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Weltbank senkt Konjunkturprognose

Das globale Risiko

Redaktion RiskNET08.06.2016, 13:22

Die Weltbank sieht die globale Wirtschaft anfällig für einen scharfen Konjunkturabschwung, weil die Schwierigkeiten in den Schwellenländern zunehmen und die Industrieländer nicht richtig in Schwung kommen. Die Weltbank senkte ihre globale Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 2,4 Prozent, nachdem sie im Januar einen Zuwachs von 2,9 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Für 2017 wurde die Prognose auf 2,8 von 3,1 Prozent gekappt.

"Für den globalen Ausblick gibt es das ausgeprägte Risiko, dass es zu einer weiteren Phase eines gedämpften Wachstums kommt", erklärte Chefökonom Kaushik Basu. "Ein breites Band von Risiken droht, die Erholung aus der Spur zu bringen."

Rohstoffexporteure wie Brasilien, Russland, Nigeria und Angola erlitten einige der stärksten Abwärtsrevisionen. Die Regierungen dieser Ländern müssen wegen der kollabierenden Preise für Metalle und Öl ihre Staatsausgaben kürzen. Zugleich müssen die Zentralbanken aufgrund der schwachen Währungen die Zinsen erhöhen, um die steigende Inflation zu bekämpfen. Die höheren Kreditzinsen lasten auf den Investitionen und drücken die Bilanzen vieler Firmen in die roten Zahlen.

Auch die Wachstumsprognose für die größte Volkswirtschaft der Welt wurde drastisch gesenkt. Wegen des angeschlagenen Energiesektors, des starken Dollar und der flauen Auslandsnachfrage senkte die Weltbank die Prognose für die USA um 0,8 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent in diesem Jahr.

Trotz der Einführung von Negativzinsen durch die Bank of Japan kommt die japanische Wirtschaft nicht recht in Gang. Für dieses Jahr rechnet die Weltbank nur mit einem BIP-Zuwachs um 0,5 Prozent, fast ein Prozentpunkt weniger als noch im Januar vorhergesagt.

Die Weltbank fürchtet, dass die Schwellenländer weiter an Dynamik einbüßen. Zwar hält sie an der Wachstumsprognose von 6,7 Prozent für China fest, warnte aber, dass wachsende Finanzrisiken einen weiteren tiefen Wachstumseinbruch auslösen könnten.

Die Ökonomen der Weltbank sind besorgt, dass die Federal Reserve die Zinszügel straffer anziehen könnte als von den Märkten erwartet, was mit einem Sprung bei den Kreditkosten ein weiteres globales Beben an den Finanzmärkten auslösen könnte. Zudem bestehe die Gefahr, dass besorgte Investoren ihr Kapital aus den Aktien-, Devisen- und Anleihemärkten der Schwellenländer abziehen.

Auch politische Risiken sehen die Experten als Gefahr für das künftige Wachstum. Mit einem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte die Investitionsbereitschaft ernsthaft abkühlen, weil Unsicherheit an den Märkten um sich greifen würde.

[ Bildquelle: © Dr_Kateryna - Fotolia.com ]


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