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Outright Monetary Transaction

EZB verteidigt die geplanten Staatsanleihekäufe

Redaktion RiskNET17.09.2012, 10:04

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Notwendigkeit der geplanten Staatsanleihekäufe verteidigt. In ihrem aktuellen Monatsbericht erläutert sie, wie hohe Staatsanleiherenditen in einigen Ländern dazu führen, dass Kreditzinsen trotz sinkender Leitzinsen steigen. Das betrachtet sie als eine Störung ihres geldpolitischen Signals. Sie will deshalb Staatsanleihen der betroffenen Länder kaufen und durch die so erzeugte künstliche Nachfrage die Anleihezinsen senken. Dadurch, so ihr Kalkül, würden auch die Kreditzinsen für Unternehmen zurückgehen.

Allerdings kaufen manche Volkswirte und Politiker - besonders in Deutschland - EZB-Präsident Mario Draghi diese Geschichte nicht ab. Sie sind der Meinung, dass niedrigere Anleihezinsen vor allem den betroffenen Staaten zugute kämen, weil sie deren Refinanzierungskosten senken würden. Und Staatsfinanzierung ist der EZB vertraglich verboten. Nun hat auch noch das Bundesverfassungsgericht angekündigt, die Rechtmäßigkeit der EZB-Pläne bis Dezember zu prüfen. Wie also begründet die EZB ihre Programm für Outright Monetary Transaction (OMT) genau?

Die EZB nennt insgesamt vier Wege, auf denen hohe Staatsanleiherenditen zu unangemessen hohen Kreditzinsen führen: Verfestigen sich Befürchtungen, dass ungünstige Entwicklungen den Staatssektor beeinträchtigen, dann bewirkt dies aus Sicht der EZB erstens, dass sich negative Erwartungen hinsichtlich der Finanzierungsbedingungen von Banken und Kreditnehmern einstellen.

Zweitens stünden Banken im Privatkundengeschäft bei der Verzinsung von Kundeneinlagen und Anleihen in Konkurrenz zu den hoch verzinsten Staatsanleihen und Schatzwechseln. "Dies treibt ihre Refinanzierungskosten in die Höhe", merkt die EZB an.

Drittens werden bei besicherten Interbankenkrediten in der Regel Staatsanleihen als Sicherheiten verwendet. Aus diesem Grund lassen Spannungen an den Staatsanleihemärkten die Sicherheitenbasis der Banken schrumpfen und beeinträchtigen somit ihren Zugang zu Liquidität. Viertens bewirken Wertminderungen bei den Staatsanleiheportfolios eine Verschlechterung der Bankbilanzen.

In der Folge wird laut EZB die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe erheblich eingeschränkt, was negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft habe. Das wiederum mindert die Qualität der Bankaktiva. Die Spannungen spiegeln sich im Anstieg der CDS von Banken im Eurogebiet wider und kommen auch darin zum Ausdruck, dass sich der Zugang der Banken zu Refinanzierungsmitteln in einigen Euro-Ländern zunehmend schwieriger gestaltet.

Die EZB verweist in ihrem Bericht darauf, dass die Bankkreditzinsen in den Euro-Ländern auf die Zinssenkungen zwischen Oktober 2011 und Juli 2012 uneinheitlich reagiert hätten. So wurden ohnehin schon niedrige Zinsen für Unternehmenskredite noch weiter gesenkt, während ohnehin schon hohe Zinsen weiter stiegen. Dies deutet nach Aussage der EZB darauf hin, dass der geldpolitische Kurs nicht angemessen übertragen wird.

"Das zentrale Element der OMTs besteht darin, die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft besser mit den Leitzinsen der EZB in Einklang zu bringen", fasst die EZB ihre Intentionen zusammen. Die OMT's versetzten das Eurosystem in die Lage, gegen schwere Verwerfungen an den Staatsanleihemärkten vorzugehen, die "insbesondere auf unbegründete Ängste seitens der Anleger bezüglich der Reversibilität des Euro" zurückzuführen seien.

