www.risknet.de - Dienstag, 22. Mai 2012
Druckversion der Seite "Detailansicht NEWS"
(URL: http://www.risknet.de/479.html)
Analyse des Internationalen Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat davor gewarnt, dass sich das Weltfinanzsystem tief in der Gefahrenzone befindet. In seinem Bericht zur Stabilität des Finanzsystems machte der IWF deutlich, dass sich das Risiko eines Zusammenbruchs durch Eurokrise und angeschlagene Banken erhöht habe. "Trotz der intensiven Bemühungen europäischer Politiker hat sich die Situation noch nicht entspannt", sagte der Direktor der Finanzmarktabteilung, José Vinals. Seine größte Sorge ist der dysfunktionale Markt für Staatsanleihen und der ausgetrocknete Interbankenmarkt.
Falls die Banken weiter ihre Bilanzen verkürzen und die Kreditvergabe einschränken, erwartet der IWF einen negativen Niederschlag auf die Realwirtschaft. Vor allem die extremen Ausschläge bei den Renditen auf die Schuldtitel einiger Euroländer seien ein deutliches Zeichen, dass die Bedrohung durch unkontrollierte Staatspleiten bestehe. Allein die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nach IWF-Einschätzung Schlimmeres verhindert. "Die Krise in Europa ist von der Peripherie ins Zentrum vorgedrungen", hieß es im Statement des Währungsfonds.
Mit dem angestrebten Fiskalpakt, strengeren Eigenkapitalvorschriften für Banken und der aktiven EZB-Geldpolitik haben die europäischen Staats-und Regierungschefs nach den Worten von IWF-Direktor Vinals "wichtige Schritte" unternommen. Dennoch bleibe die Eurozone im roten Bereich. Der IWF forderte die Euroländer auf, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Dafür empfahlen die Experten Reformen und zur Überbrückung Hilfe von außen.
"Der europäische Rettungsschirm EFSF kann jetzt auf dem Markt für Staatsanleihen aktiv werden, auch wenn seine Finanzkraft nicht ausreichend ist", hieß es im IWF-Bericht. Das enorme dreijährige Repo-Geschäft der EZB von Mitte Dezember habe den Stress im Interbankenmarkt deutlich abgeschwächt. Eine Aufstockung des Ausleihvolumens für den ständigen Europäischen Rettungsschirm (ESM) sei "hochgradig wünschenswert". Bis dato bleibt der EZB nach Ansicht der IWF-Experten nichts anders übrig, als diese Lücke zu füllen.
Der Währungsfonds ermahnte auch die USA und Japan, mittelfristig ihre Schuldenberge anzupacken. "Die US-Wirtschaft bleibt anfällig für Schocks aus Europa, weil Handel und Finanzsystem eng miteinander verflochten sind." Die Schwellenländer zeigten sich bisher hingegen widerstandsfähig. Sie kämpften gegenwärtig mit dem Kapitalabzug durch ausländische Investoren. "Die Schwellenländer sollten mit einer antizyklischen Politik dem Abwärtstrend begegnen", sagte IWF-Direktor Vinals. In der Tat verfügten viele aufstrebende Volkswirtschaften über einen Schatz aus Devisenreserven, den sie nach Überzeugung des IWF gegen Kapitalschocks einsetzen sollten.
[Bildquelle: iStockPhoto]
© 1999-2012 RiskNET GmbH - The Risk Management Network