Book Review

Handbuch der wert- und risikoorientierten Steuerung von Versicherungsunternehmen

Tristan Nguyen, Verlag Versicherungswirtschaft, 529 Seiten, Karlsruhe 2008.29.04.2008, 08:45

Wirtschaftliches Handeln bedeutet für alle Unternehmen auch immer, Risiken einzugehen. In der Versicherungswirtschaft basiert das Geschäftsmodell darauf, gezielt Risiken zu übernehmen. In diesem Zusammenhang werden Risiken als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Gefahren (negative Abweichungen). Der Versicherer übernimmt für die Versicherungsnehmer einen Risikoausgleich im Portfolio und in der Zeit. In diesem Kontext wird schnell deutlich, dass der langfristige Erfolg eines Versicherungsunternehmens durch das Wert- und Risikomanagement bestimmt wird, da der Unternehmenswert – als Erfolgsmaßstab – erwartete Erträge und Risiken miteinander verbindet und in eine Balance bringt.

Ein wert- und risikoorientiertes Management zeichnet sich durch seine Orientierung am langfristigen Erfolg und die Berücksichtigung von Risiken durch die Unvorhersehbarkeit der Zukunft aus. Höhere Risiken führen zu einem höheren Kapitalkostensatz, d. h. zu höheren Mindestanforderungen an die zu erwartende Rendite. Eine risikoorientierte Unternehmensführung bezeichnet ein Managementkonzept, das insgesamt dazu beiträgt, Transparenz über den Risikoumfang in einer Organisation bzw. in einem Unternehmen zu schaffen und Entscheidungen unter Unsicherheit durch die Unternehmensführung zu unterstützen.

Das vorliegende Buch von Tristan Nguyen bietet eine umfassende und fundierte Einführung in die Konzepte der wert- und risikoorientierten Unternehmenssteuerung in der Assekuranz. Das Buch gliedert sich in insgesamt vier Themenblöcke. In einem einführenden ersten Kapitel konzentriert sich der Autor auf die Definition des Risikobegriffs, die Grundlagen des Risikomanagementprozesses sowie ausgewählte Risikomaße in der Versicherungstechnik. Hier hätte ich mir als Leser eine etwas größere Klarheit bei der Definition einzelner Risikomaße gewünscht. Die folgende Definition hilft dem Leser leider nur sehr eingeschränkt: „In der Literatur wird vom Value-at-Risk somit auch oft als von demjenigen maximalen und minimalen Kapital gesprochen, das vorgehalten werden muss, um einen technischen Ruin zu verhindern“ (Seite 136). Hier hätte der Autor erwähnen sollen, dass der VaR nicht den maximalen Verlust eines Portfolios angibt, sondern den Verlust, der mit einer vorgegebene Wahrscheinlichkeit (Konfidenzintervall) nicht überschritten wird, durchaus aber überschritten werden kann! Bei den Nachteilen des VaR führt der Autor auch aus, dass die Gesamtschadenverteilung nicht berücksichtigt wird, so dass „heavy tails“, wie beispielsweise bei der Paretoverteilung, ausgeblendet werden. Kurzum: Das Gesamtrisiko wird bei „heavy tails“ unterschätzt.

Im anschließenden zweiten Kapitel wird eine Brücke zur wertorientierten Unternehmenssteuerung gebaut. Hierbei beschränkt sich der Autor nicht auf die Darstellung der allgemeinen Methoden (DCF, EVA, CAPM etc.), sondern setzt sich auch kritisch mit den entsprechenden Ansätzen auseinander. Im zweiten Kapitel erfährt der Leser auch die Grundlagen einer Kapitalallokation im Versicherungsunternehmen, die inhaltliche Ausgestaltung einer Wertbeitragsrechnung sowie Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit der Modellierung von Risikokapital. Nach einer Begriffsklärung (Risikokapital, Ökonomisches Risikokapital, Solvenzkapital, Ratingkapital) konzentriert sich das Kapitel primär auf die Berechnung des Soll- und Ist-Risikokapitals. Das abschließende vierte Kapitel setzt sich mit dem Reformprojekt der Europäischen Kommission zur Festlegung neuer Solvabilitätsvorschriften für Versicherungsunternehmen (Solvency II). Ziel von Solvency II ist es, ein risikoorientiertes Regelwerk für die Eigenmittelanforderungen von Versicherern in Europa zu schaffen.

Die umfassende Einführung in die wert- und risikoorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen richtet sich gleichermaßen an Studenten von Universitäten und Fachhochschulen sowie Praktikern in der Assekuranz und kann uneingeschränkt als Nachschlagewerk und Lehrbuch empfohlen werden.

Rezension von Frank Romeike


Review details

Author: Tristan Nguyen
Number of pages: 529
Publisher: Verlag Versicherungswirtschaft
Place of publication: Karlsruhe
Date of publication: 2008

RiskNET rating:

sehr gut total rating

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