Rezension

Wie wir uns gegen Cyber-Crime und Online-Terror wehren können

Cybergefahr

Redaktion RiskNET22.12.2015, 22:49

In den vergangenen Monaten und Jahren ist uns eines immer wieder zweifelsfrei vor Augen geführt worden: Die Zeiten des unbesorgten Mailens und Surfens gehören endgültig der Vergangenheit an. Zuerst kam die PRISM-Affäre, gefolgt von der Entdeckung, dass die Vereinigten Staaten das Tun und Handeln der Vertreter der Europäischen Union im Netz in New York und Washington überwachen. Immer wieder werden wir mit der Nase darauf gestoßen: Das Netz steckt voller Gefahren und Bedrohungen. Daher hat sich Eddy Willems das Ziel gesetzt, über die möglichen Gefahren aufzuklären, die Nutzern online begegnen können.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil (Kapitel 1 und 2) taucht der Leser in die Geschichte ein, vom allerersten Virus bis zum Vormarsch all der Gefahren, die uns heute Tag für Tag bedrohen. In Kapitel 2 widmet sich der Autor den Schreibern von Viren: Mit welcher Sorte Mensch haben wir es zu tun, was treibt diesen Menschenschlag an und wie gehen Antimalware-Programme mit diesen ganz besonderen Gegnern um? Dem Leser mag dies nicht besonders wichtig erscheinen, da er vor allem wissen möchte, was ihn heutzutage bedroht und wie er sich davor schützen kann. Autor Willems ist davon überzeugt, dass es dem Leser helfen wird, die nachfolgenden Kapitel besser zu verstehen: Sie werden viele Begriffe kennen lernen, die Ihnen später im Buch wieder begegnen werden. Sie erhalten einen tieferen Einblick in die Komplexität der heutigen Cyberwelt, die leider voller Gefahren steckt, und Sie werden verstehen, warum so viele Menschen gefesselt sind von all dem, was mit Malware zu tun hat. Mit ein wenig Glück werden Sie von diesem Virus auch angesteckt.

Im zweiten Teil (Kapitel 3 bis 6) steigt der Autor tiefer in das Thema der Cybergefahren ein: Wer sind die Akteure, was sind die Bedrohungen und wie kann man sie selbst bekämpfen? In Kapitel 3 erhalten Sie einen tiefen Einblick in die Funktionsweise der "Untergrundwirtschaft" – dem Arbeits- und Betätigungsfeld der Cyberkriminellen. Das Ausmaß dieses "Wirtschaftszweigs", aber auch die professionelle Vorgehensweise, mit der die Kriminellen arbeiten, und das umfangreiche Angebot an geeigneten Produkten und Dienstleistungen dürften auch Sie sprachlos machen, so der Autor. Der Inhalt dieses Kapitels ist größtenteils das Ergebnis unterschiedlicher Studien von Experten der G DATA SecurityLabs, die sich dem Thema gewidmet haben. Wenn wir über Gefahren aus dem Cyberraum sprechen, darf ein Bereich nicht unter den Tisch fallen: Politisch motivierte Cyberattacken. In Kapitel 4 geht es somit um Cyberspionage, Cybersabotage, Terrorismus und Cyberkrieg.

Kapitel 5 ist der Antivirus-Industrie gewidmet: den Herstellern und Unternehmen, die alles daran setzen, das Internet für Nutzer sicherer zu machen. In Kapitel 6 erwartet Sie eine Bestandsaufnahme: Welche Bedrohungen betrachten die Experten aktuell als die größte Gefahr für all diejenigen, die sich online begeben, also quasi für die halbe Welt?

Der dritte Teil dieses Buches enthält praktische Empfehlungen und Ratschläge zu allem, was Sie besser tun oder auch lassen sollten. In Kapitel 7 wird zuerst mit Mythen und Missverständnissen aufgeräumt, sodass jedem klar wird, wo die echten Gefahren liegen und welche "Heilmethoden" überhaupt nicht wirken. In Kapitel 8 finden Sie dann eine ganze Reihe praktischer Tipps für jedermann, von den einfachsten Dingen ("Halte deine Software auf dem aktuellen Stand") bis zu einigen regelrechten Überraschungen ("Klebe deine Webcam ab" oder "Medientraining für Jedermann!").

Kapitel 9 geht mit einigen spezifischeren und manchmal auch technischen Tipps auf wirtschaftliche Aspekte ein.

Kapitel 10 und 11 beschäftigen sich damit, welche Rolle der Staat und die Medien bei der Bekämpfung dieser Gefahren spielen können und ob ihnen diese Aufgabe gelingen kann. In Kapitel 12 erläutert der Autor seine ganz eigene Vision zur "Zukunft der Malware", und auch, wie wir kommenden Gefahren die Stirn werden bieten können.

Außerdem hat der Autor am Ende des Buches seine Vision einer fernen Zukunft zu einer fiktiven Kurzgeschichte verarbeitet, wir die Cybergefahren im Jahr 2033 aussehen könnten.
Wer dieses Buch zu Ende liest, kann den Gefahren im Netz gut gewappnet gegenübertreten. Traum des Autors ist es, durch das Buch den Cyberkriminellen und anderen "zwielichtigen Gestalten" im Internet das Leben ein Stück schwerer zu machen – denn: Je besser Internetnutzer über ihre Maschen informiert sind, umso schwerer werden sie zukünftig zu arglosen Cyberopfern.



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Das unterschätzte Katastrophenszenario

Europaweiter "Blackout"

Herbert Saurugg06.12.2017, 17:56

In den letzten Monaten häufen sich die Berichte über einen mögliches Strom- und Infrastrukturausfall beziehungsweise über die Vorbereitungsmaßnahmen verschiedener Organisationen und Kreise. Der...

Studie

Enterprise Risk Management

Risikomanagement im Spiegel deutscher Fachbücher

Jan Braunschmidt | Christina Trageser | Leonhard Knoll17.11.2017, 10:10

Risikomanagement hat als Subdisziplin im Grenzbereich zwischen Betriebswirtschaftslehre und angewandter Mathematik/Statistik seit der Jahrhundertwende eine immer größere Bedeutung erlangt. Dies gilt...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 2. Tag

Kultur, Methoden, Chancenmanagement

Redaktion RiskNET27.10.2017, 23:32

"Wo Kriegsgewinnler Hummer essen." So titelt es aktuell Spiegel Online und nennt den Ort "Warlord City in Somalia". Dort, wo im Country Club der somalischen Hauptstadt Mogadischu...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 1. Tag

Vom gelebten Risikomanagement …

Redaktion RiskNET25.10.2017, 06:30

"Es könnte alles so einfach sein …" sang die Gruppe "Die Fantastischen Vier" schon vor Jahren. Und die Jungs folgern in ihrem Song: "Ist es aber nicht". Das Lied verrät...

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...