22.05.2012
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Der Feind hört mit

Wirtschaftsspionage: Diebstahl statt Forschung

Wirtschaftsspionage: Diebstahl statt Forschung

Unter Spionage wird allgemein das Beschaffen und Erlangen unbekannter Informationen oder geschützten Wissens verstanden. Nicht wenige Wirtschaftsvertreter halten das Thema Spionage nach Ende des kalten Krieges für überholt. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Der verschärfte internationale Konkurrenzkampf führt beim Ringen um Marktanteile zunehmend zu härteren Bandagen. Ein beliebtes Mittel: Diebstahl statt Forschung. Mitbewerber sparen in den eigenen Forschungs- und Entwicklungskosten und greifen zu Methoden der Wirtschaftsspionage. Der ökonomische Schaden für den Exportweltmeister Deutschland wird auf 20 bis 50 Mrd. Euro im Jahr geschätzt. Neben Ländern aus dem asiatischen Raum betreiben insbesondere Länder aus Industrie- und Schwellenländer in wachsendem Umfang Wirtschaftsspionage.

Michael George, Bayerisches Landesamt für VerfassungsschutzMichael George (Foto) vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz stimmte die rund 160 Teilnehmer auf der Jahreskonferenz der Risk Management Association mit der Aussage ein: "Nicht jeder ist so erfreut wie Sie, wenn der Verfassungsschutz zu Besuch ist."

Das Thema Wirtschaftsspionage wird häufig unterschätzt

Michael George sensibilisierte seine Zuhörer auf die zunehmende Bedrohung der Wirtschaftsspionage für die Wirtschaft. Insbesondere mittelständische Unternehmen unterschätzen oftmals die Gefahren durch den lautlosen Feind. Im Zeitalter des Internets kann jeder Laie eine professionelle Spionageausrüstung für wenig Geld erwerben, um  beispielsweise Mobiltelefone oder Festnetztelefone abzuhören. Häufig sind Unternehmen in dem Irrglauben verhaftet, dass Wirtschaftsspionage ein Thema für Experten in der IT-Abteilung ist. "Nicht nur IT-Systeme sind Schwachstellen im Unternehmen. Denn was nützt die beste technische Absicherung, wenn es für die Mitarbeiter keine verbindlichen Regelungen oder Schulungen in puncto Informationssicherheit gibt?" so Michael George.

Informationssicherheit beginnt bereits bei der Zugfahrt oder dem Telefonat auf dem Flughafen. Eine Firewall oder ein ausgefeilter Antivirenschutz schützt Unternehmen hier keinesfalls vor Wirtschaftsspionage. Insbesondere auf Auslandsreisen darf sich keiner auf die Vertraulichkeit fremder Kommunikationsmittel vertrauen. "Denken Sie daran, wenn beim nächsten Asienaufenthalt ihr Geschäftspartner ihnen anbietet  das Bürotelefon zu nutzen", ergänzt der Sicherheitsexperte George.

Nur etwa 5 Prozent der Unternehmensdaten schützenswert

Wie soll ein Unternehmen oder auch das Risikomanagement nun konkret mit dem Thema umgehen? Es ist offensichtlich, dass es weder möglich noch sinnvoll ist, alle nur denkbaren Informationen in einem Unternehmen zu schützen. Ein Blick in die Praxis zeigt, dass nur etwa fünf Prozent der Unternehmensdaten identifiziert und gezielt geschützt werden, die ihr Fortbestehen auf dem Markt sichern. Herkömmliche technische Sicherheitsstandards – wie Firewall und Antivirenschutz – können im Hinblick auf die heutige Vernetzung und Schnittstellenvielfalt nicht mehr ausreichen. Das Ziel muss heißen: Informationsbezogene Sicherheit. Diese Strategie zum Know-how-Schutz bezieht sich jedoch nicht nur auf IT-Systeme, sondern gilt umfassend im ganzen Unternehmen. Die Einbindung des Menschen sowie organisatorische Regelungen für den Umgang mit besonderen Daten müssen mindestens gleichberechtigt berücksichtigt werden. Denn nur ein loyaler und gut geschulter Mitarbeiter kann sich vom Sicherheitsrisiko zum Sicherheitsfaktor wandeln und damit wesentlich zur Gesamtsicherheit des Unternehmens beitragen.

 

[Bildquelle: iStockPhoto]




Kommentare

bert, Donnerstag, 20.10.2011 - 20:12:
Gelungener Text. Leider haben viele Unternehmen die Bedrohungen infolge von Wirtschaftsspionage nicht auf dem Monitor. Wirtschaftsspionage findet immer nur bei den anderen statt ...
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