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Risikofaktor Niedrigzins

Bafin nimmt Versicherer und Banken enger ins Visier

Redaktion RiskNET12.05.2015, 18:41

Die deutsche Finanzaufsicht sieht die Auswirkungen der anhaltend niedrigen Zinsen auf die Banken und Versicherer mit Sorge. Die Folgen der andauernden Nierigzinsphase in den Griff zu bekommen sei sehr schwierig, sagte Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), auf der Jahrespressekonferenz. "Besonders stark leiden die Lebensversicherer", erklärte er.

Das Problem: Die Erträge ihrer Kapitalanlagen gehen schneller zurück als die garantierten Zinsen im Bestand. Die Fragen, die Hufeld aufwirft, sind dramatisch: Droht der deutschen Lebensversicherungsbranche eine Insolvenzwelle? Bekommen wir japanische Verhältnisse?

Um mehr Sicherheit über den tatsächlichen Zustand zu bekommen, verlangt die Bafin von den Unternehmen immer wieder Prognoserechnungen. Zwar sei die Branche als Ganzes noch widerstandsfähig, aber sie werde die neuen EU-Aufsichtsregeln nur mit "erheblichen Anstrengungen" erfüllen, sagte Hufeld. Und das, obwohl das Regelwerk mit dem Namen "Solvency II" Übergangsregelungen vorsieht.

Auch die Banken leiden unter dem niedrigen Zinsniveau. Der Zinsüberschuss macht rund zwei Drittel ihrer operativen Erträge aus. "Und nicht an jeder Straßenecke sprudeln alternative Ertragsquellen", sagte Hufeld. Die Bafin will in Kürze die Banken nach ihrer eigenen Einschätzung der Situation befragen. "Es wird darum gehen, in unterschiedlichen Szenarien die Gewinn- und Verlustrechnung zu prognostizieren", erklärte Hufeld. Die Bafin will dabei auch die Stresseffekte berücksichtigen, die sich auf das Kredit- und Marktrisiko auswirken.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Aufsichten in Europa läuft nach Aussage von Hufeld gut, auch wenn es Spannungen und Interessenkonflikte gibt. "Die europäischen Aufsichtsbehörden geben sich heute selbstbewusst - zuweilen sehr selbstbewusst", sagte er. "Da wird versucht, in den Aufsichtskollegien mehr Einfluss auszuüben als vorgesehen", kritisierte er. Mitunter werden laut Hufeld Regulierungsstandards und Leitlinien entworfen, die über das eigentliche regulatorische Ziel hinausschießen.

[ Bildquelle: teracreonte / Fotalia.com ]


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