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Gegen Insellösungen und für ein Frühwarnsystem

Ein Rückspiegel engt die Sicht ein …

Redaktion RiskNET [ae]25.10.2013, 07:52

Ein Risikomanager ist so etwas wie der kontrolliert handelnde Unternehmer und Optimist in einer Welt voller Risiken und Chancen. Entscheidend ist nach den Worten von Frank Romeike, international anerkannter Risikomanagementexperte und Geschäftsführer der RiskNET GmbH, dass auch Optimisten an Prävention Interesse haben und als Unternehmer risikobewusst und kontrolliert handeln. Im Klartext: Vorbeugen ist besser als heilen. Nach den Turbulenzen in den vergangen Jahren sowie den Erfahrungen der diversen Katastrophen sollte bei allen Beteiligten die Erkenntnis gereift sein, dass Prävention in Form eines Risiko- und Chancenmanagements zwar Geld kostet, sich am Ende aber doch rechnet und uns vor unliebsamen und auch kostenintensiven Katastrophen schützt oder sie zumindest abmildert. Dabei ist die Erkenntnis, dass Prävention vor Reaktion gestellt werden sollte, nicht neu. Von dem berühmtesten Arzt des Altertum, Hippokrates, ist das Zitat überliefert, dass Vorbeugen besser als heilen ist.

Von der Vorstellung des Nullrisikos und dem magischen Dreieck

Risiken im Unternehmensalltag lassen sich nicht komplett verhindern. Rolf Dobelli stellt dies als "The Zero-Risk Bias" (Null-Risiko-Fehler) im Buch "Die Kunst des klaren Denkens" dar und zieht das Fazit: "Verabschieden Sie sich von der Vorstellung des Nullrisikos. Lernen Sie damit zu leben, dass nichts sicher ist […]" Vielmehr geht es im Risikomanagement darum, bestehende Gefahren mithilfe organisatorischer sowie technischer Möglichkeiten zu verringern. Oder anders ausgedrückt: ohne Risiken keine Wertschöpfung. Aber bitte die richtigen Risiken!

Im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen Risiko, Wertschöpfung und Kapital als magisches Dreieck, mit dem jeder Unternehmenslenker zu kämpfen hat. Dieses zu durchbrechen und mithilfe des Substantiv Zukunft in ein magisches Quadrat zu verwandeln ist eine der wichtigsten Aufgaben im Risikomanagement. Das bedeutet, Risikomanagement in eine zukunftsgewandte Sicht zu verwandeln.

Ein Rückspiegel engt die Sicht ein …

… und führt zu einer reinen Risikobuchhaltung. Eine Prävention wird in diesem Kontext schwierig, da nur Ereignisse aus der Vergangenheit im Fokus stehen. Was passiert, wenn eine strategische und vorausschauende Sicht auf die Risiken ungenügend ausgeprägt ist, zeigen desaströse Großprojekte eindrücklich. Sei es das Missmanagement beim Flughafenprojekt Berlin-Brandenburg oder beim Wiener-Flughafenterminal "Check-in 3" (Skylink), infolge dessen Steuergelder verbrannt werden und das Image von Unternehmen, Projektleitern und Politikern mehr als ramponiert ist. Ergo geht es um die Betrachtung strategischer Risiken mithilfe moderner Methoden, um eine vorausschauende Risikomanagementsicht für die Gesamtorganisation zu erhalten. Und das in puncto einer systematischen sowie laufenden Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken und Chancen. In diesem Sinne spricht Samuel Brandstätter, Geschäftsführender Gesellschafter und CEO der avedos business solutions GmbH, von der Schwierigkeit vieler Großkonzerne, die komplexen und eng miteinander verzahnten Prozesse in einem Enterprise Risk Management abzubilden.

"Unternehmen brauchen Prozesssicherheit im Risikomanagement, suchen aber einen gewissen Freiheitsgrad und individuellen Handlungsspielraum", so Samuel Brandstätter zum Knackpunkt einer Risikomanagementeinführung mit Blick auf den Regelbetrieb.

Gegen Insellösungen und für ein Frühwarnsystem

Für den CEO des international tätigen Softwareherstellers im Bereich GRC-Lösungen (Governance, Risk und Compliance), geht es vor allem darum, dass Unternehmen Lösungen an die Hand bekommen, mit deren Hilfe sie sich flexibel auf neue Gegebenheiten einstellen. An dieser Nahtstelle zwischen Risikomanagement und Unternehmensplanung kann eine Softwareunterstützung einen klaren Mehrwert leisten.

"In der modernen Unternehmensführung braucht es Managementsysteme für die Entscheidungsfindung. Und hierbei können Lösungen im GRC-Umfeld einen wertvollen Beitrag leisten", so Samuel Brandstätter. Der Risk-Experte verweist allerdings darauf, dass in vielen Organisationen Insellösungen mit unterschiedlichen Tools bestehen. Das führt zu einem merklichen Mehraufwand im Management und dem Betrieb der Teillösungen – inklusive dem Fehlen eines zentralen Reportings. Um zu einem sinnstiftenden Mehrwert im GRC-Bereich zu kommen, ist eine Verknüpfung der Lösung in die Unternehmensplanung wichtig. Eine Software muss dies leisten können. Nur so entsteht ein Frühwarnsystem über den kompletten Risikomanagementprozess. Der Vorteil für Unternehmen liegt in einer strategischen und vorausschauenden Sicht auf Risiken und Chancen, statt eine rein operative Betrachtung und Risikobuchhaltung durchzuführen. Also zukunftsweisend oder Vorbeugen ist besser als heilen.


[Bildquelle: © Sergiy Serdyuk - Fotolia.com]



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