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Negative Auswirkungen der Krise halten an

Europa bei Insolvenzen zweigeteilt

Redaktion RiskNET20.05.2014, 17:13

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa bleibt fünf Jahre nach Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2013 wurden in den EU-15-Ländern zuzüglich Norwegen und der Schweiz insgesamt 192.340 Insolvenzen registriert. Das ist ein leichter Anstieg um 1,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2012 (190.161 Insolvenzen).

Deutlich mehr Insolvenzen waren in Norwegen (plus 19,7 Prozent; 4.564 Fälle) sowie in Italien (plus 15,9 Prozent; 14.272 Fälle) und Spanien (plus 14,6 Prozent; 8.934 Fälle) zu verzeichnen. Auch in Belgien (plus 10,9 Prozent; 11.740 Fälle) und den Niederlanden (plus 9,7 Prozent; 9.456 Fälle) stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich stark an.

Eine positive Entwicklung gab es in insgesamt acht europäischen Ländern. Besonders markant verringerte sich die Zahl der Insolvenzen in Irland (minus 18,9 Prozent). Noch 1.365 Fälle waren zu verzeichnen – der niedrigste Stand seit 2009. Mit Deutschland (minus 9,1 Prozent; 26.120 Fälle) und Großbritannien (minus 9,9 Prozent; 16.013 Fälle) war das Insolvenzgeschehen auch in zwei großen EU-Ländern deutlich rückläufig. In Frankreich gab es hingegen einen leichten Zuwachs (plus 2,1 Prozent auf 60.787 Fälle).

Der Anteil der sogenannten GIIPS-Staaten (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien) an allen Unternehmensinsolvenzen hat sich zwischen 2007 und 2013 von 7,2 auf 17,8 Prozent deutlich ausgeweitet. Unternehmen aus Deutschland machen dagegen nur noch 13,6 Prozent aller Insolvenzen in Westeuropa aus. 2007 betrug der Anteil noch 22,3 Prozent.

Mehr Insolvenzen in der Industrie und im Handel

Unterteilt nach Hauptwirtschaftsbereichen zeigt sich ein differenziertes Bild: Im Handel zuzüglich Gastgewerbe (plus 4,0 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (plus 10,6 Prozent) waren Zuwächse bei den Insolvenzen festzustellen. Weiter beruhigt hat sich das Insolvenzgeschehen dagegen im Baugewerbe sowie im Dienstleistungssektor. Hier war jeweils ein Rückgang der Zahl der Insolvenzen zu verzeichnen (minus 1,1 bzw. minus 2,4 Prozent). Insgesamt entfällt noch etwa gut ein Fünftel aller Insolvenzen (20,8 Prozent) auf das Baugewerbe. Handel und Gastgewerbe machen mittlerweile knapp ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen aus (32,4 Prozent). In Westeuropa waren somit rund 40.000 Insolvenzen im Baugewerbe und etwa 69.000 im Dienstleistungssektor zu verzeichnen.



GIIPS-Länder: Stabilität der Unternehmen bedroht

Die finanzielle Stabilität vieler Unternehmen in Westeuropa hat sich eher verschlechtert. Mehr als die Hälfte weist eine sehr niedrige (EBIT-Marge maximal 5,0 Prozent) bzw. negative Gewinnmarge auf (56,9 Prozent der Unternehmen; Vorjahr: 52,3 Prozent). Bei den Eigenkapitalquoten zeigt sich eine deutliche Spreizung zwischen finanzschwachen Unternehmen auf der einen Seite und solide finanzierten Unternehmen auf der anderen Seite. So weist ein Viertel der westeuropäischen Unternehmen (25,0 Prozent) eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent auf, während 40,1 Prozent der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent haben. Diese Entwicklung hat sich zuletzt verfestigt. In den GIIPS-Staaten ist ein vergleichsweise hoher Anteil der Unternehmen schlecht mit Eigenkapital ausgestattet. Bei fast jedem dritten Unternehmen (30,2 Prozent) liegt die Eigenkapitalquote unter zehn Prozent.

Bis eine Forderung realisiert werden kann, dauert es in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich lange. Die Forderungslaufzeit liegt in Deutschland im Durchschnitt bei 26,5 Tagen. In Skandinavien sind es durchschnittlich 32,4 Tage. Dagegen werden Rechnungen in den GIIPS-Ländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien im Durchschnitt erst nach 83,0 Tagen beglichen. Die liquiditätsbelastende Wirkung dieser langen Zahlungsfristen müssen vor allem Exporteure beachten.

