissen und Klimawandel verbundenen Herausforderungen als wesentlicher dringlicher als noch im vergangenen Jahr.

Die Ursachen für geopolitische Risiken sind vielfältig

Die Risikoexperten des World Economic Forum zeigen in ihren Analysen vor allem auf, dass heute die  Mittel, mit denen sich geopolitische Konflikte austragen lässt, vielfältiger denn je sind: Man denke hier beispielsweise an Cyberangriffe, einen Wettlauf um Ressourcen oder Sanktionen und andere wirtschaftliche Instrumente, die in einer globalen Wirtschaft schnell ausufernden Schaden anrichten können.

Zusätzlich zur Messung der Wahrscheinlichkeit und der potenziellen Auswirkung dieser 28 globalen Risiken erörtert Global Risks 2015 sowohl die Verknüpfungen zwischen Risiken als auch wie Trends diese Risiken beeinflussen und somit die kurz-oder mittelfristige Risikolandschaft prägen. Der Bericht beleuchtet darüber hinaus drei Risikoszenarien im Detail: das Zusammenspiel von Geopolitik und Wirtschaft, die Risiken im Zusammenhang mit der raschen und ungeplanten Verstädterung in Entwicklungsländern sowie neue Technologien.

Verstädterung als Risikofaktor

Bei der Verstädterung prüft der Bericht, wie man am besten ausreichende Stabilität schafft, um die Herausforderungen abzufedern, die sich im Zuge der Gestaltung des raschen und historischen Übergangs von einer vorwiegend ländlichen zu einer städtischen Lebensweise stellen. Zweifelsohne hat die Verstädterung das soziale Wohlbefinden erhöht. Wenn Städte jedoch zu schnell wachsen, steigt ihre Verwundbarkeit: Pandemien, Ausfälle von oder Angriffe auf Strom-, Wasser- oder Transportnetze sowie die Folgen des Klimawandels sind alles bedeutende Bedrohungen, kommentiert Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer der Zürich Versicherung, die Ergebnisse.

Die rasche Geschwindigkeit mit der sich neueTechnologien entwickeln, von synthetischer Biologie bis hin zu künstlicher Intelligenz, ist mit weitreichenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ethischen Folgen verbunden. Die Entwicklung ausreichend flexibler Regelungsrahmen, um einerseits ihre schnelle Entwicklung zu gewährleisten und die Nutzung ihrer Vorteile zu ermöglichen, gleichzeitig aber ihren Missbrauch und alle unvorhergesehenen negativen Folgen zu verhindern, ist eine der Hauptherausforderungen für die Politik.

Risikowahrnehmung aus Länderperspektive

Der Bericht liefert auch Analysen sowohl in Bezug auf die globalen Risiken, auf die ihre eigene Region aus Sicht der Befragten am wenigsten vorbereitet ist , als auch auf die globalen Risiken, bei denen ihrem Eindruck nach in den letzten zehn Jahren die größten Fortschritte erzielt worden sind. Er präsentiert zum ersten Mal nach Ländern aufgeschlüsselte Daten darüber, wie Unternehmen die globalen Risiken in ihren Ländern wahrnehmen. Diese sind verfügbar unter wef.ch/grr2015. Außerdem greift der Bericht drei Beispiele für Risikomanagement und bewährte Praktiken im Zusammenhang mit extremen Wetterereignissen auf.

Nachfolgend sind die fünf wichtigsten globalen Risiken nach Wahrscheinlichkeit aufgelistet:

  • Zwischenstaatlicher Konflikt mit regionalen Konsequenzen (geopolitisches Risiko)
  • Extreme Wetterereignisse (Umweltrisiko)
  • Regierungskrisen (geopolitisches Risiko)
  • Staatszerfall oder Krisen (geopolitisches Risiko)
  • Hohe strukturelle Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung (wirtschaftliches Risiko)

Nachfolgend sind die fünf wichtigsten globalen Risiken nach Auswirkung aufgelistet:

  • Wasserkrisen (gesellschaftliches Risiko)
  • Schnelle und massive Ausbreitung von Infektionskrankheiten (gesellschaftliches Risiko)
  • Massenvernichtungswaffen (geopolitisches Risiko)
  • Zwischenstaatlicher Konflikt mit regionalen Konsequenzen (geopolitisches Risiko)
  • Versagen bei der Anpassung an Klimaveränderungen (Umweltrisiko)

The Global Risks Landscape 2015 [Quelle: Global Risks Perception Survey 2014]

Download Global Risks 2015

[ Bildquelle: © Victoria - Fotolia.com ]


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