Studie

Political Risk Map 2015

Eine Welt in Unordnung

Redaktion RiskNET02.02.2015, 19:03

Die Political Risk Map 2015 und der zugehörige Bericht "Growing political risk in the year ahead and beyond" von Marsh, einem weltweit tätigen Industrieversicherungsmakler und Risikoberater, machen deutlich, wie die Zunahme der geopolitischen Spannungen, politisch motivierter Gewalt und innerstaatlicher Konflikte in Kombination mit sinkenden Rohstoffpreisen die politischen Risiken verschärft und welche Herausforderung dies für international agierende Unternehmen darstellt.

Basierend auf Daten von Business Monitor International (BMI), einem in der Erstellung unabhängiger Analysen zu Länder- und Kreditrisiken führenden Unternehmen der Fitch Group, enthält die aktuelle Political Risk Map von Marsh Auswertungen des Gesamtrisikos für 185 Länder. Die Risiken sind dabei in drei Kategorien unterteilt: Politische Risiken, makroökonomische Risiken und operationelle Risiken.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Berichts gehören die potenziellen Auswirkungen sinkender Rohölpreise auf ölexportierende Länder. Während niedrigere Ölpreise vielen ölimportierenden Ländern und der Weltwirtschaft insgesamt zugutekommen können, wird sich eine längere Schwächephase auf Länder, die auf Einnahmen aus dem Ölexport zum Ausgleich ihrer Staatshaushalte angewiesen sind, möglicherweise negativ auswirken. So stuft BMI für die Länder Angola, Tschad, Äquatorialguinea, Iran und Venezuela das Risiko einer weiteren Verschlechterung ihres politischen Risikoprofils für den Fall eines anhaltenden Ölpreisverfalls als "hoch" ein.

Political Risk Map 2015 [Quelle: Marsh]

Political Risk Map 2015 [Quelle: Marsh Risk Management Research]

In Nahost und Nordafrika, der Ukraine, in Thailand und Hongkong gab dem Bericht zufolge zudem politisch motivierte Gewalt Anlass zu Sorge. Auch in anderen Regionen könnte es 2015 zu Unruhen und Gewalt kommen. Dies gilt insbesondere für Länder, in denen die Besorgnis der Bevölkerung über die Wirtschaftslage wächst und/oder alternde Machthaber seit langem die politischen und wirtschaftlichen Geschicke lenken.

"Zu den bemerkenswerteren Trends der letzten Jahre gehört die klare Abgrenzung zwischen Schwellenländern mit und ohne attraktivem Investitionsumfeld für international tätige Unternehmen", sagt Yoel Sano, Head of Global Political and Security Risk bei BMI. "So bergen China, Indien und Indonesien dank sinnvoller politischer und wirtschaftlicher Reformen ein erhebliches Potenzial für ausländische Investoren, während die Lage in Russland – unter anderem wegen der Annexion der Krim und der daraus resultierenden Wirtschaftssanktionen durch die USA und andere westliche Staaten – unverändert problematisch ist. Auch in Bezug auf Brasilien und Südafrika ist Skepsis angebracht."

"Das politische Risiko dürfte auch 2015 in vielen Teilen der Welt auf hohem Niveau verharren. Daher sollten sich Unternehmen mit internationalem Engagement auf die wichtigsten Einflussfaktoren für die Länder und Regionen, in denen sie tätig sind, vorbereiten und ein vorausschauendes Risikomanagement betreiben. Nur so gelingt es ihnen, umfassende Pläne zum Umgang mit den verschiedensten Risiken zu entwickeln, um ihre strategischen Interessen sowie Investitionen zu schützen", sagt Tobias Federkeil, Experte für politische Risiken bei Marsh. Wie schnell sich politische Krisen zu einem Geschäftsrisiko entwickeln können, haben viele deutsche Unternehmen erst jüngst im Russland-Ukraine-Konflikt erfahren. "Die Möglichkeiten, sich über den Versicherungsmarkt gegen politische Risiken abzusichern, sind gut; Kapazitäten sind vorhanden und Deckungen werden typischerweise mit mehrjährigen und unkündbaren Laufzeiten angeboten – sofern die Krise noch nicht akut ist."

Auch wenn für die meisten Unternehmen das Hauptaugenmerk auf das vor uns liegende Jahr gerichtet ist, sollten sie daher ihre Risiken langfristig betrachten. Der Bericht zeigt unter anderem auf, dass 2017 viele Weichen für politische Entwicklungen gestellt werden. So tritt im Januar 2017 ein neuer US-Präsident sein Amt an, in Großbritannien kommt es möglicherweise zum Referendum über die EU-Mitgliedschaft, und in Frankreich, Deutschland, Hongkong, Iran, Südkorea und anderen Ländern finden Wahlen statt, deren Ausgang die regionale politische Landschaft beeinflussen wird.

Download Political Risk Map 2015

[ Bildquelle: © ProMotion - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Garantenpflicht

Haftung eines Risikomanagers

Redaktion RiskNET16.07.2018, 19:30

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom 17.07.2009 (Az 5 StR 394/08) einen Leiter einer Rechtsabteilung und Revision wegen Beihilfe zum Betrug durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von...

Studie

Qualitative Evaluationsstudie

Risikomodellierung, Predictive Analytics und Big Data

Frank Romeike | Stefan Trummer19.06.2018, 08:07

Das Banken- und Versicherungsumfeld ist seit vielen Jahren im Umbruch. Dazu haben in nicht unerheblichem Maße die Aufsichtsbehörden und Standardsetter beigetragen. Wurden bis Mitte der 2000er...

Interview

Mundus vult decipi

Was tun mit Fake News?

Redaktion RiskNET06.06.2018, 14:24

Wahrheit oder Lüge? Wer kann das in unseren digitalen Zeiten noch beantworten? Umso wichtiger sind klare Parameter und ein methodisch sauberes Vorgehen, um Fake News zu enttarnen. Dafür plädiert...

Kolumne

Machine Learning-basierte Klassifikation von Marktphasen

Krisen frühzeitig identifizieren

Dimitrios Geromichalos [RiskDataScience]23.05.2018, 12:30

Wie in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden konnte, verhalten sich Märkte oftmals irrational und zeichnen sich – neben dem "Normal-Zustand" – durch Phasen im Krisen- und...

Kolumne

Geopolitik und Ökonomie

Über den Einfluss politischer Krisen

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.16.05.2018, 11:45

Mehr als sonst ist in den Börsenkommentaren in diesem Jahr nicht nur von ökonomischen Faktoren die Rede. Immer mehr Raum wird den politischen Krisenherden in der Welt eingeräumt. Da geht es um Iran...