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Rasche Drosselung der EZB-Anleihekäufe

Geldpolitisch vom Gas gehen

Redaktion RiskNET16.10.2017, 09:11

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat ein schnelles Ende der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank verlangt. Die gute wirtschaftliche Lage in der Eurozone müsse jetzt genutzt werden, sagte Weidmann in Washington bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) während der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds. "Insofern sehe ich nicht die Notwendigkeit, ständig geldpolitisch Gas zu geben", sagte der Notenbanker in Washington.

Auch nach dem Auslaufen der Nettokäufe werde die Geldpolitik expansiv bleiben, so Weidmann. Er und seine Gouverneurskollegen der Zentralbanken der Euroländer kommen Ende des Monats zur nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. An den Märkten wird erwartet, dass die Zentralbanker eine Drosselung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro beschließen werden. Es gehe nun darum, betonte Weidmann, "das Gaspedal nicht ständig durchzutreten".

Der Bundesbankchef fordert schon länger eine langsame Normalisierung der Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi gilt als sein Gegenspieler und Herold einer ultra-lockeren Geldpolitik. Die Bundesbank stört, dass Draghi die italienischen Wahlen abwarten könnte, die die Euroskeptiker stärken und Italien in eine politische Krise stürzen könnte.

Auch Finanzminister Schäuble hält es für notwendig, die Liquidität im internationalen Finanzsystem zu reduzieren. "Da haben wir schon massiv darauf gedrungen, dieses Übermaß an Verschuldung und Liquidität zu verringern", sagte Schäuble nach Beratungen im Kreis der Finanzminister. Schließlich brauche man in der nächsten Wirtschaftskrise noch Mittel, um diese bekämpfen zu können.

[ Bildquelle: © Björn Wylezich - Fotolia.com ]


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