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Book Review

Darstellung der komplexen Materie praxisnah und verständlich, ohne dabei die erforderliche inhaltliche Tiefe zu vernachlässigen.

Islamic Finance – Einführung in Theorie und Praxis

Michael Mahlknecht, Wiley-VCH, 329 Seiten, Weinheim 2009.28.07.2009, 12:00

Das Interesse an (wie auch immer definierten) "ethischen" Investments nahm in den letzten Jahren stetig zu. In jüngster Zeit hat sich dieser Trend nochmals verstärkt – unter anderem, da sich Anlagen, die nicht nur wert-, sondern auch werteorientiert sind, in der Finanzkrise als stabiler erwiesen haben als manch andere Assetklasse. Insbesondere das ebenso komplexe wie vielschichtige Gebiet des Islamischen Finanzwesens rückte in diesem Zusammenhang verstärkt in den Fokus, wobei hierfür  die Tatsache mit ausschlaggebend sein mag, dass der rapide wachsende Markt für "Islamic Finance"-Produkte auch für westliche Banken immer interessanter wird. In Anbetracht dieser Entwicklung verwundert es fast schon, dass das Angebot an geeigneter Literatur zu diesem Thema bislang eher spärlich war. Mit dem vorliegenden Buch von Michael Mahlknecht wird diese Lücke geschlossen.

Im grundlegenden ersten Teil  stellt der Autor die wichtigsten Ge- und Verbote der Scharia (beispielsweise das Zins- und Glückspielverbot) dar, die im Rahmen der Islamic Finance relevant sind. Des Weiteren erfolgt eine Beschreiung der formalen Anforderungen an Verträge und des wichtigen Statuts des Versprechens sowie der Konsequenzen und Einschränkungen, die sich hieraus für Finanzgeschäfte ergeben (beispielsweise das  Verbot von Leerverkäufen oder konventionellen Versicherungen) . Der zweite Teil des Buches widmet sich der Struktur und der Entwicklung (bzgl. Volumen, Wachstumsraten, maßgebliche Institutionen etc.) des islamischen Finanzmarkts, wobei  der Situation in Europa und vor allem in Deutschland besondere Beachtung geschenkt wird. Im dritten Teil beschreibt der Autor ausführlich die unterschiedlichen islamischen Grundgeschäfte  (etwa den Kreditverkauf, Termingeschäfte oder scharia-konforme Arten von Derivaten und Hedging-Ansätzen). Im vierten Teil erfolgt schließlich die Darstellung der unterschiedlichen Anwendungen dieser Grundgeschäfte – sei  als einfache islamische Fonds, strukturierte Produkte und Versicherungen oder aber in Form komplexer Produkte, mit deren Hilfe sich konventionelle Derivate wie Kauf- und Verkaufsoptionen auf der Basis islamischer Geschäfte weitgehend nachbilden lassen. Aus der Sicht des Praktikers erscheint hierbei vor allem die Tatsache interessant und nützlich, dass der Autor der Frage breiten Raum widmet, wie deutsche Banken und Versicherungen scharia-konforme Produkte entwickeln und sich dadurch neue Kundengruppen erschließen können. Insofern besteht ein wichtiges Verdienst des Buches auch darin, eventuelle Vorbehalte gegenüber Produkten des Islamischen Finanzwesens abzubauen.

Mit seinem Buch legt Michael Mahlknecht ein umfassendes Werk zum Thema "Islamic Finance" vor, das dem Einsteiger einen ausführlichen Überblick aller relevanten Facetten dieses Gebiets vermittelt und auch dem Fortgeschrittenen mit Sicherheit noch zahlreiche Denkanstöße und Hilfen (etwa bei der quantitativen Abbildung der unterschiedlichen Geschäfte) zu bieten hat. Nicht zuletzt durch die vielen Fallbeispiele gelingt es dem Autor stets, die komplexe Materie praxisnah und verständlich darzustellen, ohne dabei die erforderliche inhaltliche Tiefe zu vernachlässigen. Insgesamt besitzt das Buch somit alle Voraussetzungen, um sich zum Standardwerk auf dem Gebiet der "Islamic Finance" zu entwickeln. Es kann allen Interessierten ohne jede Einschränkung empfohlen werden.

Rezension von Dr. Roland F. Erben


Review details

Author: Michael Mahlknecht
Number of pages: 329
Publisher: Wiley-VCH
Place of publication: Weinheim
Date of publication: 2009

RiskNET rating:

sehr gut total rating

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