Interview

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Daten- und IT-Infrastruktur als Rückgrat des Geschäftsmodells

Redaktion RiskNET13.05.2016, 11:19

Turbulente Zeiten für Lebensversicherer: Die lang anhaltende Niedrigzinsphase führt zu deutlichem Kostensenkungsdruck und substanziell erweiterten Regulierungsvorgaben sowohl im Hinblick auf Unternehmensführung, -finanzierung und -bilanzierung als auch bei der Gestaltung von Versicherungsprodukten. Gleichzeitig wandeln sich die Kundenanforderungen vor dem Hintergrund veränderter Lebensentwürfe und demographischer Rahmenbedingungen.

In diesem Umfeld erwarten Experten eine weitere Konsolidierung des vergleichsweise fragmentierten Lebensversicherungsmarktes, in dem noch mehr als 80 Anbieter von Lebensversicherungen aktiv sind. Versicherungsunternehmen überprüfen zunehmend ihr Geschäftsportfolio und erwägen dabei auch Veräußerungsoptionen für Bestände. Insofern ist zu erwarten, dass sich Anbieter aus dem Markt zurückziehen und ihr Versicherungsportfolio oder Teilbestände abgeben wollen.

Und exakt hier setzt das Geschäftsmodell der Heidelberger Leben Gruppe an: Sie erwirbt Versicherungsunternehmen und -bestände oder schließt Serviceverträge über die Verwaltung von Lebensversicherungsbeständen ab. Als erster Anbieter im deutschen Markt baut die Gruppe eine Konsolidierungsplattform für Lebensversicherungsbestände auf, die in den kommenden Jahren weiter deutlich wachsen soll.

Das Geschäftsmodell basiert dabei auf einer einfachen, Grundidee: Je mehr Versicherungsverträge auf einer gemeinsamen Plattform verwaltet werden, desto geringer fallen aufgrund von Skaleneffekten die anteiligen Verwaltungskosten je Vertrag aus. Ein Unternehmen, das sich auf die bestmögliche Administration bestehender Verträge konzentriert und zugleich kein Neugeschäft mehr betreibt, wird sich zudem mit größtmöglicher Aufmerksamkeit dem Service für die Versicherungsnehmer widmen.

Beim Messekongress "Finanzen und Risikomanagement" der Versicherungsforen Leipzig am 8. und 9. Juni 2016 spricht Michael Sattler, Vorsitzender des Vorstands der Heidelberger Lebensversicherung AG welche besonderen Anforderungen durch das Geschäftsmodell "Run-off" entstehen. Im Interview gibt es vorab Einsicht in das Thema.

Welchen speziellen Herausforderungen sieht sich die Heidelberger Leben Gruppe als Konsolidierungsplattform gegenüber?

Michael Sattler: Grundsätzlich stellt sich die Heidelberger Leben Gruppe denselben Herausforderungen wie andere Lebensversicherer, also insbesondere dem Niedrigzinsumfeld und den Solvency II-Anforderungen. Spezifisch, da immanente Themenfelder unseres Geschäftsmodells als Konsolidierungsplattform, sind insbesondere der Aufbau einer zentralen, auf Marktstandards basierenden IT-Plattform, der gesamte Bereich der Kunden- und Servicequalität und die technische, organisatorische und kulturelle Integrationsfähigkeit. Als Spezialist mit alleinigem Fokus auf das Bestandsmanagement müssen wir demgegenüber keinerlei Ressourcen für das personal- und kostenintensive Neugeschäft sowie den Vertrieb vorhalten.

Wie meistert die Heidelberger Leben Gruppe insbesondere die hohen Anforderungen an das Daten- und IT-Management?

