Book Review

Ansätze und Methoden für die betriebliche Praxis

Verhaltensorientierte Compliance

Redaktion RiskNET14.07.2017, 13:23

Es ist eine eher triviale Erkenntnis, dass unternehmerisches Handeln unweigerlich mit dem Eingehen von Risiken verbunden ist. Menschen und Unternehmen, die jedes Risiko scheuen, gehen das größte Risiko ein. Im Kontext Compliance sollten Unternehmen vor allem verstehen, dass persönliche Integrität und eine gelebte Führungsverantwortung unverzichtbar ist und die Basis "guter" Corporate Governance bildet. Alle anderen Systeme in einem Unternehmen bauen hierauf auf. Hierbei sollte jedoch auch beachtet werden, dass die Umsetzung mit Augenmaß erfolgt und Unternehmen auch die "Risiken und Nebenwirkungen" bürokratischer, "verzettelter" und ausufernder Kontroll- und Compliancesysteme auf dem Radar haben. Risiko- und Compliancemanagement muss in einer Organisation tagtäglich gelebt werden!

In ihrem Buch "Verhaltensorientierte Compliance" weisen die Autoren und Praktiker Thomas Schneider und Carina Geckert richtigerweise darauf hin, dass Compliance als unternehmerische Kernfunktion erst dann wirkungsvoll ist, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Compliance muss zu offener Kommunikation ermutigen und compliance-konforme Verhaltensweisen bestärkt, statt an erster Stelle mögliche Verstöße in den Blick zu nehmen.

Im ersten Teil des Buches konzentrieren sich die Autoren auf die Aspekte der Verhaltenswissenschaften sowie die Verknüpfung von Compliance und Verhaltenswissenschaften. Die Teile zwei bis vier bauen auf der in den Verhaltenswissenschaften gängigen Einteilung in Individuum, Gruppe und Organisation auf. Dabei bezieht sich der zweite Teil auf das Individuum, den Leser als Compliance-Officer. Im dritten Teil werden die Compliance-Abteilung als Gruppe, als auch weitere Gruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens betrachtet. Im vorletzten Teil steht das gesamte Unternehmen im Mittelpunkt. Dabei stellt die Unternehmensleitung einen Schwerpunkt dar, die sich aus unterschiedlichen Individuen zusammensetzt, womit wiederum ein Bezug zum zweiten Kapitel hergestellt ist. Der fünfte und zugleich letzte Teil thematisiert die Umsetzung der bis dahin entwickelten Thesen unter dem Begriff der "wirksamen Compliance".

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Komplexität der Compliance sich nur dann erschließt, wenn unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. "Die Verhaltenswissenschaften bieten hierfür die notwendigen Instrumentarien", so die Autoren.

Der Mehrwert des Buches liegt darin, dass die Autoren eine andere Perspektive des komplexen Themas Compliance einnehmen. Sie betrachten Compliance nicht rein aus der Perspektive einer Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien, aber auch freiwilligen Kodizes in Unternehmen.

Diese mehrdimensionale Sicht eröffnet die Möglichkeit einer kritischen Selbstreflektion. Daher ist das Buch nicht als (eine weitere) Einführung in das Thema Compliance zu verstehen, sondern eher als kritischer Kommentar aus der Perspektive der Praxis, um Compliance-Systeme durch die Einführung einer verhaltenswissenschaftlichen Perspektive in die Richtung eines Pareto-Optimums zu entwickeln. Doch eine Warnung vorab: Auch für Compliance-Profis gestaltet sich die Lektüre an einigen Stellen recht zäh. Mitunter kommen Zweifel an der Angemessenheit des Untertitels "Ansätze und Methoden für die betriebliche Praxis" auf. Hilfreich wären hier einige "Good Practice"-Beispiele gewesen, die aufzeigen, wie die "Risiken und Nebenwirkungen" bürokratischer und/oder "verzettelter" Compliance-System erfolgreich umschifft werden.


Review details

Author: Thomas Schneider | Carina Geckert
Number of pages: 211
Publisher: Erich Schmidt Verlag
Place of publication: Berlin
Date of publication: 2017

RiskNET rating:

befriedigend practical relevance
gut content
befriedigend understandability
gut total rating

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