Book Review

Warum wir alle die Welt nicht länger Politikern und Ökonomen überlassen dürfen

Die Wachstumslüge

Graeme Maxton, 326 Seiten, FinanzBuch Verlag, München 201211.10.2012, 10:40

Die gängige Ökonomie verlangt beständiges Wachstum, immer und überall und ohne Ausnahme. Ohne Rücksicht auf Verluste. Dass das auf Dauer nicht gut geht und gehen kann, ist mittlerweile nicht nur intellektuellen Kreisen klar. Rohstoffknappheit, Überbevölkerung und Schuldenkrise sind präsenter denn je. Weniger gängig und präsent sind profunde Analysen der Ursachen und aktuellen Entwicklungen, geschweige denn Lösungen.

Hier setzt das scharfsinnige Werk von Graeme Maxton an. Seine These, sein Ausgangspunkt und Appell: Das Wachstum hat seine Grenze, und wir müssen uns von der Illusion des unbegrenzten Wohlstands endgültig verabschieden. Der Autor  konfrontiert uns mit der weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Realität und schärft in seinem Buch den Blick für das große Ganze jenseits akuter Problemfelder. Seine gründliche und kritische Analyse enthüllt, woher wir kommen, wo wir stehen und was uns erwartet. Wir werden über kurz oder lang ärmer werden und ungesünder leben. Der Westen hat nicht das Recht auf Wohlstand abonniert, erst recht nicht ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht nur für Entscheider, sondern für jeden Einzelnen von uns ist es höchste Zeit, praktisch Verantwortung zu übernehmen.

Für Maxton ist klar: Wir alle dürfen die Welt nicht länger Politikern und Ökonomen überlassen.

Das Buch gliedert sich in vier Teile: Der erste Teil wendet sich dem Problemen zu, vor denen die Menschheit steht. Es geht ein auf die Schulden, die in der westlichen Welt vielfach aufgehäuft wurden, auf die vor uns liegenden Ressourcenengpässe und auf jene Fundamente der westlichen Gesellschaft, die bröckeln, weil wir nicht mehr präzise unterscheiden zwischen der relativen Freiheit, Dinge zu tun und zu lassen, und der unteilbaren Freiheit der Menschen. Graeme Maxton sieht die Verantwortung für die genannten Probleme bei den Ökonomen.

Der zweite Teil behandelt die Komplexitäten, die Hürden auf unserem Weg, die Barrieren, die es uns schwer machen werden, unsere weltumspannenden Probleme zu meistern. Betrachtet werden hier die vor allem in vielen Ländern sinkenden Bildungsstandards, der Niedergang der politischen Kultur in diversen westlichen Staaten und der Aufstieg der Volksrepublik China. Der wachsende Einfluss Chinas droht alle übrigen Probleme zu verschärfen, da die chinesische politische und ökonomische Philosophie bewährte Leitideen der Aufklärung – etwa zu Gleichheit, Privatsphäre, Arbeiterrechten und Demokratie – weitestgehend ignoriert.

Im dritten Teil wird dargestellt, was geschieht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Im Mittelpunkt stehen die finanzwirtschaftlichen Konsequenzen der Überschuldung im Westen sowie die weltweiten Auswirkungen der abnehmenden Verfügbarkeit von Ressourcen. Untersucht werden auch die Auswirkungen von Problemen der Rohstoffversorgung auf globale medizinische Versorgungsstandards. Hier werden sowohl ein Rückgang der durchschnittlichen Lebenserwartung in bestimmten Weltregionen als auch staatsinterne und transnationale Konfliktrisiken prognostiziert.

Der letzte Teil des Buches geht schließlich darauf ein, was wir gegen diese Entwicklungen tun können, um wenigstens einige der fatalen Konsequenzen zu vermeiden. So fordert der Autor radikale politische Veränderungen und einen Gesinnungswandel in Finanzwirtschaft, Industriekonzernen und bezüglich des sozialen Zusammenlebens. Maxton ist leidenschaftlicher Verfechter der europäischen Werte aus der Aufklärung: Freiheit und Verantwortlichkeit des Einzelnen, Gleichheit vor dem Gesetz und Chancengleichheit sowie Bildung für alle.

Fazit: Graeme Maxton liefert mit seinem Buch eine provozierende Analyse jenseits des (ökonomischen) Mainstreams. Viele Thesen und Lösungsskizzen bleiben leider an der Oberfläche. Viele Aussagen sind nicht neu. Von Zeit zu Zeit hat man als Leser auch größere Probleme den roten Faden zu erkennen. Trotz alledem: Ein radikales und lesenswertes Buch für Alle, die auch einmal über den Tellerrand der "klassischen Ökonomie" schauen möchten.

Autor der Rezension: Frank Romeike


Review details

Author: Graeme Maxton
Number of pages: 326
Publisher: FinanzBuch Verlag
Place of publication: München
Date of publication: 2012

RiskNET rating:

gut total rating

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