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Ölpreise, Wechselkurse und die Spätfolgen der Finanzkrise

Die Risikolandkarte des IWF

Redaktion RiskNET14.04.2015, 19:17

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass sich das Weltwirtschaftswachstum im laufenden und kommenden Jahr leicht beschleunigen wird. Begünstigt vom niedrigen Ölpreis und einer weltweit lockeren Geldpolitik soll das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 um 3,5 und 2016 um 3,8 Prozent wachsen. 2014 hatte die Weltwirtschaft um 3,4 Prozent zugelegt. Die Risiken für diese Prognose sind laut IWF überwiegend abwärts gerichtet, aber nicht mehr so ausgeprägt wie im Herbst 2014.

Gegenüber der im Januar veröffentlichten Prognose wurde die Voraussage für 2015 unverändert gelassen und die für 2016 um 0,1 Punkt angehoben. Hinter dieser leichten Anhebung stehen etwas pessimistischere Annahmen für einige Schwellenländer und Rohstoffexporteure und etwas höhere Prognosen für Industrieländer. Deutlich angehoben wurde die Wachstumsprognose für Indien, deutlich gesenkt die für Brasilien. Für Deutschland und die Eurozone erwartet der IWF etwas mehr Wachstum als zuvor, für die USA etwas weniger.

Belastet wird das weltweite Wachstum dagegen von den Spätfolgen der Finanzkrise: Einer hohen Verschuldung der privaten und öffentlichen Akteure, mangelnden Investitionen, schwachem Potenzialwachstum und einer ungünstigen demografischen Entwicklung.

Hauptprofiteure des niedrigeren Ölpreises sind die Industrieländer, deren Wachstum sich laut IWF von 1,8 Prozent im vergangenen auf 2,4 Prozent in diesem Jahr verstärken wird. In Prognosen liegt der erwartete Ölpreis derzeit um 40 Prozent unter dem im Oktober 2014 erwarteten Ölpreis.

Sollte sich dieser Rückgang bis 2020 auf 20 Prozent halbieren und dieser Effekt voll an die Endabnehmer durchgereicht werden, würde das die globale Wirtschaftsleistung für sich genommen um ein Prozent anheben. Der IWF rechnet damit, dass der Ölpreis von 51 US-Dollar 2015 auf 64 Dollar im Jahr 2017 steigen wird.

Ein weiterer kurzfristig wirksamer Faktor sind die Wechselkurse. Der IWF erwartet, dass vor allem die Eurozone und Japan von ihrem niedrigen Wechselkurs profitieren werden, China und die USA dagegen wechselkursbedingte Wachstumseinbußen erleiden werden.

Der IWF erhöhte seine Wachstumsprognosen für die Eurozone für 2015 und 2016 auf 1,5 (zuvor: 1,3) Prozent und 1,6 (1,4) Prozent, wobei für Deutschland 1,6 (1,3) und 1,7 (1,5) Prozent Wachstum erwartet werden. Die Prognosen für die USA senkte der IWF auf 3,1 (3,6) und 3,1 (3,3) Prozent. Für China werden unverändert 6,8 und 6,3 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet.

Dagegen hob der IWF seine Voraussagen für Indien auf 7,5 (6,3) und 7,5 (6,5) Prozent an. Brasiliens Wirtschaft soll dagegen 2015 um ein Prozent schrumpfen, nachdem zuvor 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet worden waren. Die Wachstumsprognose für 2016 wurde auf 1,0 (1,5) Prozent reduziert.

Wachstumsfreundlichere Politik eingefordert

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält eine noch wachstumsfreundlichere Politik im Euroraum für notwendig. In seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick fordert er die Europäer dazu auf, mehr öffentliche Gelder für Investitionen auszugeben, wachstumsfreundliche Strukturreformen vorzunehmen, die Banken zur Abschreibung notleidender Kredite zu zwingen und - notfalls - auch die Geldpolitik weiter zu lockern. Dieser Notfall träte laut IWF dann ein, wenn die Wachstums- und Inflationserwartungen enttäuscht würden. Er selbst hält das für sehr wahrscheinlich.

Der IWF sieht die Wachstums- und Inflationserwartungen der Eurozone nicht so freundlich wie die Europäische Zentralbank (EZB), an die er seinen geldpolitischen Appell richtet. Die in Washington ansässige Organisation rechnet mit BIP-Wachstumsraten von 1,5 und 1,6 Prozent. Die EZB prognostiziert 1,5 und 1,9 Prozent Wachstum. Der IWF sieht die Inflationsraten 2015 und 2016 bei 0,1 und 1,0 Prozent, die EZB bei 0,0 und 1,5 Prozent. Ende 2016, wenn der EZB-Rat sein Anleihekaufprogramm nach derzeitigem Stand beendet haben will, wird die Jahresteuerung laut IWF bei nur 1,2 Prozent liegen. Wäre das genug, um von einer nachhaltigen Rückkehr der Inflation in Richtung 2 Prozent zu sprechen, wie die EZB sie anstrebt?

Im IWF-Bericht heißt es: "Die Inflation im Euroraum dürfte über den normalen geldpolitischen Horizont hinaus deutlich unter der Zielgröße bleiben." Zwar hat die EZB ihren geldpolitischen Horizont vor einiger Zeit auf drei Jahre ausgedehnt, doch ist ihre Prognose einer (jahresdurchschnittlichen) Inflationsrate von 1,8 Prozent im Jahr 2017 viel optimistischer, als der IWF das angesichts prognostizierten Jahresteuerung von 1,2 Prozent Ende 2016 für möglich halten kann. Eine Ausdehnung des Ankaufprogramms über September 2016 hinaus wäre laut IWF damit angezeigt.

Neben der Geldpolitik sieht der IWF aber auch die Finanzpolitik in der Pflicht, für mehr Wachstum zu sorgen: "Länder mit finanziellem Spielraum, besonders Deutschland, könnten mehr zur Ankurbelung des Wachstums tun, vor allem über dringend benötigte öffentliche Investitionen. Länder mit begrenztem finanziellen Spielraum sollten von der neuen Flexibilität des Stabilitäts- und Wachstumspakts Gebrauch machen, um zu investieren, Strukturreformen vorzunehmen und die Wirtschaft auszubalancieren", heißt es im Weltwirtschaftsausblick.

Außerdem befürwortet der IWF eine entschlossenere Reparatur der Bankbilanzen. Vorrangig sind eine striktere Regulierung notleidender Kredite und bessere Prozeduren bei Insolvenzen und der Abwicklung von Krediten. "Das würde den Banken stärkere Anreize geben, diese Kredite abzuschreiben."

[ Bildquelle: © Frederic Bos - Fotolia.com ]


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