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Mit höchster krimineller Energie und scheinbar unerschöpflicher Kreativität werden bei Unternehmen im In- und Ausland Jahresabschlüsse gefälscht....

Bilanzskandale – Delikte und Gegenmaßnahmen

Von: Volker H. Peemöller, Stefan Hofmann, 303 S., Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005.

10. Juli 2006, 10:00

Mit höchster krimineller Energie und scheinbar unerschöpflicher Kreativität werden bei Unternehmen im In- und Ausland Jahresabschlüsse gefälscht. Ahold, Enron, Flowtex, Parmalat, WorldCom – Namen, die durch spektakuläre Bilanzskandale traurige Bekanntheit erlangten. Der Schaden ist nicht nur für Gläubiger und Aktionäre enorm. Durch den hohen Vertrauensverlust sind auch Unternehmen stark betroffen, die korrekt bilanzieren. Zunehmend geraten aber auch Prüfer in die Schusslinie, weil sie selbst offensichtliche „Red Flags“ häufig übersehen.

Wie aber gehen Bilanzfälscher eigentlich vor? Wann wird es kriminell?

Das Buch von Peemöller und Hofmann skizziert 33 Einzelfallstudien von Bilanzskandalen aus verschiedenen Ländern. Zunächst jedoch werden im ersten Kapitel des Buches Begrifflichkeiten wie etwa Wirtschaftskriminalität, Bilanzdelikt/-skandal, „Window dressing“ und die Begriffe progressive und konservative Bilanzierung definiert, die für das Verständnis des Buches wichtig sind. So werden die Bilanzskandale von Enron und WorldCom, Parmalat, SairGroup, Herstatt-Bank, Neue Heimat, Co op, Metallgesellschaft, Bremer Vulkan und Philipp Holzmann skizziert. Bei einem etwa 300 Seiten umfassenden Buch ist es klar, dass sich die Autoren hier auf die wesentlichen Aspekte beschränkten.

Im folgenden dritten Kapitel werden – basierend auf den Einzelfallstudien – die Manipulationsmöglichkeiten in der Bilanz, der GuV, dem Anhang und Lagebericht in tabellarischen Übersichten in einer komprimierten Form dargestellt. Hierbei wird auch deutlich, dass viele Bilanzskandale nicht durch die Unternehmensüberwachungsorgane aufgedeckt wurden, sondern durch Recherchen von Wirtschaftsjournalisten (siehe Neue Heimat und Co op) oder durch Meldungen von ehemaligen Mitarbeitern.

Im anschließenden Kapitel 4 wird dann ausführlich auf die potenziellen Präventivmaßnahmen im Bereich der Corporate Governance eingegangen. Als wesentliche Komponenten gelten hier die Aktionäre bzw. die Hauptversammlung, die Unternehmensleitung, die interne Revision, der Aufsichtsrat, sowie die Abschlussprüfer. In diesem Kontext skizzieren die Autoren auch die Weiterentwicklung eines risikoorientierten Prüfungsansatzes zu einem Fraud- & Error-orientierten Prüfungsansatzes. Hat sich ein Verdacht auf kriminelle Handlungen bestätigt, so ist der Abschlussprüfer verpflichtet, hierüber unverzüglich den Aufsichtsrat zu informieren. Eine Offenlegung gegenüber Dritten (etwa Aktionären, Gläubigern oder der Staatsanwaltschaft) ist aufgrund der gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht des Abschlussprüfers gemäß § 43 I WPO, § 323 I HGB und § 203 I StGB unzulässig. Um Bilanzdelikte in Zukunft frühzeitig und effektiv bekämpfen zu können, wäre an eine Lockerung dieser Schweigepflicht zu denken, so die Autoren. Bei bestehendem Tatverdacht sollte eine Anzeigepflicht des Abschlussprüfers gegenüber staatlichen Ermittlungsbehörden eingeführt werden.

Ein Überblick über alle wesentlichen gesetzgeberischen Reformen – vom Sarbanes-Oxley Act in den USA bis hin zum „10-Punkte-Programm“ in Deutschland – rundet dieses Grundlagenwerk ab.

Das Buch ist in einer schnörkellosen und leicht verständlichen Sprache geschrieben. Insbesondere durch die 33 Fallstudien erhält das Buch eine hohe Praxisrelevanz und kann uneingeschränkt vor allem allen Unternehmenslenkern und Führungskräften, Aufsichtsratsmitgliedern, Wirtschaftsprüfern und Mitgliedern von Prüfungsausschüssen empfohlen werden.

 

Rezension von Frank Romeike

 

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