News

Das (In-)Stabilitätsrisiko

Der stark gestiegene Risikoappetit

Redaktion RiskNET25.03.2015, 23:05

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann macht sich zweieinhalb Wochen nach Beginn des Staatsanleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen um die Finanzstabilität im Euroraum. Bei einer Rede in München sagte Weidmann, die Zentralbanken dürften vor den Nebenwirkungen ihrer Politik des Quantitative Easings (QE) nicht die Augen verschließen.

"Die kräftigen und zum Teil rasanten Kurssteigerungen an den europäischen Aktien- und Anleihemärkten in den vergangenen Wochen und Monaten deuten auf einen stark gestiegenen Risikoappetit hin, den wir als Notenbanken sorgsam beobachten müssen", sagte Weidmann laut vorab verbreitetem Redetext.

Der EZB-Rat hatte im Januar - unter anderem gegen die Stimme Weidmanns - beschlossen, dass die Zentralbanken des Eurosystems bis September 2016 monatlich Wertpapiere für 60 Milliarden Euro ankaufen sollen. In den ersten anderthalb Wochen des Programms haben die Zentralbanken die Renditen von Staatsanleihen deutliche drücken können.

Eine - beabsichtigte - Nebenwirkung war eine Flucht der Investoren in Aktien. So hat der DAX seit Beginn der Ankäufe am 9. März um rund 400 Punkte zugelegt, nachdem er zwischen 22. Januar, dem Tag des Ankaufbeschlusses, und dem 9. März bereits um über 1.000 Punkte gestiegen war.

"Nach meiner Ansicht darf die Geldpolitik nicht mit den Schultern zucken, wenn es Anzeichen für spekulative Übertreibungen auf den Vermögensmärkten gibt", sagte Weidmann.

Bei EZB-Präsident Mario Draghi stoßen solche Appelle aber (noch) auf taube Ohren. Bei seiner jüngsten Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss räumte Draghi zwar ein, dass eine Politik des Quantitative Easing unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben könnten, er sagte aber auch, dass solche Nebenwirkungen derzeit nicht erkennbar seien. Draghis Botschaft an diesem Tag lautete: Das Ankaufprogramm wird bis Ende September 2016 durchgezogen.

Interessanterweise steht Weidmann aber nicht alleine mit seiner Kritik an den Staatsanleihekäufen. Auch der Gouverneur der Banque de France, Christian Noyer, sagte in dieser Woche, die EZB könne das Ankaufprogramm falls nötig modifizieren. Frankreichs Banken und Versicherer leiden, ähnlich wie die deutschen, unter zunehmend negativen Staatsanleiherenditen.

Laut Weidmann stellt das Niedrigzinsumfeld insgesamt ein Stabilitätsrisiko dar: "Indem es die Ertragslage von Banken und Versicherungen belastet, je länger diese Phase anhält, steigt das Risiko von Instabilität ebenso", sagte er.

[ Bildquelle: © Nomad_Soul - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Das unterschätzte Katastrophenszenario

Europaweiter "Blackout"

Herbert Saurugg06.12.2017, 17:56

In den letzten Monaten häufen sich die Berichte über einen mögliches Strom- und Infrastrukturausfall beziehungsweise über die Vorbereitungsmaßnahmen verschiedener Organisationen und Kreise. Der...

Studie

Enterprise Risk Management

Risikomanagement im Spiegel deutscher Fachbücher

Jan Braunschmidt | Christina Trageser | Leonhard Knoll17.11.2017, 10:10

Risikomanagement hat als Subdisziplin im Grenzbereich zwischen Betriebswirtschaftslehre und angewandter Mathematik/Statistik seit der Jahrhundertwende eine immer größere Bedeutung erlangt. Dies gilt...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 2. Tag

Kultur, Methoden, Chancenmanagement

Redaktion RiskNET27.10.2017, 23:32

"Wo Kriegsgewinnler Hummer essen." So titelt es aktuell Spiegel Online und nennt den Ort "Warlord City in Somalia". Dort, wo im Country Club der somalischen Hauptstadt Mogadischu...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 1. Tag

Vom gelebten Risikomanagement …

Redaktion RiskNET25.10.2017, 06:30

"Es könnte alles so einfach sein …" sang die Gruppe "Die Fantastischen Vier" schon vor Jahren. Und die Jungs folgern in ihrem Song: "Ist es aber nicht". Das Lied verrät...

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...