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Book Review

Handbuch des Wirtschafts- und Steuerstrafrechts

Heinz-Bernd Wabnitz; Thomas Janovsky (Hrsg.), 1811 S., Verlag C.H. Beck 2007.05.07.2007, 07:10

Ein „Klassiker“ dieses Umfangs schon nach drei Jahren in Neuauflage? Man geht mit hohen Erwartungen an das Buch heran – und wird nicht enttäuscht. Die überwiegend im Bereich der Strafverfolgung tätigen 25 Autoren bereiten die sehr praxisrelevante Thematik umfassend und übersichtlich auf.

Einführend erhält der Leser einen Überblick zur Entwicklung des Wirtschaftsstrafrechts in der Bundesrepublik sowie zu den Problemen, die bei der Verfolgung von Wirtschaftsdelikten mit internationalen Bezügen zu beachten sind. Anschließend finden sich in einem ersten materiell-rechtlichen Teil detaillierte Erläuterungen zur bundesdeutschen Rechtslage. Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die umfänglichen Darstellungen zu den Insolvenzdelikten, zum Bank- und Geldanlagebereich sowie zum Korruptionsstrafrecht. Angesichts der vielfältigen aktuellen Aktivitäten der Ermittlungsbehörden im Bereich des Gesundheitswesen verdient ferner das Kapitel zu Straftaten im Gesundheitswesen besondere Erwähnung. Der Leser wird überdies lückenlos über Straftaten im unternehmerischen Bereich informiert. Die Erläuterungen beginnen hier bei der Computerkriminalität, erstrecken sich auf den Schutz von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, stellen Fragen der Produkt- und Markenzeichenpiraterie dar und widmen sich auch dem Kartellrecht sowie den Möglichkeiten, Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung zu bekämpfen. Der nächste Teil des Handbuchs befasst sich mit dem Steuerstrafrecht im nationalen und internationalen Bereich, den Besonderheiten von Zollstraftaten sowie dem Außenwirtschaftsstrafrecht. Es schließt sich ein umfangreiches Kapital zu Spezifika im Ermittlungs- und Strafverfahren an. Dieser abschließende verfahrensrechtliche Teil umfasst etwa Rechtshilfefragen und – aus der Sicht des Geschädigten besonders relevant - Probleme der Vermögenssicherung sowie der strafprozessualen Rückgewinnungshilfe. Er klärt aber auch über Besonderheiten der Beweiserhebung und –sicherung bei Wirtschaftsdelikten auf und schildert die Wege der Ermittlungsbehörden, durch Zusammenarbeit mit anderen Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene möglichst effiziente Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Trotz seiner breiten Anlage und den vielen beteiligten Autoren finden sich kaum redundante Ausführungen. Die Erklärungen sind aktuell und durchgängig auf dem Stand Mitte/Ende 2006. Fachliteratur und Rechtsprechung wurden umfassend und lückenlos eingearbeitet, wobei man einigen Autoren ihr persönliche Leidenschaft ganz besonders anmerkt. So befasst sich etwa Kummer – Leiter des Finanzamts Erlangen - im Rahmen seiner Erläuterungen zum Steuerstrafrecht mit der Tätigkeit der Finanzbehörden, der Steuerfahndungsstellen und der justitiellen Sanktionspraxis mit besonderem „Herzblut“: Seine kritischen Ausführungen zur Ahndung von Steuerdelikten (§ 18 Rdnr. 82ff.) mahnen zu mehr Sorgfalt und zur verstärkten Beachtung generalpräventiver Aspekte in einem Deliktsbereich, der zumindest von Teilen der Strafgerichte eher der Bagatellkriminalität zugerechnet wird. Auch Bannenberg verweist in ihren engagierten Ausführungen zum Korruptionsstrafrecht (§ 10) auf die – mittlerweile leider festzustellende – Verbreitung des „Geben und Nehmens“, das den Alltag von Großbetrieben und Teilen der Verwaltung, zumal im Bereich der Vergabe öffentlicher Aufträge, partiell bestimmt.

Auch die Neuauflage des Handbuchs verdient das Prädikat „Klassiker“ ohne Einschränkung. Strafverfolger, Angehörige der rechts- und steuerberatenden Berufe und Unternehmensorgane können sich zuverlässig, umfassend, aktuell und objektiv über sämtliche relevanten Rechts- und Verfahrensfragen im Bereich des deutschen und internationalen Wirtschafts- und Steuerstrafrechts informieren. Das Buch sollte in keiner einschlägigen Handbibliothek fehlen.

Autor der Rezension: Oberstaatsanwalt Raimund Weyand, St. Ingbert


Review details

Author: Heinz-Bernd Wabnitz; Thomas Janovsky (Hrsg.)
Number of pages: 1811
Publisher: Verlag C.H. Beck
Date of publication: 2007

RiskNET rating:

sehr gut total rating

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