News

Banken sollen für Staatsanleihen Eigenkapital vorhalten

Das Ende der risikofreien Staatsanleihen

Redaktion RiskNET13.12.2013, 08:18

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte künftig von den Banken des Euroraums verlangen, ihre Bestände an Staatsanleihen mit Eigenkapital abzusichern. Dies lassen Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einem Interview mit der Financial Times erwarten. Damit soll verhindert werden, dass schwächelnde Kreditinstitute weiter die Schulden von Krisenländern aufkaufen und die Kreditvergabe an die Realwirtschaft nicht in Gang kommt.

Praet sagte in dem Interview, wenn die Banken bei der kommenden Bilanzprüfung durch die EZB ihre Bestände an Staatsanleihen entsprechend ihrem Risiko für die Bilanz bewerteten, dann wären sie weniger bereit, von der Notenbank geliehenes Geld für den Kauf weiterer Staatsanleihen zu verwenden. Bislang werden nationale Staatsanleihen in den Bankbilanzen zumeist als risikolos eingestuft und kaum mit Eigenkapital unterlegt.

Sollte die Prüfung der Banken durch die EZB die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen im Euroraum noch weiter dämpfen, würde die Notenbank nach den Worten von Praet ohne Zögern eine weitere Runde zinsgünstiger Mittel anbieten. Dabei würde sichergestellt, dass diese Liquidität zur Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft eingesetzt werde, indem die Kapitalanforderungen bei den Staatsanleihen verschärft würden. Paradoxerweise könnten strenge Bilanzprüfungen und Stresstests das Funktionieren der Geldpolitik unterstützen, sagte Praet.

 

[Bildquelle: © momius - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

RiskNET Redaktion/13.12.2013 20:12
+++ Coeure sieht Anzeichen für Renationalisierung der Eurozone +++

EZB-Direktor Benoit Coeure hat sich über Tendenzen zur Renationalisierung der Eurozone besorgt gezeigt. "Die Finanzierung der Wirtschaft hat sich in nationale Grenzen in einer Art und Weise zurückgezogen, die in einigen Bereichen eventuell nicht mehr zurückgedreht werden kann", sagte Coeure bei einer Veranstaltung des französischen Finanzministeriums. "Das ist eine der wichtigsten Fragen, die wir beantworten müssen: Können wir es umkehren oder nicht?"

Der Franzose spielt damit auf eine Entwicklung an, die den Währungshütern von der Europäischen Zentralbank (EZB) große Sorgen bereitet. In den Krisenjahren holten Anleger, Investoren und Banken Geld aus anderen Euro-Staaten zurück in ihr Heimatland. Der für den Währungsblock so wichtige Kapitalverkehr geriet ins Stocken und der Euroraum fragmentierte sich. Dieses Risiko, so Coeure bestehe weiter.

Themenverwandte Artikel

Interview

Garantenpflicht

Haftung eines Risikomanagers

Redaktion RiskNET16.07.2018, 19:30

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom 17.07.2009 (Az 5 StR 394/08) einen Leiter einer Rechtsabteilung und Revision wegen Beihilfe zum Betrug durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von...

Studie

Qualitative Evaluationsstudie

Risikomodellierung, Predictive Analytics und Big Data

Frank Romeike | Stefan Trummer19.06.2018, 08:07

Das Banken- und Versicherungsumfeld ist seit vielen Jahren im Umbruch. Dazu haben in nicht unerheblichem Maße die Aufsichtsbehörden und Standardsetter beigetragen. Wurden bis Mitte der 2000er...

Interview

Mundus vult decipi

Was tun mit Fake News?

Redaktion RiskNET06.06.2018, 14:24

Wahrheit oder Lüge? Wer kann das in unseren digitalen Zeiten noch beantworten? Umso wichtiger sind klare Parameter und ein methodisch sauberes Vorgehen, um Fake News zu enttarnen. Dafür plädiert...

Kolumne

Machine Learning-basierte Klassifikation von Marktphasen

Krisen frühzeitig identifizieren

Dimitrios Geromichalos [RiskDataScience]23.05.2018, 12:30

Wie in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden konnte, verhalten sich Märkte oftmals irrational und zeichnen sich – neben dem "Normal-Zustand" – durch Phasen im Krisen- und...

Kolumne

Geopolitik und Ökonomie

Über den Einfluss politischer Krisen

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.16.05.2018, 11:45

Mehr als sonst ist in den Börsenkommentaren in diesem Jahr nicht nur von ökonomischen Faktoren die Rede. Immer mehr Raum wird den politischen Krisenherden in der Welt eingeräumt. Da geht es um Iran...