 

[Bildquelle: © asrawolf - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

MArkus/18.09.2012 12:51
"...Die EZB nennt insgesamt vier Wege, auf denen hohe Staatsanleiherenditen zu unangemessen hohen Kreditzinsen führen..."

1) negative Erwartungen:

lass ich noch gelten

2) Verzinsung des Privatkundengeschäft in Konkurrenz zu den hoch verzinsten Staatsanleihen und Schatzwechseln:

Soll jetzt jeder Kredit auf die Maximalrendite von Staatsanleihen gebenchmarkt werden???

3) Drittens werden bei besicherten Interbankenkrediten in der Regel Staatsanleihen als Sicherheiten verwendet. Aus diesem Grund lassen Spannungen an den Staatsanleihemärkten die Sicherheitenbasis der Banken schrumpfen und beeinträchtigen somit ihren Zugang zu Liquidität

Bei mehr Eigenkapital wäre die Situation nicht so dramatisch: EKQ-25%

4) Viertens bewirken Wertminderungen bei den Staatsanleiheportfolios eine Verschlechterung der Bankbilanzen.

Siehe Punkt 3

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Im Prinzip hat die Perversion des Finanzmärkte mittlerweile eines neues Allzeithoch erreicht:

Das Stichwort lautet - Regulations-Arbitrage:

Während man in guten Zeiten an den Zinsen prächtig verdient - ist man im Default-Fall nicht bereit die Verluste zu tragen.

--- Too-Big-To-Fail oder die wahrscheinlich größte Lüge seit Hitler !!!----

Also drucken wir (Steuerzahler) Euros um die Staatsfinanzierung zu übernehmen - während sich die Finanzindustrie mit hohen Kreditkonditionen wieder die Taschen voll macht.

Die Nullzinspolitik der FED, EZB usw. hat keinen positiven Effekt auf die Realwirtschaft. Man MÜSSTE die Vergabe von Niedrig-Zinsen an Bedingungen knöpfen, die zum einen die Binnennachfrage stärken (das sind dann leider auch Konsumkredite - also höhere Inflation) und man MUSS den Einlagerungszins erhöhen. Welche Logik hat es, wenn die EZB unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellt - diese aber postwendend von den Banken zurückgegeben wird mir der Begründung - die Geschäftsmodelle die Kredite benötigen sind uns zu riskant - also lassen wir es.

Ausserdem sind die Banken nicht bereit mit dem BILLIGEN Geld Staatsanleihen zu kaufen - weil man ja höhere Eigenmittel zurücklegen muss.

Das schmälert die EK-Rendite und sonstige WP-UB-Hype-Kennzahlen - weil der Vorstand aber an diesen Kennzahlen gemessen(d.h. bezahlt) wird - darf man sich
fragen ob dieses System noch lange bestand haben wird....

"... So wurden ohnehin schon niedrige Zinsen für Unternehmenskredite noch weiter gesenkt, während ohnehin schon hohe Zinsen weiter stiegen. Dies deutet nach Aussage der EZB darauf hin, dass der geldpolitische Kurs nicht angemessen übertragen wird..."

Auch sind Unternehmen, die einen vertretbaren Zugang zu Krediten haben nicht bereit ihr stabiles Geschäftsmodell über den Haufen zu werfen (in Sinne von: auf zu neuen Ufern/Märkten/Zielgruppen usw. ) nur weil es jetzt günstig Kreidte gibt.


"...Das zentrale Element der OMTs besteht darin, die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft besser mit den Leitzinsen der EZB in Einklang zu bringen..."

Und das bedeutet:

ZINSEN ERHÖHEN !!!!!

Wenn niedrige Zinsen zu steigenden Zinsen für die Realwirtschaft führen - müssten steigende Zinsen die aufschläge senken......

Mal sehen wer den Fehler findet .... Hoffentlich auch jemand von der EZB

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