News

Einblick in die Dimension der Risiken

Das Milliardenspiel der Deutschen Bank mit dem Libor

Jean Eaglesham, Frank Romeike10.01.2013, 07:58

Die Deutsche Bank hat im Jahr 2008 mit Geschäften rund um die skandalträchtigen Referenzzinssätze wie den Libor mindestens 500 Millionen Euro verdient. Das größte deutsche Geldhaus hatte Milliardensummen in Wetten auf die London Interbank Offered Rate, kurz Libor, und andere Zinssätze wie den europäischen Euribor investiert.

Die Aufsichtsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass mehr als ein dutzend Banken, darunter die Deutsche Bank, den Libor und andere Zinssätze manipuliert haben, was Auswirkungen auf Kredite und Finanzprodukte im Wert von Billionen Euro hatte. Im Zuge der Ermittlungen gab es bereits Vergleiche mit Barclays und der UBS, die die Geldhäuser zusammen fast 2 Milliarden US-Dollar kostete.

Das Wall Street Journal hatte Einblick in die Dokumente der Deutschen Bank, die den Ermittlern von einem ehemaligen Mitarbeiter zugespielt wurden. Sie zeigen zum ersten Mal das Ausmaß, in dem die Bank akribisch Handelsgeschäfte aufbaute, um von kleinsten Veränderungen der Zinssätze zu profitieren.

Diese Geschäfte sind bei Großbanken an der Tagesordnung. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Geschäfte von Europas größter Bank nach Vermögenswerten 2008 den Markt beeinflusst haben oder illegal waren. Trotzdem ermöglichen sie einen Einblick in die Dimension der Risiken, die eine einzige Bank eingegangen ist.

Am 30. September 2008 rechnete die Bank damit, dass sie mit einer Änderung des Libor oder dem Euribor von einem Hundertstel eines Prozentpunktes bis zu 68 Millionen Euro verdienen könnte. Das zeigen die Dokumente, in die das Wall Street Journal Einblick hatte. Mark Williams, ehemaliger Revisor bei der US-Notenbank Federal Reserve, sagt, solche Wetten seien ein "extrem hohes Risiko", selbst für ein Unternehmen wie die Deutsche Bank.

 

 

[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...

Interview

IDW PS 981

Licht und Schatten im Risikomanagement

Redaktion RiskNET28.08.2017, 08:19

Die jüngst veröffentlichte "Risikomanagement Benchmarkstudie 2017" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass viele...

Kolumne

Struktur des Unternehmens-Risikomanagements

Synergien im Risikomanagement schaffen

Bruno Brühwiler01.08.2017, 07:30

Wenn mehrere Personen über den Inhalt von Risikomanagement in komplexeren Organisationen diskutieren, entsteht schnell ein Konsens über die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses...

Interview

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Krisen sind das beste "Resilienztraining"

Redaktion RiskNET23.07.2017, 06:30

Ingenieure sprechen von einem resilienten System, wenn bei einem Teilausfall nicht alle technischen Systeme vollständig versagen. Ein Ökosystem gilt dann als resilient, wenn es nach einer Störung zum...