Michael Sattler: Eine hervorragende Daten- und IT-Infrastruktur ist das Rückgrat unseres Geschäftsmodells, denn wettbewerbsfähige Kosten pro Police setzen insbesondere auch standardbasierte, effektive Prozesse voraus. Wir investieren aus diesem Grund speziell in eine gruppenübergreifende IT-Plattform und ein auf Marktstandards basierendes, einheitliches Bestandsführungssystem erhebliche finanzielle Mittel. Kurzum: Wir machen die IT zu einer unserer Kernkompetenzen. Mit spürbarem Erfolg: Die Plattform an sich steht, und erste kleinere Bestände wurden bereits erfolgreich migriert. Dies zeigt, dass unser Geschäftsmodell realistisch machbar ist und dass wir die angestrebten Ziele – im Sinne unserer Kunden – erzielen können. Schon heute profitieren diese vor allem durch wesentlich höhere RfB-Zuführungen.

Welche Chancen sind mit Ihrem Geschäftsmodell verbunden?

Michael Sattler: Die Zusammenführung von Lebensversicherungsbeständen auf eine zentrale Plattform ermöglicht generell signifikante Skaleneffekte. Im Sinne unserer Kunden ermöglicht die Spezialisierung auf den Bestand, wie angesprochen, erhebliche Vorteile in Form höherer Überschussbeteiligungen. Außerdem profitieren sie durch einen weiter verbesserten Service. Alles in allem erschließt unser Geschäftsmodell der Branche und ihren Unternehmen im aktuellen Marktumfeld attraktive neue Optionen, denn sie können ihre Aufmerksamkeit voll auf Herausforderungen wie neue Produkte, Vertriebsstrategien und die Digitalisierung richten. Die Versicherten wissen, dass ihnen angesichts der vollen Konzentration auf den Bestand unsere volle Aufmerksamkeit gilt.

Sind für die Heidelberger Leben Gruppe im aktuellen Marktumfeld auch Produktportfolien mit Zinsgarantien interessant?

Michael Sattler: Selbstverständlich. Schon heute haben wir neben einem großen Paket an fondsgebundenen Verträgen eine beträchtliche Zahl an konventionellen Produkten im Bestand. Entsprechende Zinsgarantien bewerten wir und reservieren die entsprechenden Mittel.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Run-off-Markt in Europa in den kommenden Jahren entwickeln, auch vor dem Hintergrund Solvency II und Niedrigzinsphase?

Michael Sattler: Das Interesse am Thema Bestandskonsolidierung und -management ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich gewachsen. Wir spüren dies durch die vielen neuen Kontakte, durch das Interesse am Modell der Heidelberger Leben Gruppe. Vieles spricht dafür, dass dies so bleiben wird.

Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen im Rahmen von Solvency II?

Michael Sattler: Grundsätzlich gelten, wie schon gesagt, für uns die gleichen Herausforderungen wie für andere Lebensversicherungsunternehmen. Mit unseren beiden Fondsversicherern Heidelberger Leben und Skandia Leben Deutschland sind wir sehr gut positioniert, zumal wir dem Thema Solvency II in der zurückliegenden Zeit finanziell und personell große Aufmerksamkeit gewidmet haben.

Michael Sattler verantwortet seit April 2014 auf Gruppenebene der Heidelberger Leben das Finanzressort. Der 47-Jährige ist somit für die Bereiche Finanzen, Liquiditätsmanagement, Kapitalanlage, Steuern und Aktuariat zuständig. Für die Heidelberger Lebensversicherung AG, die unmittelbare Vorgängergesellschaft der neu formierten Gruppe, war Michael Sattler in leitenden Funktionen bereits seit 2004 tätig: Unter anderem war er Verantwortlicher Aktuar sowie Leiter der Bereiche Versicherungsmathematik, Finanzwesen und Produktentwicklung – von 2007 bis Mitte 2012 als Vorstandsmitglied, im Anschluss als Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Lebensversicherung AG. Davor war Michael Sattler für den auf Aktuariatsthemen spezialisierten Beratungsbereich von Towers Perrin tätig, außerdem viele Jahre für die Mannheimer Versicherungsgruppe.

Michael Sattler verantwortet seit April 2014 auf Gruppenebene der Heidelberger Leben das Finanzressort. Der 47-Jährige ist somit für die Bereiche Finanzen, Liquiditätsmanagement, Kapitalanlage, Steuern und Aktuariat zuständig.

[ Bildquelle: © faithie - Fotolia.com / Portrait Sattler: Heidelberger Leben ]


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