News

EZB: Erhöhte Wachsamkeit bei Risiken

Frank Romeike [Redaktion RiskNET]18.06.2007, 16:10

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt dem europäischen Finanzsektor ein gutes Zeugnis aus und weist in einer aktuellen Analyse darauf hin, dass das  Finanzsystem des Euroraums als solide bewertet wird. In dem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht der EZB wird darauf hingewiesen, dass die Marktturbulenzen im Februar und März die Widerstandsfähigkeit des Systems zum dritten Mal innerhalb eines Jahres getestet hätten und die daraus resultierenden Volatilitäten der Finanzmärkte gut absorbiert wurden. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos wies bei der Vorstellung des Berichts darauf hin, dass diverse Risiken weiterhin existierten würden und einige hinsichtlich Relevanz sogar gewachsen seien. Es gebe keinen Spielraum für Selbstzufriedenheit, sagte er.

Systemische Risiken können Finanzsystem schädigen

Die Verwundbarkeit des Finanzsystems kann nach Ansicht des EZB-Vizepräsidenten durch einen abrupten und massiven Rückgang der Marktliquidität infolge einer vorsichtigeren Risikoeinschätzung induziert werden. So können etwa Zahlungsschwierigkeiten bei einem großen Unternehmen oder mehrerer Finanzdienstleister am Anfang einer Kettenreaktion stehen. Die EZB weist auch darauf hin, dass die hohe Verschuldung im Unternehmenssektor primär auf die Aktivitäten von neuen Akteuren, wie Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften zurückzuführen sei. In der Folge würden auch verstärkt Kreditrisiken in andere Teile des Finanzsystems transferiert. Die Frage sei, wie die verschiedenen Teilnehmer derartiger Transaktionen auf eine Wende im Kreditzyklus reagieren würden.

Adäquate Risikomanagement-Systeme gefordert

Eine abrupte Auflösung der globalen Leistungsbilanzungleichgewichte (siehe USA) stellt nach Ansicht der EZB zumindest mittelfristig ein Risiko für die Finanzstabilität dar. Allerdings schätzt Papademos die Wahrscheinlichkeit für ein derartiges Ereignis als eher gering ein. Sollte es dennoch eintreten, so würden die Risiko-Management-Systeme einiger wichtiger Akteure einem harten Test unterzogen. Eine wichtige Botschaft an die Finanzmarktakteure lautet daher: Nur mit einem adäquaten Risikomanagement-System kann man sich auf mögliche Turbulenzen vorbereiten. Die EZB wies außerdem darauf hin, dass zur Zeit der wichtigste Stabilisierungsfaktor des Finanzsystems die hohe Finanzmarktliquidität darstellt. In diesem Kontext wächst auch der Markt für „Credit Risk Transfers“ (CRT). Die EZB weist aber auch darauf hin, dass eine Risikoaversion der Markteilnehmer dazu führen könnte, dass Liquidität knapper würde und in der Folge die Risiken zunehmen würden.  Betroffen wären auf der einen Seite Banken, aber auf der anderen Seite auch Anleihe-Emittenten sowie Hedgefonds, die als Käufer von „schlechten“ Risiken am Markt agieren.

Verhaltenskodex für Hedgefonds gefordert

Der EZB-Vizepräsident sprach sich für einen Verhaltskodex in der Hedgefonds-Branche aus. Er wies auf die aus den Aktivitäten der Hedgefonds resultierenden systemischen Risiken hin. Diese Einschätzung resultiere vor allem aus Daten, die auf Überkapazitäten und in den vergangenen Jahren gesunkene profitable Investitionsmöglichkeiten hindeuteten. Papademos wies in diesem Kontext auf die rückläufigen Durchschnittsrenditen der Hedgefonds hin.




Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...

Interview

IDW PS 981

Licht und Schatten im Risikomanagement

Redaktion RiskNET28.08.2017, 08:19

Die jüngst veröffentlichte "Risikomanagement Benchmarkstudie 2017" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass viele...

Kolumne

Struktur des Unternehmens-Risikomanagements

Synergien im Risikomanagement schaffen

Bruno Brühwiler01.08.2017, 07:30

Wenn mehrere Personen über den Inhalt von Risikomanagement in komplexeren Organisationen diskutieren, entsteht schnell ein Konsens über die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses...

Interview

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Krisen sind das beste "Resilienztraining"

Redaktion RiskNET23.07.2017, 06:30

Ingenieure sprechen von einem resilienten System, wenn bei einem Teilausfall nicht alle technischen Systeme vollständig versagen. Ein Ökosystem gilt dann als resilient, wenn es nach einer Störung zum...

Interview

Länderrisiken und geopolitische Risiken

Nicht Vollkasko, sondern steuerndes Risikomanagement

Redaktion RiskNET13.07.2017, 08:45

Länderrisiken und geopolitische Risiken sind in der Finanz- und Versicherungsbranche mittlerweile ein wichtiger Bestandteil von Analysen. Wie generiert, verarbeitet und analysiert Coface diese Daten?...