News

Weitere Hiobsbotschaften für den europäischen Markt

Autoindustrie weiter tief in der Krise

Redaktion RiskNET02.07.2013, 14:44

Der deutsche Automarkt kommt einfach nicht aus der Krise: Im Juni gaben die Neuzulassungen erneut deutlich nach und liegen nach dem ersten Halbjahr damit ein ganzes Stück unter dem Vorjahresniveau. Das sind weitere Hiobsbotschaften für den daniederliegenden europäischen Markt.

Nach jüngsten Daten wurden zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen im Juni fast fünf Prozent weniger Neuwagen verkauft. Im bisherigen Jahresverlauf liegt das Minus damit bei gut 8 Prozent auf rund 1,5 Millionen neu zugelassene Autos.

Mit Ausnahme der Stadtflitzer und der weltweit gefragten SUVs sowie Wohnmobile schrumpften die Zulassungen nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes in sämtlichen Fahrzeugsegmenten im zweistelligen Prozentbereich. Die heftigsten Rückgänge von über der Hälfte mussten Lancia und Alfa Romeo hinnehmen.

Außer bei rund einem Dutzend Marken gaben die Absätze sämtlicher Hersteller teilweise deutlich nach. Auch die deutschen Autobauer Audi, BMW, Mercedes-Benz und Opel verbuchten Minuszeichen.

Der deutsche Automarkt ist der größte Europas und war lange der Stabilitätsanker des alten Kontinents. Das ist nun aber zumindest erstmal Geschichte, in den vergangenen Monaten revidierten zahlreiche Experten ihre Schätzungen nach unten.

"Der deutsche Pkw-Markt entwickelt sich schwächer als zu Jahresbeginn befürchtet", sagte Peter Fuß, Automobilfachmann bei Ernst & Young. "Der vorrangige Grund ist die bleibende Verunsicherung des Verbrauchers, der nach wie vor nicht weiß, wo in der Euro-Krise die Reise hingeht." Demensprechend stellen potenzielle Käufer geplante Neuanstellungen erstmal hinten an.

Zwar habe es im Jahresverlauf einige Aufholeffekte gegeben - unter anderem bedingt durch Rabattaktionen der Hersteller, sagte Fuß. Trotzdem rechnet er für 2013 mittlerweile mit schrumpfenden deutschen Neuzulassungen. Die meisten Experten befürchten mittlerweile Rückgänge im mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem viele von ihnen bis vor einigen Monaten noch das Vorjahresniveau von 3,1 verkauften Neuwagen für erreichbar gehalten hatten.

Auch die Automobilverbände haben dieses Ziel mittlerweile ad acta gelegt. Der Importeursverband VDIK verliert jedoch seinen Optimismus nicht. Im zweiten Quartal sei eine positive Entwicklung des Konsumklimas zu spüren gewesen, sagte Präsident Volker Lange: "Der Pkw-Markt startete zu Jahresbeginn mit erheblichen Einbußen, zeigte allerdings schon im April einen Stabilisierungstrend. Verantwortlich dafür ist die Nachfrage der privaten Kunden, und ich gehe davon aus, dass sich diese positive Entwicklung auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird."

Zarte Hoffnungen auf eine zumindest leichte Erholung in Europa müssen allerdings wohl zumindest vorerst wieder beerdigt werden, nachdem es im April den ersten monatlichen Zuwachs seit mehr als anderthalb Jahren gegeben hatte. Denn auch auf anderen wichtigen Märkten gab es zuletzt wieder dicke Minuszeichen: Die französischen Neuzulassungen schrumpften im Juni um 11 Prozent, die italienischen im ersten Halbjahr um ein Zehntel und die spanischen um 5 Prozent.

Branchenkenner rechnen damit, dass die Verkäufe in der weltweit drittgrößten Vertriebsregion in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge schrumpfen werden. Das würde das niedrigste Niveau seit Anfang der 1990er Jahre bedeuten. Bevor sich der europäische Branchenverband ACEA in eine zweimonatige kommunikative Sommerpause begibt, wird er am 16. Juli die Halbjahreszulassungen veröffentlichen.

 

 

[Bildquelle: © sunlight789 - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Von der Störung zur unternehmensweiten Resilienz

Führungskräfte und die mangelnde Awareness

Uwe Rühl23.06.2017, 17:00

Jüngst wütete der Trojaner "WannaCry" in der digitalen Welt. Die Folge waren unzählige infizierte Rechner weltweit, nicht mehr funktionierende Infrastrukturen von Krankenhäusern und der...

Kolumne

Schwerwiegende Schwachpunkte im Risikomanagement

Persönliches Risikomanagement für Risikomanager

Werner Gleißner | Frank Romeike | Marco Wolfrum14.06.2017, 08:00

Kein Unternehmen hat ein "perfektes" Risikomanagement; Verbesserungspotenziale können regelmäßig aufgezeigt werden. Praktische Erfahrungen und empirische Studien zeigen allerdings, dass...

Interview

Interview mit Benedikt Doll, Biathlet

Akribische Vorbereitung und kein Zufall

Redaktion RiskNET09.06.2017, 07:30

Sport und Business haben viel gemein. Nicht nur im Sponsoring, der Werbung oder bei Fernsehverträgen. Auch in den jeweiligen Disziplinen liegt eine gewisse Nähe, in der akribischen Vorbereitung, hier...

Interview

Widerstandsfähigkeit von globalen Lieferketten

Resilienz der Supply Chain messen

Redaktion RiskNET02.06.2017, 18:18

Der FM Global Resilience Index ist ein datenbasiertes Tool, das die Resilienz von Unternehmen in 130 Ländern und Gebieten weltweit in einem Ranking vergleicht. Dazu werden zwölf Treiber, die sich auf...

Wissenschaft

Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften

Wie entscheiden wir unter Risiko?

Alexander Niklas Häusler | Bernd Weber01.06.2017, 10:00

Um Erkenntnisse aus der Neuroökonomie für andere Fachdisziplinen oder Anwendungen im Bereich der finanziellen Entscheidungen [eine kurze Übersicht finden Sie hier: Häusler/Weber 2015] interpretieren...