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Pharma, Energie und Logistik gelten als widerstandsfähig

Ein Blick auf die globale Branchen-Risikolandkarte

Redaktion RiskNET02.01.2013, 17:09

Die Bau und Metallindustrie sowie der Einzelhandel sind nach Ansicht des Kreditversicherers Coface die derzeit am stärksten mit Risiken behafteten Branchen. Im Mittelfeld, aber unter besonderer Beobachtung, stehen Lebensmittel, Automobil und Elektronik. Dagegen betrachtet die Coface Pharma, Energie und Logistik als stabil und widerstandsfähig. Im neuen vierteljährlichen Branchen-Panorama die Kreditrisikoexperten unterschiedliche Branchen in drei Regionen: Nordamerika, EU und asiatische Schwellenländer. Kriterien sind Umsatz, Finanzkraft und Kreditrisiko. In die Betrachtung beziehen die Coface-Ökonomen insbesondere die Zahlungserfahrungen mit Unternehmen ein. Diese werden von den Kreditprüfern im täglichen Kreditversicherungsgeschäft beobachtet und ausgewertet. Die wichtigsten Einflussfaktoren sind hierbei: Strategie der Wettbewerber in einer Branche, Kosteneffekte durch Rohstoffpreisveränderungen, Anpassungen an technologische Entwicklungen, steigenden Verbrauch und Nachfrage in den aufstrebenden Ländern.

Pharma, Energie und Logistik stark – Lebensmittel, Automobil und Elektronik belastet

Durch die globale Abschwächung und die nachlassende Dynamik im internationalen Handel geraten etliche Branchen unter Druck. Nur wenige bewegen sich auf einem durchschnittlichen Risikolevel. Als stark und widerstandsfähig bewertet Coface derzeit Pharma, Energie und Logistik. Die Pharmabranche profitiere von erhöhten Ausgaben für die Gesundheit. Der Energiesektor generiere profitablen Cashflow. See- und Luftfrachttransporteure verfolgten eine aktive Risikopolitik. Trotz ihrer eher weniger robusten Finanzlage sei ihr Kreditrisiko daher gering. Höhere Risiken sieht Coface im Lebensmittel-, Automobil- und Elektronikbereich. Während Lebensmittel und Automobil in den Regionen unterschiedlich reagierten, belaste den Elektroniksektor die gebremste Dynamik in China und die europäischen Rezession.

In den Branchen Bau, Metall und im Einzelhandel verzeichnet Coface häufige Zahlungsverzögerungen, besonders in Südeuropa. Diese Branchen stuft der Kreditversicherer deshalb als fragil ein. Der Bau ist immer abhängig von der Konjunktur in einer Region. In den USA ist ein leichter Trend zur Erholung erkennbar. In Europa bremsen die wirtschaftlichen Probleme weiter die Investitionsneigung der privaten und öffentlichen Haushalte. Ein Umschwung ist kurzfristig nicht erkennbar. In China wurden Maßnahmen gegen eine drohende Immobilienblase ergriffen. Anders stellt sich die Lage im Einzelhandel dar. Während sich die Schadenquote beim Kreditversicherer leicht positiv entwickelt, leidet die Branche vor allem unter dem eher verhaltenen privaten Konsum in den Industrieländern.

Stahlindustrie in China: Konsolidierung mit kurzfristigen Risiken

Die Stahlindustrie in China ist Symbol für die Verlagerung von Angebot und Nachfrage in die Emerging Countries. In nur zehn Jahren hat sich die Stahlproduktion stark nach Asien verlagert. Dort werden jetzt zwei Drittel des Stahls weltweit produziert. Gleichzeitig stieg in Asien der Stahlverbrauch, während er in Europa stark zurückging. Und die größten Stahlabnehmer-Branchen Automobil und Bau haben in Europa Probleme. China als jetzt größter Produzent und Abnehmer von Stahl wurde hart von der Abschwächung der Wirtschaft im Land selbst und bei den wichtigsten Handelspartnern getroffen. Die Überkapazitäten durch tausende Produzenten hat die Branche und Unternehmen anfällig gemacht für die aktuell verlangsamte Entwicklung. Die Regierung hat eine Restrukturierung eingeleitet mit dem Ziel mehr hochwertige Güter herzustellen und die Position des Landes an den internationalen Stahlmärkten zu verbessern. Kurzfristig sieht Coface in der Restrukturierungsphase ein erhöhtes Risiko für die Branche. Langfristig werde das Netzwerk der chinesischen Stahlfirmen aber eher gestärkt.

 

 

[Bildquelle: iStockPhoto]



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