Studie

Studie zur Tragfähigkeitslücke

Alterung der Bevölkerung als gesellschaftliches Risiko

Redaktion RiskNET23.05.2014, 07:10

Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland ist langfristig ein nennenswertes Risiko für die öffentlichen Finanzen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Forschungsbericht des ifo Instituts für das Bundesfinanzministerium. Ab 2018 wird die Ausgabenquote für Soziales gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung nach einem kurzen Rückgang ständig steigen, wie die Autoren Martin Werding und Christoph Schinke schreiben. Sie beziffern den langfristigen Korrekturbedarf durch Ausgabenkürzungen oder Steuer- und Beitragserhöhungen ("Tragfähigkeitslücke") je nach Modellrechnung auf 0,6 Prozent bis 3,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Nicht eingerechnet sind die Pläne der Großen Koalition. "Absehbar ist allerdings, dass vor allem die angekündigten Neuregelungen in den Bereichen gesetzliche Renten, Pflege sowie Bildung und Familien die zukünftigen Ausgaben teils auch dauerhaft stärker erhöhen werden als hier für den derzeit geltenden Rechtsstand projiziert wird", schreiben Werding und Schinke.

In der optimistischen Variante dürfte die Ausgabenquote für Soziales von etwa 25,5 Prozent auf fast 29 Prozent bis zum Jahre 2060 zunehmen. In der pessimistischen Modellrechnung erreicht sie sogar 32 Prozent, was ohne finanzpolitische Korrekturen den Anstieg der Schuldenstandsquote des Staates bis auf 190 Prozent der Wirtschaftsleistung zur Folge hätte. Die optimistischere Variante sieht ein langsameres Schrumpfen der Bevölkerung und ein stärkeres Wirtschaftswachstum vor als die pessimistische Rechnung.

Die hier betrachtete Ausgabenquote für Soziales umfasst gesetzliche Rente, gesetzliche Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Beamtenversorgung und die Beihilfe, die Arbeitslosenversicherung, die Grundsicherung für Arbeitssuchende sowie die öffentlichen Bildungsausgaben (mit Kinderbetreuung) und den Familienleistungsausgleich. 

 

[Bildquelle: © D.R.3D - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...

Interview

Quo vadis Big Data?

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Redaktion RiskNET22.09.2017, 12:52

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu...

Interview

IDW PS 981

Licht und Schatten im Risikomanagement

Redaktion RiskNET28.08.2017, 08:19

Die jüngst veröffentlichte "Risikomanagement Benchmarkstudie 2017" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass viele...

Kolumne

Struktur des Unternehmens-Risikomanagements

Synergien im Risikomanagement schaffen

Bruno Brühwiler01.08.2017, 07:30

Wenn mehrere Personen über den Inhalt von Risikomanagement in komplexeren Organisationen diskutieren, entsteht schnell ein Konsens über die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses...

Interview

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Krisen sind das beste "Resilienztraining"

Redaktion RiskNET23.07.2017, 06:30

Ingenieure sprechen von einem resilienten System, wenn bei einem Teilausfall nicht alle technischen Systeme vollständig versagen. Ein Ökosystem gilt dann als resilient, wenn es nach einer Störung zum...