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BER-Start könnte sich bis Frühjahr 2018 verzögern

Die unendliche Geschichte vom Risiko

Redaktion RiskNET13.08.2015, 09:26

Die Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg (BER) könnte sich laut einem Focus-Bericht um mehrere Monate bis ins Frühjahr 2018 verzögern. Die Insolvenzanmeldung des deutschen Anlagenbauers Imtech sei eine gute Gelegenheit, den ohnehin kaum noch einzuhaltenden Starttermin im Herbst 2017 zu verschieben, gibt das Nachrichtenmagazin in einem Vorabbericht vom Mittwoch die Einschätzung nicht näher benannter Experten wieder. Wie die Wirtschaftswoche ebenfalls vorab berichtet, gibt es durchaus Alternativen zu Imtech.

Focus berichtet, auf einer BER-Krisensitzung mit beteiligten Firmen am 10. August sei durchgesickert, dass Imtech noch einen Tag vor dem Insolvenzantrag, also am 5. August, bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) einen Nachtrag über 36 Millionen Euro für Verzögerungen am Bau, Mehraufwand und Vorhalten von Personal beantragt habe. Dies sei geplant gewesen, damit Imtech trotz Insolvenzanmeldung weiterbauen könne.

Imtech macht weiter

Der deutsche Anlagenbauer Imtech Deutschland GmbH & Co KG hatte am vergangenen Donnerstag Insolvenz beantragt. Daraufhin brach der Aktienkurs der niederländischen Mutter ein und es wurden Befürchtungen laut, dass sich die Eröffnung des Flughafens weiter verzögern könnte. Am Montag wurde indes mitgeteilt, dass die Arbeiten am Flughafen mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters fortgeführt würden.

Die Mitarbeiter sämtlicher Gewerke sowie die Subunternehmer hätten zugesagt, den Flughafenbau bis auf weiteres unverändert fortzuführen, erklärte Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt. "Ich werte das als großen und konstruktiven Vertrauensvorschuss in den Fortbestand von Imtech Deutschland", sagte er. Mit den zu erbringenden Leistungen liege Imtech derzeit voll im Zeitplan der vom BER vorgegebenen Meilensteine.

Angeblich Gespräche mit Caverion

Die Wirtschaftswoche berichtet unterdessen unter Berufung auf eine E-Mail von Airport-Chef Karsten Mühlenfeld an den Aufsichtsrat, dass Imtech nicht die einzige Wahl ist. "Die FBB hat bereits vor circa sieben Monaten Rahmenausschreibungen für Elektrotechnik-Leistungen (...) am BER gestartet", zitierte das Magazin aus der E-Mail, und weiter: "Wir haben einen rechtswirksamen Vertrag mit einem Rahmenvertragspartner abgeschlossen. Wir können also jederzeit Einzelbeauftragungen vornehmen." Bei dem entsprechenden Teilprojekt handelt es sich um Arbeiten an den Starkstromanlagen.

Auch bei den Leistungen der Sanitärtechnik, der Sprinklertechnik, der Wärme-, der Lüftungs- sowie der Kältetechnik für das Fluggastterminal setzt Mühlenfeld laut Wirtschaftswoche auf einen möglichen Alternativ-Partner. Für dieses Gewerk "gibt es eine gesamtschuldnerische Arge", eine Arbeitsgemeinschaft, "so dass wir hier - mit allen Schwierigkeiten durch den möglichen Wegfall von Imtech - die Arbeiten auch mit dem zweiten Arge-Partner Caverion weiterführen könnten. Hierzu gab es in der Vergangenheit bereits Gespräche."

Die Auswirkungen auf den Zeitverzug durch die Insolvenz der Baufirma Imtech könnten damit weniger dramatisch sein als befürchtet. Allerdings gibt Mühlenfeld dem Bericht zufolge in der E-Mail an den Aufsichtsrat zu: "Klar ist: Die Imtech-Insolvenz wird Auswirkungen auf den Bauablauf und unsere Meilensteinplanung haben."

Der BER befindet sich seit 2006 im Bau, die geplante Eröffnung scheiterte bislang an Bau- und Planungsmängeln. Gleichzeitig erhöhten sich die Kosten deutlich. Zuletzt wurde das zweite Halbjahr 2017 für die Inbetriebnahme ins Auge gefasst.

[ Bildquelle: © JumalaSika ltd - Fotolia.com ]


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