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Global Risks 2014 veröffentlicht

Ein Blick auf die globale Risikolandkarte 2014

Redaktion RiskNET16.01.2014, 14:15

Das chronische Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich ist nach Ansicht der Autoren der heute veröffentlichten Studie Global Risks 2014 ein wesentlicher Treiber für zukünftige Risiken. Die Einschätzung basiert auf einer Analyse von 700 Sachverständigen aus aller Welt.

In einer Vorschau auf die kommenden zehn Jahre beleuchtet der Bericht 31 Risiken von globaler Relevanz, die im Falle ihres Eintritts über ganze Länder und Industriezweige hinweg erheblichen ökonomischen Schaden anrichten könnten. Die Risiken sind unterteilt in fünf Kategorien: Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie. Innerhalb dieser Kategorien werden die Risiken anhand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichen Auswirkungen eingestuft.

Zu den Risiken mit der größten Eintrittswahrscheinlichkeit zählen vor allem extreme Wetterereignisse. Im Kontext der globalen Einkommensgefälle weisen sie die zweithöchste Wahrscheinlichkeit auf, weltweit systemische Erschütterungen zu verursachen. Dahinter folgen die Risiken Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Klimawandel und Cyber-Attacken.

Wo sehen die Experten die größte Bedrohung für Systeme und Länder?

Zu den Risiken mit den größten potenziellen monetären Auswirkungen zählen vor allem Krisen im Bereich der Staatshaushalte. Derartige Szenarien stehen unter den weltweiten Risiken, die in den kommenden zehn Jahren nach Expertenmeinung die größte Bedrohung für Systeme und Länder darstellen, an der Spitze. Umweltkrisen, Klimawandel und Wasserkrisen, folgen auf dieses wirtschaftliche Risiko an zweiter und dritter Stelle. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen den 4. Rang ein. An fünfter Stelle steht das technologische Risiko eines Zusammenbruchs der grundlegenden Informationsinfrastruktur.

Jedes im vorliegenden Bericht beleuchtete Risiko birgt das Potenzial, einen globalen Kollaps zu verursachen, so die Autoren. Die eigentliche Gefahr steckt aber im Umstand, dass diese Risiken miteinander komplex verknüpft sind und dadurch eine gesteigerte Wirkung entfalten können. Eine wirksame Risikosteuerung bedingt daher eine enge Kooperation zwischen unterschiedlichen Interessengruppen.

"Cybergeddon" in der Online-Welt

Der Bericht Global Risks 2014 bewertet nicht nur das Ausmaß, die Eintrittswahrscheinlichkeit und die potenziellen Auswirkungen dieser 31 globalen Risiken, sondern nimmt auch drei spezifische Themen näher unter die Lupe: Zum einen das immer größere Risiko eines "Cybergeddon" in der Online-Welt, die zunehmende Komplexität geopolitischer Risiken angesichts der Verlagerung von Macht und Einfluss hin zu einer multipolaren Welt, sowie Jugendarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.

Die immer bedeutendere Rolle, die das Internet bei der Erledigung grundlegender Aufgaben spielt, sowie die grenzenlose Ausbreitung internetfähiger Geräte sorgen gemäß dem Bericht dafür, dass das Risiko eines Systemversagens im Jahr 2014 jedes bisherige Ausmaß übersteigen wird. Aufgrund der jüngsten Enthüllungen über staatliche Überwachungsmaßnahmen hat die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft abgenommen, gemeinsam Governance-Modelle für den Umgang mit diesem Thema zu entwickeln. Als Folge davon könnte es zu einer Balkanisierung des Internets oder einem so genannten "Cybergeddon" kommen, also einer Situation, in der in erster Linie Hacker das Sagen haben und massive Funktionsstörungen an der Tagesordnung sind.

"Das Vertrauen in das Internet nimmt wegen Datenmissbrauchs, Hacking und Verletzung der Privatsphäre ab", erklärt Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer von Zurich Insurance Group. "Eine Fragmentierung des Internets wäre jedoch der falsche Ansatz, um dieses Problem zu lösen. Sie würde nur den Nutzen, den wir alle aus dem Internet ziehen, zerstören. Wir sollten uns nicht in unserem eigenen Garten einmauern, sondern dringend handeln und die nötigen Sicherheitsnormen erarbeiten, um Vertrauen zurückgewinnen."

Hohe Jugendarbeitslosigkeit als Brandherd für neue Risiken

Ein besonderes Augenmerk legt der Bericht auf die doppelte Herausforderung der verminderten Beschäftigungschancen bei gleichzeitig steigenden Bildungskosten für jene Menschen, die im aktuellen Jahrzehnt volljährig werden. In bestimmten Industriestaaten sind mehr als die Hälfte der jungen Menschen auf Arbeitssuche. Die informelle Beschäftigung in Entwicklungsregionen, wo 90 Prozent der jungen Menschen dieser Welt leben, nimmt zu.

Vor diesem Hintergrund zeigt der Bericht auch auf, mit welchen technologischen und anderen Maßnahmen dieses Risiko eingedämmt werden kann. David Cole, Group Chief Risk Officer der Swiss Re, führt hierzu aus: "Viele junge Leute stehen heute vor einem schwierigen Unterfangen: Infolge der Finanzkrise und Globalisierung sieht sich die jüngere Generation in den reifen Märkten mit immer geringeren Beschäftigungschancen konfrontiert, gleichzeitig muss sie aber die alternde Bevölkerung unterstützen. Obwohl die Schwellenländer mehr Arbeitsplätze bieten, verfügen die Arbeitskräfte dort noch nicht über die breit gefächerten Kenntnisse, die zur Erfüllung der Nachfrage erforderlich wären. Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir den Dialog mit den jungen Menschen aufnehmen und damit beginnen, Lösungen zu erarbeiten, um zweckmäßige Bildungssysteme, funktionierende Arbeitsmärkte, einen effizienten Wissensaustausch und jene nachhaltige Zukunft zu schaffen, auf die wir alle angewiesen sind."

Vier wesentliche Bedrohungen auf dem Radar

In der multipolaren Welt von heute gibt es im Wesentlichen vier Bedrohungen, von denen jede in den kommenden fünf bis zehn Jahren in unterschiedlichem Umfang massive Instabilität verursachen könnte:

  1. Unwägbarkeiten in den Schwellenländern: Die bedeutendsten Schwellenländer könnten unter gesellschaftlichem, politischem oder wirtschaftlichem Druck instabil werden.
  2. Politische und Handelskonflikte zwischen Ländern: Handel und Investitionen könnten zunehmend als geopolitisches Machtmittel eingesetzt werden, wodurch neue Krisenherde entstehen könnten.
  3. Ausbreitung von Konflikten niedrigen Niveaus: Solche Konflikte könnten durch technologischen Wandel und eine mangelnde Eingriffsbereitschaft bedeutender Mächte ausgelöst werden und sich unvermittelt zu einem ausgewachsenen Kriegszustand entwickeln.
  4. Langsamer Fortschritt in der Bewältigung weltweiter Herausforderungen: Die anhaltende Passivität in den Internationalen Organisationen könnte dazu führen, dass Umwelt- und Entwicklungsfragen von höchster weltweiter Bedeutung nicht wirksam angegangen werden.



Die Vollversion des Berichts ist abrufbar unter reports.weforum.org/global-risks-2014

 

 

 

[Bildquelle: © Stéphane Bidouze - Fotolia.com]

 

 



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