EZB senkt Leitzins auf 0,05 Prozent

EZB befeuert das Risiko neuer Krisen

Redaktion RiskNET05.09.2014, 07:33

Der frühere Bundesbankpräsident und heutige Chef der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, hat in einem Interview mit dem Handelsblatt vor unkalkulierbaren Risiken im Zusammenhang mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewarnt. Das Rettungsversprechen der EZB ("What ever it takes") befindet sich seiner Meinung nach im Grenzbereich zur Finanzpolitik. Die derzeitige Politik bewege sich, so Weber, "im problematischen Bereich der impliziten Staatsfinanzierung". Axel Weber weist darauf hin, dass die EZB die Haftung sozialisiert Das Risiko neuer Krisen sei gravierend, sagt er. "Eine generelle Haftung der Euro-Zone wird über die Bilanz der EZB institutionalisiert, die in dieser Form eigentlich den nationalen Parlamenten zur Abstimmung vorgelegt werden müsste", so Weber weiter.

Auch der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die überraschende Entscheidung der Europäischen Zentralbank zur Zinssenkung von 0,15 auf 0,05 Prozent für wirkungslos. "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun", sagte Sinn.

"Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zu Lasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten."  

Erst gestern hat die EZB den Leitzins noch einmal und eher unerwartet gesenkt. Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, wurde um 0,1 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 0,05 Prozent herabgesetzt. Kreditinstitute, die Geld kurzfristig bei der Notenbank parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen künftig einen Strafzins von 0,2 statt bisher 0,1 Prozent bezahlen. Mit diesem Schritt beabsichtigt die EZB die lahmende Wirtschaft in Europa über billiges Geld und eine verstärkte Investitionstätigkeit anzukurbeln.

[ Bildquelle: © M. Schuppich - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Verwandte Themengebiete

Themenverwandte Artikel

Interview

Mundus vult decipi

Was tun mit Fake News?

Redaktion RiskNET06.06.2018, 14:24

Wahrheit oder Lüge? Wer kann das in unseren digitalen Zeiten noch beantworten? Umso wichtiger sind klare Parameter und ein methodisch sauberes Vorgehen, um Fake News zu enttarnen. Dafür plädiert...

Kolumne

Machine Learning-basierte Klassifikation von Marktphasen

Krisen frühzeitig identifizieren

Dimitrios Geromichalos [RiskDataScience]23.05.2018, 12:30

Wie in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden konnte, verhalten sich Märkte oftmals irrational und zeichnen sich – neben dem "Normal-Zustand" – durch Phasen im Krisen- und...

Kolumne

Geopolitik und Ökonomie

Über den Einfluss politischer Krisen

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.16.05.2018, 11:45

Mehr als sonst ist in den Börsenkommentaren in diesem Jahr nicht nur von ökonomischen Faktoren die Rede. Immer mehr Raum wird den politischen Krisenherden in der Welt eingeräumt. Da geht es um Iran...

Kolumne

CFO Survey Frühjahr 2018

Fachkräftemangel und Protektionismus dominieren Risikolandkarte

Redaktion RiskNET11.05.2018, 14:32

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen sowie...

Studie

Länderrisken im Überblick

Risikoweltkarte 2018

Redaktion RiskNET03.05.2018, 11:06

Das Feilschen um die von den USA angedrohten Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Europäischen Union sind nur eine Ursache für die zunehmende Volatilität von Länderrisiken. Für Günther Schmid,...