Auch in Osteuropa mehr Pleiten – leichte Entspannung in der Ukraine und Russland

In den osteuropäischen Ländern, zu denen Daten vorliegen, wurden im Jahr 2013 insgesamt 100.984 Unternehmensinsolvenzen gezählt (2012: 97.169 Fälle). Der Anstieg war mit plus 3,9 Prozent etwas stärker als in Westeuropa. Deutlich mehr Insolvenzen waren in Bulgarien (plus 221,7 Prozent), in Slowenien (plus 58,2 Prozent) sowie in Tschechien (plus 33,7 Prozent) zu verzeichnen. Hohe Arbeitslosigkeit und ein schwacher privater Konsum belasten. Viele Volkswirtschaften stagnierten oder schrumpften 2013. Weniger Insolvenzen als im Vorjahr gab es in Estland (minus 7,3 Prozent) und Lettland (minus 7,2 Prozent).

In Russland sank die Zahl der behandelten Insolvenzverfahren im Jahr 2013 um 6,6 Prozent auf 13.144 Fälle, allerdings kommt hier noch eine hohe fünfstellige Zahl an Insolvenz-Anmeldungen hinzu, die in den kommenden Jahren abzuwickeln sind. In der Ukraine gab es 8.811 Unternehmensinsolvenzen – ein Rückgang um rund ein Viertel gegenüber 2012. Inwieweit die aktuelle Krise dort zu einer Belastung für die Bestandsfestigkeit der Unternehmen führt, muss abgewartet werden. Auf den Handel entfallen in Osteuropa 40,4 Prozent des gesamten Insolvenzaufkommens, gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 32,7 Prozent und dem Baugewerbe mit 14,4 Prozent.

USA nicht mehr in der Krise

In den Vereinigten Staaten ist eine merkliche Entspannung festzustellen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank auf den niedrigsten Stand seit 2007. 33.212 Fälle wurden 2013 registriert. Das entspricht einem Rückgang um 17,1 Prozent gegenüber 2012 (40.075 Fälle). Nach dem Höchststand im Jahre 2009 (60.837 Fälle) ist die Zahl der US-Unternehmenspleiten um fast die Hälfte zurückgegangen, auch weil sich die wirtschaftliche Lage wieder deutlich gefestigt hat.

 

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Kommentare zu diesem Beitrag

RiskNET Redaktion/23.05.2014 06:52
+++ Deutsche Wirtschaft brummt auch im Mai +++
Die deutsche Wirtschaft hat im Mai im Zuge eines kräftigen Auftragseingangs unverändert gebrummt. Besonders gut liefen dabei die Geschäfte im Service-Sektor, während sich das Expansionstempo in der Industrie etwas verlangsamte.
Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes sank auf 52,9 Zähler von 54,1 im Vormonat und verzeichnete damit den tiefsten Stand seit sechs Monaten, wie der Datendienstleister Markit Economics im Rahmen der ersten Veröffentlichung mitteilte. Volkswirte hatten im Mittel einen geringeren Rückgang auf 54,0 Zähler prognostiziert.

Der Index für den Servicesektor kletterte überraschend auf 56,4 Punkte von 54,7 im Vormonat. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 54,4 erwartet.
Der aggregierte Sammelindex, der auf dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe und dem Index des Dienstleistungsbereichs basiert, blieb mit 56,1 Zählern auf dem Vormonatsniveau.

Damit liegen die Indizes alle deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Sie zeigen damit eine Expansion des Sektors an, Stände darunter deuten eine Kontraktion. Die Ergebnisse basieren auf der monatlichen Befragung von rund 1.000 Einkaufsleitern und Geschäftsführern aus Industrie und Dienstleistung in Deutschland.

Nach den Worten von Markit-Ökonom Oliver Kolodseike haben sich die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft im Mai weiter verbessert. "Der gute Geschäftsverlauf hat sich mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen, wo es zum stärksten Jobaufbau seit Ende 2011 kam", sagte er. In der Industrie habe sich das Wachstum nach einem wetterbedingten Boom zum Jahresanfang leicht abgeschwächt, was jedoch dem verbreitet starken Aufschwung keinerlei Abbruch tue.

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