Book Review

Wiley-Schnellkurs

Statistik

Redaktion RiskNET05.05.2015, 18:55

Über den Sinn und Unsinn von Statistik wird seit Menschengedenken kritisch diskutiert. So wird beispielsweise der deutsche Schriftsteller Martin Kessel mit dem Satz "Die Statistik ist das Märchen der Vernunft" zitiert. Der britische Staatsmann und erfolgreiche Romanschriftsteller Benjamin Disraeli geht einen Schritt weiter und ist davon überzeugt, dass es drei Arten von Lügen gibt: Lügen, infame Lügen und Statistiken.

Häufig liegt der Grund für eine gewisse Skepsis beziehungsweise Ablehnung von statistischen Methoden an nicht vorhandenem Methodenwissen. Ein Beispiel ist die fehlerhafte Interpretation von Korrelationen und Kausalitäten. Eine hohe Korrelation zwischen zwei Variablen bedeutet nicht, dass die beiden Variablen kausal miteinander zusammenhängen. So kann beispielsweise zwischen der Storchenpopulation und Geburtenrate statistisch eine hohe Korrelation berechnet werden. Grundsätzlich könnte es sich (theoretisch) bei der Beziehung der beiden Variablen um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung handeln. Variable A kann Ursache von B sein, oder B kann Ursache von A sein. Möglich ist aber auch, dass keines von beidem Ursache von irgendwas ist. Stattdessen existiert möglicherweise eine dritte Variable, die A und B beeinflusst hat. Dies ist in dem konkreten Beispiel die Industrialisierung, die sowohl zu einem Absinken der Geburtenrate als auch zu einer verringerten Storchenpopulation geführt hat.

Der Wiley-Schnellkurs Statistik bietet auf 268 Seiten eine verständliche und praxisorientierte Einführung in die Welt der beschreibenden und schließenden Statistik. Das Buch gliedert sich in insgesamt acht Kapitel. Die ersten vier Kapitel konzentrieren sich dabei auf die deskriptive Statistik (auch beschreibende Statistik oder empirische Statistik). Mit den Methoden der deskriptiven Statistik werden quantitative Daten zu Tabellen, graphischen Darstellungen und Kennzahlen verdichtet. Die letzten vier Kapitel setzen sich hierauf aufbauend mit der induktiven Statistik (auch schließende Statistik oder Inferenzstatistik) auseinander. Die Wahrscheinlichkeitstheorie liefert die Grundlagen für die erforderlichen Schätz- und Testverfahren.

Nach einer Einführung in die Grundbegriffe des Statistik (Stichprobe, Skalierung, Häufigkeitsverteilung etc.)  beschäftigt sich das zweite Kapitel mit Mittelwerten und Streuwerten. Nach Durcharbeitung des Kapitels sollte der Leser wissen, bei welcher Art von Aufgabenstellung welche Kennzahlen sinnvoll angewendet werden sollten. Im dritten Kapitel dreht sich alles um Abhängigkeiten von Daten, das heißt vor allem um Korrelation und Regression. Hierbei konzentriert sich der Autor auf die gleichzeitige Analyse von zwei Merkmalen (Bivariate Analysen) und streift die Analyse von mehr als zwei Merkmalen (Multivariate Analyse) nur kurz. Das anschließende vierte Kapitel setzt sich mit Merkmalswerten auseinander, die über einen Zeitraum gemessen werden. Dies könnte beispielsweise ein Aktienindex über die Zeit sein. In dem Kapitel werden die Themen Messzahlen, Indizes, Zeitreihenanalyse, Trendbestimmung sowie Saisonbereinigung behandelt.

Kapitel 5 skizziert die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, das mathematische Teilgebiet der Stochastik. Die zentralen Objekte der Wahrscheinlichkeitstheorie sind zufällige Ereignisse, Zufallsvariablen und stochastische Prozesse. Das anschließende Kapitel 6 setzt sich mit Zufallsvariablen und ihren Verteilungen auseinander. Ziel der in Kapitel 7 beschriebenen statistischen Schätzverfahren ist es, die Frage zu beantworten, wie unbekannte Parameter der Grundgesamtheit aus Stichproben geschätzt werden können. Das abschließende achte Kapitel skizziert die wesentlichen statistischen Testverfahren.

Ein Glossar erläutern kurz und knapp die wesentlichen Begriffe. Die vielen Beispiele unterstützen den Leser dabei, die abstrakten Formeln und Begriffe zu verstehen und deren praktische Anwendungen zu üben. Das Buch kann Einsteigern in die spannende Welt der "Methoden zum Umgang mit quantitativen Informationen" wärmstens empfohlen werden. Vermisst habe ich lediglich weiterführende Literaturhinweise für die Leser, die das eine oder andere Thema vertiefen möchten.


Review details

Author: Reiner Kurzhals
Number of pages: 268
Publisher: Wiley-VCH Verlag
Place of publication: Weinheim
Date of publication: 2015

RiskNET rating:

sehr gut practical relevance
gut content
gut understandability
sehr gut total rating

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