Book Review

Umfassender Überblick über das OpRisk-Management

Steuerung Operationeller Risiken in Finanzinstituten

Sabine Abenthum, 260 Seiten, Frankfurt School Verlag, Frankfurt/Main 2012.30.08.2013, 07:15

Das Management operationeller Risiken stellt nach wie vor eine große Herausforderung für Finanzinstitute dar. Seit Basel II und der Verpflichtung, Eigenmittel für operationelle Risiken zu unterlegen, müssen Finanzinstitute sowie Bankenaufsicht sicherstellen, dass operationelle Risiken frühzeitig erkannt und gesteuert werden. Dazu gehören unter anderem Mitarbeiterrisiken bzw. menschliches Versagen, Infrastruktur- und Systemrisiken, IT- und Prozessrisiken sowie externe Ereignisse.

Das vorliegende Buch gibt einen umfassenden Einblick in Aufgabenbereiche und Instrumente des Managements operationeller Risiken unter Berücksichtigung regulatorischer Vorschriften. Nach einer allgemeinen Begriffsdefinition wird eine Abgrenzung zu anderen Risikoarten vorgenommen. Zudem werden wesentliche gesetzliche Grundlagen vorgestellt. Dazu zählen unter anderem die CRD IV und Solvabilitätsverordnung, Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) sowie internationale Regulierungen wie die Principles for the Sound Management of Operational Risks, die Guidelines for the Implementation, Validation and Assessment of AMA and IRB Approaches sowie die Supervisory Guidelines for the Advanced Measurement Approaches.

Der Darstellung des eigentlichen OpRisk-Managements wird viel Raum gegeben. Aufgezeigt werden auch Schnittstellen zu anderen Risikokategorien wie Rechtsrisiken, strategische Risiken, Reputationsrisiken und Kreditrisiken sowie das Zusammenwirken von Risikoereignis, Risikoevent und Risikoeffekt. Neben organisatorischen Rahmenbedingungen und einem Beispiel für eine Risikostrategie werden Rollen und Verantwortlichkeiten geklärt und der Risikomanagement-Kreislauf detailliert erörtert. Schließlich wird auf Ursachenkategorien des operationellen Risikos eingegangen und wie diese gesteuert werden können. Das Eigenkapitalerfordernis der verschiedenen Ansätze wird ebenso erläutert wie die Quantifizierungsmethoden. Dargestellt werden Value at Risk und Extremwerttheorie, Verlustverteilungs- sowie interner Berechnungsansatz, Szenarioanalyse, Fuzzy Logic sowie Bayesianische und neuronale Netze. Darüber hinaus erhält der Leser Informationen über die Validierung operationeller Risikomanagementsysteme und wie eine risikosensitive Steuerung von OpRisk erfolgen kann.

Zahlreiche Beispiele verdeutlichen die Zusammenhänge und machen das Buch sowohl für Studenten interessant, die sich einen Überblick in das Management operationeller Risiken verschaffen wollen, als auch für Operationelle Risikocontroller, die ihr Wissen vertiefen möchten und gleichzeitig auf der Suche nach neuen Ideen für ein erfolgreiches Risikomanagement sind. Eines der bekanntesten Beispiele für Unternehmenszusammenbrüche, die sich auf operationelle Risiken zurückführen lassen, ist der Zusammenbruch der Barings Bank im Jahr 1995 durch fehlende Trennung der Verantwortlichkeiten und mangelhafte Überwachung des Händlers Nicholas Leeson in Singapur sowie erhebliche Verluste bei Morgan Grenfell Asset Management basierend auf der Verletzung der Anlagevorschriften für Aktienfonds durch Peter Young im Jahr 1997. Auch die terroristischen Anschläge vom 11. September 2001 fallen in die Kategorie der operationellen Risiken.

Sehr häufig sind operationelle Risiken in einer Kausalkette mit strategischen Risiken bzw. dem Strategischen Management verbunden. Operationelle Risiken können allgemein in

  • operative und
  • strategische Risiken

unterteilt werden. Technische Risiken, Katastrophen- und Verhaltensrisiken können zu den operativen Risiken gezählt werden, während die strategischen Risiken im Wesentlichen Investitions- und Ereignisrisiken umfassen.

Operationelle Risiken resultieren aus der Gefahr von Verlusten, die aufgrund der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen oder Systemen oder von externen Ereignissen eintreten. Verallgemeinernd kann man sagen, dass operationelle Risiken aus Schwächen in den Geschäftsprozessen, in der Informationstechnologie, beim Personal oder in der Unternehmenskultur resultieren. Damit wird deutlich, dass operationelle Risiken in fast allen Unternehmensbereichen und Branchen latent vorhanden sind. Insbesondere fehlerhafte Methoden, inadäquate Prozesse sowie ungenügende Kontrollmechanismen sowie ineffiziente Abläufe können in kürzester Zeit irreversible Schäden anrichten.

Autor: Dr. Stefan Hirschmann


Review details

Author: Sabine Abenthum
Number of pages: 260
Publisher: Frankfurt School Verlag
Place of publication: Frankfurt/Main
Date of publication: 2012

RiskNET rating:

sehr gut total rating

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