Book Review

Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Heike Brost et al. (Hg.), 488 S., Bankakademie Verlag, Frankfurt 2005.20.10.2006, 19:10

Viele familiengeführte mittelständische Unternehmen stehen bereits heute und in den kommenden Jahren vor der Herausforderungen, einen geeigneten Nachfolger oder Nachfolgerin zu finden. In verschiedener Hinsicht sind Überlegungen anzustellen, wie eine geordnete Unternehmensübergabe gewährleistet werden kann. Welche Aspekte bei einem solchen Übergabeprozess zu betrachten sind, ist Gegenstand des bereits in der zweiten Auflage erschienen Buches.

Einleitend werden aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Erkenntnisse zum Thema Unternehmensnachfolge dargestellt; bis hin zu einem Vorschlag, was eine ‚Familiencharta’ als Familienstrategie für eine Übergabe beinhalten soll. Ein breiter Raum wird dem Thema Finanzierung gewidmet, was mit der Fragestellung endet, was nutzt ein Merger & Aquisition (M&A) Berater.
Bei den dabei zu berücksichtigenden zentralen Fragen der Finanzierung stehen nach wie vor die klassischen Bankkredite im Vordergrund, teils in Verbindung mit speziellen Förderprogrammen. Zunehmend werden auch alternative Finanzierungsformen wie Mezzanine Capital und privates Beteiligungskapital eingesetzt. Auf Grund des erforderlichen Volumens einzelner Finanzierungsprogramme, sind nicht alle Optionen für mittelständische Unternehmen nutzbar. Bedacht werden auch rechtlich und steuerrechtliche  Fragen wie z.B. welche Strategien und rechtliche Verpflichtungen die handelnden Parteien jeweils vor, während und nach Abschluss des Kaufvertrages eingehen und wie die unterschiedlichen Interessen rechtlich abzusichern sind. Berücksichtigt wird auch das Thema Erbschaft oder aus steuerrechtlicher Sicht die Frage was zu beachten ist, wenn einzelne Wirtschäftsgüter bei der Firmenübergabe nicht berücksichtigt werden sollen.
Auch wenn die Finanzen und deren Aspekte geordnet sind so zeigt sich, warum die Psychologie sowohl der aktiven als auch nicht – aktiven Familienmitglieder eine wichtige Rolle in diesem Prozess einnimmt. Die zwei aufgeführten Kurzbeispiele der Sektkellerei Kessler und des Bankhauses Julius Bär geben hierfür ein Beispiel. Praktische Fallbeispiele und Erfahrungsberichte runden das Buch thematisch ab.

Auf 488 Seiten beschreiben die Autoren in einer komprimierten Form die Grundlagen und Facetten, die bei der Regulierung der Unternehmensnachfolge zu beachten sind. Es werden die in kleinen und mittelgroßen Unternehmen erforderlichen Maßnahmen zur Vorbereitung und Durchführung der Unternehmensnachfolge aufgezeigt. Generell bleibt die Erkenntnis, dass der Prozess der Nachfolgefindung bis zur Realisierung der Übergabe eine intensive Vorbereitung unter Beteiligung aller relevanten Familienteilnehmer erfordert, wobei insbesondere alle kritischen Aspekte offen diskutiert werden müssen.

Was geschieht aber, wenn die große Anzahl der notwendigen Unternehmensnachfolge nicht im positiven Sinn bewältigt wird? Entweder mangels fehlende oder geeignete Nachfolge innerhalb der Familie oder im Unternehmen, oder weil Familienmitglieder kein Interesse am Unternehmen haben und lieber einen Investor suchen, um sich so ein "gehobeneres Freizeitvergnügen auf Mallorca" zu gönnen. Für ein Land wie die Bundesrepublik hat dies eine hohe ökonomische Bedeutung.
Mit diesem Buch erhält der interessierte Leser eine Vielzahl von Anregungen zu diesem Thema.

 

Rezension von Christoph Tigges (IBM Deutschland)


Review details

Author: Heike Brost et al. (Hg.)
Number of pages: 488
Publisher: Bankakademie Verlag
Place of publication: Frankfurt
Date of publication: 2005

RiskNET rating:

sehr gut total rating

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